"Einschlafen dürfen, wenn man müde ist, und eine Last fallen lassen dürfen, die man lange getragen hat, das ist eine köstliche, eine wunderbare Sache." Hermann HesseDas sanfte, natürliche Einschlafen im hohen Alter wünschen sich so viele, und doch ist es in heutigen Zeiten immer seltener geworden. Das hat wohl auch mit der Angst und der Tabuisierung des Todes und des Sterbevorganges zu tun, durch das Menschen sich an die Angebote der Medizinindustrie klammern, nicht selten zu ihrem eigenen Unheil. Weiterleben "auf Teufel komm raus" kann das Leben sowohl der Erkrankten als auch der hilflosen Angehörigen zu einer Qual werden lassen.Im Gegensatz zu früher werden inzwischen auch hochbetagte Menschen mit allen Möglichkeiten der modernen Medizin (Reanimation, Beatmung, Chemotherapie, Bestrahlung, Lysebehandlungen, etc.) behandelt. Nicht selten kommt es außerdem vor, dass man sie im häuslichen Umfeld zum Essen und Trinken zwingt. Falls sie nicht kooperieren, werden sie mit Medikamenten ruhiggestellt und notfalls über künstliche Ernährung weiter am Leben erhalten. Zu wessen Nutzen?? Wer sich ein derart hinausgeschobenes, erbarmungswürdiges Lebensende nicht vorstellen mag, findet in diesem Buch wertvolle und auch tröstliche Informationen.Aus meiner Sicht könnte jeder Mensch, der des Lesens mächtig ist, von der Lektüre dieses außergewöhnlichen Buches für sein Leben profitieren. Ich wurde darauf aufmerksam, als ich ein Youtube-Interview mit Christiane zur Nieden gesehen habe und habe es daraufhin innerhalb weniger Tage durchgelesen.Den freiwilligen Verzicht auf Nahrung und Flüssigkeit als Ausweg in verzweifelter Lebensmüdigkeit bekannter zu machen - als gangbaren, würdigen und friedvollen Weg, zum Wohl aller Beteiligten - dazu wird dieses Buch denen helfen können, die es lesen und auch denen, die davon hören werden.In meiner beruflichen Zeit in Krankenhäusern, Rettungsdienst und in Arztpraxen habe ich viele Menschen sterben sehen und war in ihren letzten Minuten an ihrer Seite. Viele starben einsam und wären sicher viel lieber in ihrer häuslichen Umgebung gewesen, begleitet durch vertraute Menschen.Besonders erschüttert haben mich zwei Selbstmorde, beide durch kranke, hochbetagte Frauen. Die eine hatte sich im Hausflur am Treppengeländer erhängt, die andere hatte sich auf die Bahngeleise gelegt und wurde durch den Zug getötet. Welche Qual und Ratlosigkeit musste diese beiden Frauen angetrieben haben, eine solche Todesart zu wählen und auszuführen? Und welches Leid wurde bei den Hinterbliebenen ausgelöst: Entsetzen, Scham- und Schuldgefühle, das Gerede im Dorf, auch der traumatisierte, schockierte Lokführer sei nicht vergessen, der vielleicht nie mehr in seinem Führerabteil stehen kann.Hier im besten Sinne Vorsorge zu betreiben, ist das große Verdienst von Christiane und Hans-Christoph zur Nieden. Mit erstaunlicher Sensibilität, Herzenswärme und Professionalität schildern und kommentieren sie die Erfahrungen ganz verschiedener Menschen, die sich um das Thema "Sterbefasten" ranken. Sie erläutern auch spirituelle und philosophische Fragen und geben sehr hilfreiche, alltagstaugliche Tipps zur Auseinandersetzung mit Abschied und Tod. Und im Anhang gibt es noch Hilfen und Tipps zur Durchführung der ganz konkreten Begleitung und Pflege eines sterbewilligen Menschen durch seine Angehörigen.WIE wichtig frühzeitige, offene und mitfühlende Kommunikation über den Tod und den Sterbeprozess in Familien oder Gemeinschaften ist, am besten lange VOR dem Eintreten eines "Ernstfalles", wird im Verlauf der Erfahrungsberichte immer wieder deutlich. Je besser die Kommunikation ist, desto sanfter und harmonischer kommt es zum Abschied vom Leben, und desto leichter wird auch die Trauerverarbeitung im Umfeld der Verstorbenen.Ich danke den beiden Autoren von Herzen, dass sie sich so "lebens- und todesmutig" an das Weitergeben ihrer Erfahrungen gewagt haben und empfehle, dieses Buch in der gleichen Haltung zu lesen. Ich bin sicher, der Großteil der Leserschaft wird sehr dankbar sein für die Impulse und Gedanken, die durch die Beschäftigung mit Tod und Sterben aufkommen und die das eigene Leben vertiefen und intensivieren werden.Möge kein Mensch mehr durch Unwissenheit und Verzweiflung einen gewaltvollen einsamen Weg in den Tod wählen müssen.Abschließen möchte ich mit einem Bibelvers aus Psalm 90, Vers 12:"Herr, lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden."