„Ela, Elmo und die Zaubermomente“ ist eines der Kinderfachbücher zu psychologischen Themen des Mabuse-Verlages, in diesem Fall zum Thema Bindung. Die Psychologin und systemische Therapeutin Julia Schneider hat das Thema auf kindgerechte Art und Weise narrativ aufgearbeitet. So folgen die Leser*innen der Geschichte von Ela, die von ihren alltäglichen Erlebnissen mit Elmo erzählt. Elmo ist Elas externalisiertes, personifiziertes Bindungsbedürfnis und wird als Freund beschrieben, den niemand außer ihr sehen kann. Jeden Tag sammeln Ela und Elmo Zaubermomente – Momente, in denen Ela etwas Schönes mit anderen Menschen oder auch mit ihrem Hund erlebt. Wenn sie zum Beispiel mit ihrer Mama Seifenblasen pustet, wenn ihr Bruder sie zum Trösten in den Arm nimmt, ihr Opa sie auf dem Fahrrad anschiebt oder ihre Tante einen Apfel für sie schnitzt, sammelt Elmo diese Zaubermomente als schwebende Kugeln in einem Beutel. Menschen, mit denen Ela viele Zaubermomente erlebt, werden zu ihren Lieblingsmenschen und immer, wenn sie einen neuen Zaubermoment finden, fühlen Ela und Elmo sich wohl und freuen sich. Doch nicht immer gibt es Zaubermomente – manchmal wird Ela von anderen Kindern geärgert, manchmal haben die Erwachsenen keine Zeit für sie, manchmal stirbt ein geliebter Mensch. Elmo wird dann ganz traurig oder sauer und Ela auch. Ihre Versuche, Elmo daraufhin unter den Teppich zu kehren oder in den Schrank zu sperren, bleiben erfolglos, deshalb probiert sie andere Dinge aus, um herauszufinden, was ihr und Elmo in solchen Momenten hilft: in die Sterne schauen, Tee trinken, Musik hören oder die Zaubermomente, die sie schon gesammelt haben, betrachten… So lernt sie, was ist hilfreich, um die Zeit zu überbrücken, bis sie wieder schöne Momente mit anderen erleben kann.Nach der 30-seitigen Geschichte folgen ein Mitmachteil für Kinder sowie ein Fachteil für Erwachsene. Im Mitmachteil haben die Kinder Platz, ihren eigenen Elmo zu zeichnen und ihm einen Namen zu geben. Sie können ihre Lieblingsmenschen sowie ihre liebsten Zaubermomente aufmalen und Ideen dazu sammeln, was ihnen hilft, wenn sie einen Lieblingsmenschen vermissen. Außerdem werden sie angeregt, sich selbst einen Beutel anzulegen, in dem sie aufgemalte oder aufgeschriebene Zaubermomente sammeln. Der Teil für Erwachsene hält fachliche Informationen zum Bindungsbedürfnis bereit, erklärt dessen Bedeutung und wie Erwachsene Kinder beim Erlernen des Umgangs mit den eigenen Gefühlen unterstützen und in ihrem Bindungsstil stärken können. Am Ende des Buches finden sich schließlich noch Literaturempfehlungen für Eltern und Fachpersonen, weitere Kinderbücher zum Thema, Links zu Blogs sowie Anlaufstellen, die fachliche Unterstützung anbieten.Die Illustrationen der Pädagogin und Künstlerin Marlene Monzel wirken weich, zart und verträumt. Sie sind mit Aquarellfarben gestaltet, wobei die Figuren im Vordergrund zusätzlich mit klaren Konturen versehen wurden, während die Hintergründe durch fließende Farbübergänge und Kleckse gekennzeichnet sind. Elmo ist als wobbliges Wesen portraitiert, das unglaublich niedlich und liebenswert wirkt und das man am liebsten in den Arm nehmen würde. Diese Darstellung bestärkt, genau wie der einfühlsam geschriebene Text, dass Rezipient*innen Empathie für Elmo und damit auch für ihr eigenes Bindungsbedürfnis entwickeln können. Die Mimik der Figuren ist sehr ausdrucksstark gezeichnet, die verschiedenen im Text beschriebenen Gefühle wie Freude, Trauer und Wut werden so auch bildlich gut vermittelt. Charakteristisch ist zudem die Symbolik der Pflanze, die sich durch das ganze Buch zieht: Bunte, große Blätter ranken über viele Seiten und sollen, so erklärt es der Fachteil für Erwachsene, verdeutlichen, dass Kinder gute Bindungen zum Wachsen brauchen. Farblich gesehen werden viele Blautöne verwendet, die Assoziationen von Sternenhimmel oder Unterwasserwelt aufkommen lassen und die verträumte Atmosphäre der Illustrationen verstärken. Die im Schrifttext beschriebenen Situationen sind so gewählt, dass sie der Lebenswelt vieler Kinder entsprechen, die jungen Leser*innen so einen Bezug zu ihnen haben und die Geschichte, wie das Buch es beabsichtigt, auf ihre eigene Situation übertragen können. Der Blick ist dabei stets stärkenorientiert, sowohl in der Geschichte als auch im Fachteil für Erwachsene, in dem die Neuroplastizität menschlicher Gehirne betont und hervorgehoben wird, „dass auch unsicher gebundene Kinder Sicherheit zurückgewinnen können, wenn sie Zaubermomente mit Lieblingsmenschen sammeln“. Statt sich also an Begriffen wie sicherem und unsicherem Bindungsstil übermäßig aufzuhängen, wird der Fokus darauf gelegt, was konkret getan werden kann, um Bindungsbedürfnisse zu befriedigen.Ein Einsatz des Buches ist sowohl im Kontext von Psychotherapie, Beratung und sozialer Arbeit als auch in der Schule gut denkbar. Hier kann es als ein Medium zur psychosozialen Bildung eingesetzt werden, um die Kinder dabei zu unterstützen, sich mit den eigenen Gefühlen und Beziehungen auseinanderzusetzen und Strategien der Selbstfürsorge zu erlernen – ein Bereich, der in schulischer Bildung bislang oft noch zu kurz kommt. Die Anregungen aus dem Mitmachteil für Kinder bieten dabei schon sehr gute Möglichkeiten, die unterrichtlich aufgegriffen werden können. Eine absolute Empfehlung!Weitere Rezensionen auf ajum.de
jedoch gelingt die direkte Externalisierung des Bindungsbedürfnisses in diesem Buch bei Kindern ( 8, 10, 11 und 12 Jahre alt), im Gegensatz zu anderen thematisch vergleichbaren, aber indirekt auf das Bindungsbedürfnis eingehenden Büchern, weniger gut.Mag bei diesem Buch eventuell an dem komplexen Aufbau bzw. an der Art und Weise inhaltlicher, sprachlicher und illustrierter Darbietung/Verbindung von externalisierten Bindungsbedürfnis und Gefühlen liegen. Die Kinder zeigten sich relativ schnell überfordert und gelangweilt und wünschten sich einer anderen Aufgabe zuzuwenden. So zumindest meine bisherigen Erfahrungen.