Die Abschaffung des Menschen (Sammlung Kriterien)
Sozialwissenschaften EAN 9783894111571

Die Abschaffung des Menschen (Sammlung Kriterien)

Hersteller: Johannes Verlag  ·  MPN: 11245288
5,0/5 (4 Bewertungen)

Produktfakten auf einen Blick

Hersteller
Johannes Verlag
EAN
9783894111571
Hersteller-Artikelnr.
11245288
Kategorie
Sozialwissenschaften
Durchschnittsbewertung
5,0 / 5 (4 Bewertungen)

Bewertungen & Erfahrungen

5,0 von 5
4 Bewertungen
5 ★ 4
4 ★ 0
3 ★ 0
2 ★ 0
1 ★ 0

Verteilung basiert auf 4 vorliegenden Einzelbewertungen.

Wir bündeln Bewertungen aus verschiedenen Quellen und geprüfte Nutzerbewertungen von testmonster.de, um dir ein ehrliches Gesamtbild zu geben.

Redaktion 15.06.2026 testmonster.de · Redaktion
Klasse!
StevenStone 07.05.2024 amazon.de
C.S. Lewis, englischer Literaturwissenschaftler und Mittelalterexperte, Verfasser der „Chroniken von Narnia“, hat 1943 drei Vorlesungen gehalten, die hier in Buchform vorliegen. Im Grunde sind sie Antworten auf die vier kantischen Fragen. Am ehesten auf die zweite: „ Was soll ich tun?“ und die vierte: „Was ist der Mensch?“. Sie haben den großen Vorzug der Kürze. Auf achtzig Seiten versuchen sie Antworten zu geben und tun das in literarisch brillianter wie logisch überzeugender Art. Wer Steven Pinker ( „Das unbeschriebene Blatt“) oder Jordan B. Peterson („12 Rules for Live“) für hoffnungslose Reaktionäre, Kulturpessimisten und Biologisten hält, der kann dieses Büchlein getrost zu Seite legen und sich die Lektüre und Ärger ersparen. Es geht nämlich um Werte. Dass es sie wirklich gibt und dass man versuchen sollte, sich nach ihnen zu richten. Damit zusammen hängt ein Respekt vor früheren Zeiten. Nicht, dass sie besser waren oder man ihre Traditionen unbesehen fortführen sollte, aber dass ihr Bemühen, die Welt um sie herum mit Verstand und Herz zu durchdringen, den unseren nicht grundsätzlich unterlegen war, weil sie noch nicht im Besitz bestimmter naturwissenschaftlicher Erkenntnisse waren. Fehler und Scheuklappen gibt es im zwanzigsten und einundzwanzigsten wie im fünfzehnten und sechszehnten Jahrhundert. Lewis hat den streitbaren Evolutionsbiologen Richard Dawkins noch nicht gekannt als er seine Vorlesungen gehalten hat. Dawkins, der den Glauben an das Gute für ein sinnloses und eher schädliches Mem hält und Nächstenliebe für ein evolutionäres Nebenprodukt mit Nebenwirkungen, hat seinem Bestseller „Der Gotteswahn“ den Untertitel gegeben: „Ich bin ein Gegner der Religion. Sie lehrt uns, damit zufrieden zu sein, dass wir die Welt nicht verstehen“. Müsste Lewis ihm in einem Satz antworten, dann würde er – wenn ich seine Vorlesungen richtig verstanden habe - das etwa folgendermaßen machen: „ Wenn Religion das Bekenntnis gestaltet, nicht alle existentiellen Dinge und Zusammenhänge zu verstehen, sondern manches zu tun, zu befolgen und zu verehren und ihre forcierte Verwissenschaftlichung und Manipulation für lebensfeindlich und gefährlich hält, dann bin ich deshalb ein Anhänger der Religion oder zumindest ein Bewunderer ihrer kulturellen Leistung. Ich muss kein Theist oder Christ sein - C.S.Lewis war einer – um im Gegensatz zu landläufiger Religionskritik, von der Dawkins ein gutes Beispiel ist, mit Respekt wahrzunehmen, dass Religionen überall und jederzeit die menschliche Bedingung und ethische Postulate mit tiefer Weisheit und hoher Sensibilität formuliert haben. Dass also z.b. auch das Christentum einen kulturellen Schatz zusammengetragen hat, der fortwirkt, unabhängig davon ob wir gläubig sind oder nicht. Lewis Vorträge sind mit Sicherheit auch in Unkenntnis von Gedanken entstanden, die Horkheimer und Adorno in der gleichen Zeit umgetrieben haben und die sie im Amerika zum ersten Mal zu Papier gebracht haben : „Die Dialektik der Aufklärung“. Was die beiden Soziologen und Philosophen auf einem hoch abstrahierten und wissenschaftlich-assoziativen Niveau geleistet haben, das hat Lewis nicht minder brilliant, aber doch greifbarer und leichter zugänglich so formuliert, dass man es ohne wissenschaftstheoretische Vorkenntnisse lesen kann. Vor achtzig Jahren und rund fünfzig bis sechzig Jahre vor dem Einsetzten der digitalen Revolution ( oder nach Jaron Lanier dem „Digitalen Totalitarismus“) hat Lewis mit unglaublicher Hellsicht die Zwiespältigkeit des Triumphs der Technik beschrieben. Er schreibt im dritten Kapitel: „Die Eroberung der Natur durch den Menschen bedeutet, falls die Träume einiger wissenschaftlicher Planer sich verwirklichen lassen, die Herrschaft von ein paar hundert Menschen über Abermilllionen von Menschen. Es gibt keine einseitige Machtsteigerung für die Menschheit im Ganzen, und es kann keine geben. Jede von Menschen neu erlangte Macht ist gleichzeitig Macht über Menschen. Jeder Fortschritt macht ihn nicht nur stärker, sondern auch schwächer. In jedem Sieg ist er nicht nur der triumphierende General, sondern auch der Gefangene, der dem Triumphwagen folgt.“( S.61/62) Und weiter: „Die Menschengestalter des neuen Zeitalters werden dagegen mit der Macht eines zu allem befugten Staates und einer unerbittlichen wissenschaftlichen Technik bewaffnet sein; wir werden endlich eine Rasse von Konditionierern haben, die tatsächlich die ganze Nachwelt nach ihrem Belieben formen können.“ ( S. 63) Eine Zähmung der Naturwissenschaft und eine Immunisierung bestimmter Lebensbereiche gegen vermeintliche wissenschaftliche Erschließung zieht rasch den Verdacht des Dunkelmännertums und des Obskurantismus nach sich. Es wird als antiaufklärerisch betrachtet – als wenn die Aufklärung ein seit dreihundert Jahren laufendes Erfolgsrezept wäre, das noch keinerlei Kritik und Einwand erlebt hätte. Und es wird eingewendet, dass sich der Fortschritt noch immer und mit Erfolg über solche Ängste und Bedenken hinweg gesetzt habe. Das ist nach Lewis „das verhängnisvolle Reihendenken der modernen Phantasie, das Bild einer unendlichen einlinigen Progression“(S.81). „In gewissen Abläufen ist der letzte Schritt – sui generis – den anderen unvergleichbar. Ihn zu tun heißt, die ganze mühsame Reise vergeblich zu machen. Ein Stück weit mag die Erklärung, die alles wegerklärt, für uns ergiebig sein, wenn auch um einen hohen Preis. Aber man kann nicht endlos wegerklären, sonst wird man feststellen, dass man die Erklärung selbst wegerklärt hat. Man kann nicht endlos die Dinge „durchschauen“. Durch sie hindurchschauen hat nur Sinn, wenn man durch sie hindurch etwas sieht. Es ist gut, dass ein Fenster durchsichtig ist, weil die Straße oder der Garten dahinter undurchsichtig sind. Wie, wenn man auch durch den Garten hindurchsehen könnte? Es führt zu nichts, die Ersten Prinzipien „durchschauen“ zu wollen. Wenn man durch alles hindurchschaut, dann ist alles durchsichtig. Aber eine völlig durchsichtige Welt ist unsichtbar geworden. Wer alles durchschaut, sieht nichts mehr.“ (S. 81/82)
Hanniel 07.05.2024 amazon.de
Wer schafft es, in bloss 100 Seiten ein zentrales Thema beispielhaft und eindrücklich zugleich abzuhandeln? Nein, es liegt hier keine „In zwei Stunden hast du es geschafft“-Produktion vor. Es geht um ein kleines Buch, das 1943 – im selben Jahr, als Deutschland nach der Niederlage von Stalingrad dem Rest der Welt den totalen Krieg erklärte – aus drei Vorlesungen heraus entstanden ist. Als Autor zeichnet der britische Schriftsteller und Literaturwissenschaftler C. S. Lewis; der Mann also, der die Narnia-Chroniken geschrieben hat.Für die Buchbeschreibung kann ich die Bewertung vorweg nehmen: Es ist das Buch von Lewis, das mich am meisten geprägt hat. Nicht umsonst zählt es der Philosoph Peter Kreeft zu den 100 wichtigsten philosophischen Büchern. Lewis gelingt es, von einem „harmlosen“ Lehrbuch ausgehend das apokalyptische Szenario zu schildern, wenn sich der Mensch der Manipulation seiner selbst ausliefert. Hans Urs von Balthasar schreibt im Vorwort: „Zu Beginn meint man eine Fliege summen hören, zuletzt muss man sich, als wäre man inmitten der Schlacht von Stalingrad, die Ohren zuhalten.“ (10)Um was geht es? Lewis entfaltet die „Frage der Objektivität der ersten Sittlichkeitsprinzipien“ (von Balthasar, 10). Es existieren, so lautet das Kernargument, „sittliche Grundsätze aller Kulturen“ (ebd.) Es geht Lewis dabei nicht in erster Linie um den „Versuch eines indirekten Beweises für den Theismus“ (53). Als zentralen Begriff für dieses Sittlichkeitsprinzip wird das „Tao“ eingeführt, „die Lehre von einem objektiven Wert, der Glaube, dass gewisse Haltungen bezogen auf das Wesen des Alls und auf das, was wir selber sind, wirklich wahr sind und andere wirklich falsch.“ (27) Er folgt damit ebenso Plato und Aristoteles, wie er Konfuzius, die alten Juden und Augustinus mit berücksichtigt.Gegenüber dieser alten Ordnung erfolgte in der Welt des 20. Jahrhunderts - das Schreckensregime der Nazis bleibt dem Leser stets präsent im Hinterkopf - ein totaler Bruch. Die Welt der Gefühle und die Welt der Tatsachen stehen sich ohne Möglichkeit der Annäherung gegenüber (29). Sie wurden nämlich voneinander losgekoppelt. Diese Grundüberzeugung ist längst Allgemeingut unserer säkularisierten Gesellschaft: Fakten und deren Bewertung sind säuberlich voneinander zu trennen. Es gibt keine wahren Emotionen, die mit der objektiven Realität korrespondieren. Damit werden "brustlose Menschen" hervorgebracht (33). Ein erster interner Spannungspunkt deutet Lewis schon an, wenn er einwirft, dass selbst bei den Konstrukteuren dieser Ethik bei Abweichung von den eigenen moralischen Urteilen Gefühle entstehen (31).Wenn erst die Loskoppelung von Fakten und Gefühlen gemacht ist - ja, was geschieht dann? Es können, so Lewis, willkürlich (oder eben auch gezielt) neue Verbindungen zwischen Fakten und Gefühlen aufgebaut werden. Die Einführung von neuen, dem universalen Sittengesetz entgegen laufenden Bewertungen haben durchs Band manipulativen Charakter. Eine besonders günstige Phase zur Bildung neuer Paradigmen ist eben die formative Phase der Heranwachsenden. Der Rat an die Erzieher lautet darum so: „Die Aufgabe des modernen Erziehers besteht nicht darin, Dschungel auszuhauen, sondern Wüsten zu bewässern.“ (23)Wie ich schon angetönt habe, denkt Lewis den Totalitarismus einer relativistischen Ethik konsequent zu Ende. Das tönt beispielsweise so: „Wenn nichts mehr um seiner selbst willen getan wird, gibt es nichts mehr, was getan werden muss." (46) Mit anderen Worten: Alles ist möglich. Dabei tut sich ein ungeheurer Abgrund auf: Einige Mächtige beginnen mit der ethischen Programmierung der übrigen Gesellschaft. Man denkt unwillkürlich an das Nazi-Regime und in meinem Fall auch an "neumödige" Initiativen des Staates, via Neuschreibung von Bildungsplänen entstandene ethische Lücken mit Inhalten zu füllen und diese dann per Gesetz allen Bürgern vorzuschreiben. Wehe dem, der sich der neuen Toleranz nicht beugen will! „Was wir die Macht des Menschen nennen, ist in Wirklichkeit Macht in den Händen von Einzelnen, die anderen gestatten oder nicht gestatten, davon zu profitieren.“ (58)Gerne blicken wir auf Bösewichte des ach so fortschrittlichen 20. Jahrhunderts wie Stalin oder Mao. Lewis reisst uns aus dieser Fixierung heraus. „Der Prozess, der, falls man ihm nicht Einhalt gbietet, den Menschen zerstören wird, spielt sich unter Kommunisten und Demokraten ebenso augenfällig ab wie unter Faschisten. Die Methoden mögen sich zunächst in der Brutalität unterscheiden. Aber manch ein sanftäugiger Naturgelehrter mit Zwicker, manch ein erfolgreicher Dramatiker, manch ein Amateurphilosoph in unserer Mitte verfolgt auf die Länge genau dasselbe Ziel wie die herrschenden Nazis in Deutschland. Das traditionelle Wertsystem soll ‚abgetakelt‘ und die Menschheit in eine neue Form umgeprägt werden, nach dem Willen … einiger glücklicher Leute der einen glücklichen Generation, die gelernt hat, wie man es macht." (75)Der wahre Grund für die Abkehr von universellen Sittengesetz ist die Abkehr vom Schöpfergott. Der Mensch ist nicht bereit, sich seinem Willen zu beugen. So muss „die Wirklichkeit den Wünschen der Menschen gefügig" gemacht werden (78). Das geht aber nur bedingt. Wenn man nämlich das Moralgesetz wegerklärt hat, „wird man plötzlich feststellen, dass man die Erklärung selbst wegerklärt hat“. (81) Und was bleibt dann noch übrig? Die Existenzialisten haben es uns vor einigen Jahrzehnten vorgemacht. Auf die Leere folgte im schlimmsten Fall die Todessehnsucht. Über dieses Bewusstsein verfügen jedoch nur die wenigsten Menschen. Der Leitspruch der Mehrheit lautet: "Lasst uns essen und trinken, denn morgen sterben wir."
Anonymer Kunde 07.05.2024 amazon.de
Diese Schrift von C. S. Lewis stellt eine beeindruckende Kritik an der Vorstellung dar, dass alles, was wir empfinden, sehen und erkennen, letztlich nur subjektive Eindrücke seien und ein unverrückbar richtiges Wertegerüst daher nicht existiere.Mit diesem Werterelativismus ist die Tür zur Zerstörung der Gesellschaft geöffnet. Denn wenn traditionelle Werte, die es gerade deshalb sind, weil sie eben über Jahrhunderte wenn nicht Jahrtausende funktioniert haben, relativiert werden, erheben sich die Ideologen, die meinen, bastardisierte Wertekonzepte anbieten und durchsetzen zu können. In gewisser Weise lässt sich in dieser Vorstellung der Werterelativität wohl auch ein Vorläufer des postmodernistischen Denkens erkennen.TL;DR: Ein auf axiologischer Ebene essentialistisch-reaktionäres Werk im allerbesten Sinne!
Preisvergleich
0 Angebote gefunden

Keine Angebote mit diesen Filterkriterien gefunden.

Filter zurücksetzen

* Alle Preise inkl. MwSt., ggf. zzgl. Versandkosten. Preise und Verfügbarkeit können sich seit der letzten Aktualisierung geändert haben. Beim Klick auf „Zum Angebot" oder „Zum Shop" verlässt du testmonster.de und wirst zum jeweiligen Händler weitergeleitet. testmonster.de erhält ggf. eine Provision — für dich entstehen keine Mehrkosten.

Weitere Produkte von Johannes Verlag
Weitere Produkte in „Sozialwissenschaften"
Alle in Kategorie →