Ishiguro, Kazuo: Der Maler der fließenden Welt
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Gegenwartsliteratur EAN 9783896677020

Ishiguro, Kazuo: Der Maler der fließenden Welt

Hersteller: Blessing Karl Verlag  ·  MPN: 1105498
4,0/5 (4 Bewertungen)
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Produktfakten auf einen Blick

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Gegenwartsliteratur
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Produktbeschreibung

In den 1930er-Jahren hat der Maler Masuji Ono seine Kunst in den Dienst der japanischen Expansionspolitik gestellt. Jetzt, nach dem Krieg, ist sein damaliger Patriotismus anrüchig geworden, und als seine Tochter heiraten will, wird seine politische Vergangenheit zur Belastung für die Familie. Seine Lebensbeichte offenbart ein heilloses Geflecht von Schuld und Irrtum und ist ein Läuterungsprozess, nach dem er nicht mehr derselbe sein wird wie zuvor. Kazuo Ishiguros eindringlicher, meisterhaft erzählter Roman über einen Künstler, der mit seiner Vergangenheit ringt, lässt das vom Krieg zerrüttete

Bewertungen & Erfahrungen

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Verteilung basiert auf 4 vorliegenden Einzelbewertungen.

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Redaktion 13.06.2026 testmonster.de · Redaktion
Interessant.
Carla 26.05.2024 amazon.de
Still beginnt der Roman. Dialoge sind es, die ihn tragen. Von Höflichkeitsbezeugungen durchzogen vermitteln sie ein japanisches Flair. Dazu kommen bildhafte Beschreibungen der Natur, der Baulichkeiten, der Stadtviertel und ihrer Entwicklungen. Wie könnte es anders sein, wenn die Welt mit den Augen eines Malers beschrieben wird. So entwickelt sich langsam ein Beziehungsgeflecht zwischen den Beteiligten und ihrer Umgebung.Erst im letzten Drittel nimmt die Handlung Fahrt auf. Nun kommt die ganze Problematik eines Mannes ans Licht, der vor dem Krieg propagandistische Malerei schuf und nun mit seiner Vergangenheit die Familie in Misskredit bringt. Schwer erträglich sind die Zusammenhänge, die sich dem Leser offenbaren und schmerzlich ist es für den Protagonisten, sein Weltbild zu revidieren. Diesen Prozess durchlebt der Leser hautnah gemeinsam mit Ono dem Maler, um schließlich für eine Figur, die kaum Potential für Identifikation bot, sogar eine Spur Mitgefühl zu entwickeln.Ich fand den Roman beeindruckend aufgrund der Beschreibungen, die starke Vorstellungen in mit weckten, aufgrund der Stille, die sich zu wahrer Spannung steigerte sowie aufgrund der schwierigen Thematik, die hier beispielhaft gelöst wird.
Mitternachtsleser 26.05.2024 amazon.de
Im Mittelpunkt des Romans von Kazuo Ishiguro steht der alternde Maler Masuji Ono, der in seiner Jugend in den 1930er Jahren ein exponierter Unterstützer der japanischen Großmachtpolitik war.Für deren nationalistische Ziele nutzte er sein malerisches Talent für die Gestaltung von propagandistischen Bildern, Plakaten und Kampagnen.Nachdem der japanische Expansionsdrang erst in den japanischen-chinesischen Krieg mündete und - nach dem Überfall auf Pearl Harbor und dem Kriegseintritt der Vereinigten Staaten - mit den Atombombenabwürfen auf Hiroshima und Nagasaki und schließlich mit der Kapitulation Japans endete, sind diese "Jugendideale" zutiefst diskreditiert.Während wesentliche Protagonisten der japanischen Kriegspolitik entweder als Kriegsverbrecher angeklagt werden oder Selbstmord begehen, bleibt Ono äußerlich unbehelligt. Offenbar wird dessen Rolle als Künstler nicht für bedeutend genug erachtet, um ihn offiziell anzuklagen.Er selbst verdrängt oder untertreibt seinen damaligen Einfluss oder rechtfertigt sich vor sich selbst damit, dass er ja nur die besten Ziele verfolgt habe.Erst als die Hochzeitsverhandlungen (!) für seine jüngste Tochter unerwartet scheitern - ist seine Vergangenheit hierfür der Grund? -, drängt sich für Ono die Frage nach persönlicher Schuld in den Vordergrund.Er sucht wieder Kontakt zu Menschen aus dieser Vergangenheit: In den entsprechenden Episoden mit seinem früheren Lehrer, ehemaligen Schülern, Freunden und Feinden wird die Verstrickung Onos mit dieser Zeit sichtbar. Es wird der tiefe Riss deutlich, der zwischen ihm und seinen einstigen Weggefährten einerseits und den Opfern und zumeist jungen Verfechtern eines demokratischen, modernen Japan andererseits besteht und der letztlich sogar durch seine eigene Familie geht.Ishiro brilliert hier erneut mit der differenzierten Studie eines Menschen, der sich am Lebensende mit der Tatsache konfrontiert sieht, dass er sein Lebenswerk einem falschen und unwürdigen Ziel gewidmet hat.Der Roman weist hierin starke Parallelen mit seinem zu Recht berühmten Werk "Was vom Tage übrigblieb" auf, der ein fast identisches Thema zum Inhalt hat.Dennoch ist dies ein eigenständiges Buch, das glaubwürdig ein Bild der Umbrüche Japans nach dem Zweiten Weltkrieg und der inneren Ambivalenz eines Menschen zeichnet, der schuldig geworden ist, ohne sich schuldig zu fühlen und sich mit den Konsequenzen seines Lebens auseinander setzen muss.Ishiros Kunstfertigkeit der differenzierten Formulierungen und der subtilen Dialoge, die ohne jeden plakativen Effekt eine enorme Spannung aufzubauen vermögen, ist unbedingt lesenswert. (Phantastisch gelungen: die Passage, in der ein ehemaliger Schüler die schriftliche Erklärung Onos erbittert, dass er ihm seinerzeit durchaus einmal widersprochen habe!)Für mich persönlich war einzig die (zum Glück zurückhaltende) Verwendung der zweiten Person bei der Erzählperspektive störend (Wie Du sicher weißt...); einer Erzählperspektive, auf die ich nach dem Lesen einiger Beispiele (exzessiv: "Ein Mann der schläft") inzwischen fast allergisch reagiere.Trotz dieses sehr subjektiven Vorbehalts ist kann ich für "Der Maler der fließenden Welt" insgesamt eine sehr starke Leseempfehlung aussprechen.
Bert Bach 26.05.2024 amazon.de
Ein großartiges Buch über die Nachkriegszeit in Nagasaki. Feinfühlig, ehrlich und leise. Interessanter Vergleich zur Aufarbeitung der Nazizeit im Nachkriegsdeutschland. Aber das Buch strotzt vor Fehlern. Das wird einem Nobelpreisträger nicht gerecht. Schade.
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