Die zahlreichen Stories die Helge Timmerberg hier zum Besten gibt und die zum Großteil aus dem nahen und fernen Osten, aber auch aus Südamerika und Europa stammen, haben einen hohen Unterhaltungswert.In recht skurilen Stil schreibt der Autor hier und es ist ihm teils nicht leicht zu folgen. Manchmal muss man aufgrund der hohen Informationsdichte einen Satz schon 2mal lesen, damit man dessen Inhalt auch versteht. Aber so wird es nicht langweilig und man hat zwangsläufig mehr von dem Buch. Dennoch liest es sich flüssig und der Stil passt zu den kuriosen Geschichten, die vom Leben eines abgerissenen Reisejournalisten erzählen, der kein Risiko scheut, keine Droge und keine Bettgeschichte auslässt.Trotzdem hat das Buch einen gewissen Bildungswert, denn es enthält auch viel interessante Informationen, die man während dem Lesen aufschnappt, z.B. zu fremden Religionen und natürlich auch zu den politischen & gesellschaftlichen Hintergründen, die während der Geschichten eine Rolle gespielt haben.So kann man die Lektüre all jenen empfehlen, die auf gute Unterhaltung mit Anspruch aber ohne Tabus Wert legen.
Anfangs durchaus angetan bereitete mir die Lektüre mehr und mehr Verdruss. Zwei Beispiele. Zitat 1: "Nur Mütter sind richtige Frauen. Alle anderen sind Mädchen." Zitat 2: "Deutsche Männer sind schwach. Deutsche Frauen sind grausam. Alles dreht sich um Sex - nur ohne Sex." Plattitüden dieser Art fand man früher in Zeitgeist-Magazinen wie "Tempo", "Wiener" oder "Prinz", Zeitschriften, in denen Helge Timmerberg die meisten seiner Texte publiziert hat und die ich manchmal geliebt, meistens aber gehasst habe. Wegen genau dieser Art von Angeber-Sätzen. Klingt gut, klingt wichtig, ist aber ausgemachter Blödsinn. Und das ist mein Problem mit Timmerberg und diesem Buch.Der Mann hat viel von der Welt gesehen, Respekt, dazu ausgiebig mit Drogen und Sex experimentiert, und das lässt er uns wissen, in jeder Story, in jedem Absatz. Ach, er findet sich so ganz anders als seine Landsleute, das verdeutlicht er uns mit einer Penetranz, die ich - sorry, Helge - schon wieder spießig finde. Was geht es uns ans, wenn Timmerberg in Amsterdam Pilze nimmt, in Marrakesch vergöttert wird für seine sexuellen Qualitäten, in Wien Viagra-beschwingte Liebe macht oder in Kuba sechs Stunden am Stück? Eben: Gar nichts.Natürlich kann der Mann schreiben. Manchmal sogar richtig klasse, immer unterhaltsam. Ob ihn das zum "besten Schreiber in Deutschland" macht (Sibylle Berg), erlaube ich mir zu bezweifeln. Es gibt da mitunter Momente, die könnten magisch sein - Kalkutta, Andalusien, Tel Aviv - würde Timmerberg sie nicht konsequent mit diesem Pathos aufblähen. Da versteht er plötzlich, da öffnet er die Ohren oder das Herz, da wird er endlich "satt", da überfallen ihn die letzten Weisheiten. Ich persönlich bevorzuge, wenn es um Berichte aus der Dritten Welt geht, nüchterne Autoren wie Bartholomäus Grill oder Ryszard Kapuscinski. Die hören nämlich wirklich mal den anderen zu und nicht immer nur sich selbst. Auch wenn sie nicht so witzig schreiben.Also: Die Berichte aus der Ferne sind amüsant und flott geschrieben, die Zeitgeist-Betrachtungen aus der Heimat sind unerträglich eitel. Der kiffende Bürgerschreck hat vielleicht vor 30 Jahren funktioniert. Auch die "Tempo" gibt es nicht mehr. Gut so.