Fischer ist ein Liberaler in Sachen Lobbyismus. Sein Credo: „Aus den eigennützig vorgetragenen Einzelinteressen entsteht ein Nutzen für die Gemeinschaft“ (S. 84). In etwa 60 Szenen berichtet er aus dem Leben eines Brüsseler EU-Lobbyisten und erläutert Sachverhalte zum Politikgeschehen im Umfeld der EU Bürokratie. Gut gelaunt und mit spitzer Feder vermittelt er Anstöße zum selber denken. Aufklärerisch und kantig eigensinnig gibt Fischer Einblick in das Unterholz der politischen Meinungsbildung und Entscheidungsfindung. Eine Qualität des Autors besteht darin, die zum Teil eigenen Widersprüchlichkeiten auszuhalten und sich nicht mit Harmonisierung zufriedenzugeben. Der Autor versteht offenbar nicht immer, was passiert, wenn in Brüssel Politik passiert. Und er zeigt, dass das für alle Beteiligten gilt.Es ist eines der aufklärerischen Ziele des Autors: nachzuweisen, dass es keine Strippenzieher in Brüssel gibt. Dazu ist das politische Theater viel zu verstrickt und kompliziert. Der Verlag hat lustigerweise eine schöne Grafik auf den Umschlag gesetzt, die genau das Bild des Marionettentheaters evoziert. Auch dies ein Beispiel für das Aushalten von Widersprüchen durch befreiendes Lachen.
Ludgar Fischer macht Ernst und fordert seine Leser*innen auf, einfach mal zum Spaß zu testen, ob „Sie die geistige Kapazität für eine Beschäftigung bei einer EU-Behörde aufbringen“. Beim Lesen von Beispielfragen wird die Absurdität des Politiktheaters in Brüssel so langsam bewusst. Nur eines von vielen Beispielen von der Hinterbühne einer Mega-Institution, die Ludgar Fischer genüsslich ausbreitet. Welche der folgenden Antworten sind also nach der Lektüre des Buches zutreffend? a) Endlich habe ich verstanden was Politik ist und warum ich nie Politiker werden wollte; b) Ich mache einen weiten Bogen um „Ausschüsse“, zu welchem Thema auch immer, da zu viel geredet wird und der Kaffee in der Regel schlecht ist; c) Ludgar Fischer ist ein Meister der Satire, der Inneneinsichten vor Ort mit einem schelmischen Spaß an der Demaskierung scheinbarer Selbstverständlichkeiten verbindet; d) Unbedingt empfehlenswert!Stefan Selke
In seinem neuen Buch schreibt Ludger Fischer über das “Püppchentheater” in Brüssel. Den Begriff hat er von Eugen Egner, aber die Akteure kennt er aus eigener Erfahrung. Von den anekdotenhaften Texten darin lese ich immer wieder gerne ein paar zwischendurch. Super lustiges und lehrreiches Buch!