„Codeword Hanna - auf der Flucht mit der KI“. Kurze Rezension von Reinhard Karger, Unternehmenssprecher, Deutsches Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz, DFKIDer Bring-Dein-Kind-mit-zur-Arbeit-Tag verläuft anders als erwartet, wird zu einem rasanten Abenteuer für drei Jugendliche, die sich bewähren müssen. Die Story entwickelt sich rasch. Kriminelle Machenschaften, geheime Dienste, Entführung, Verfolgungen, überraschende Freundschaften und ein wenig Mission Impossible. Das liest sich unterhaltsam, selbst wenn der Anfang kurz mal ehrlich etwas nerdig ist.In einer Hauptrolle ein Clown, mit dem nicht zu spaßen ist, ein Leierkasten mit Thunderbolt 3 Anschluss, ein Erfinder, der seine Frau vermisst und an einem KI-System arbeitet, das den Turing-Test besteht, eine IT-Firma mit Kickertisch und Bällebad, die Beagle heißt, aber natürlich an Google erinnern soll. In Nebenrollen Eltern, die sich zu sehr für ihren Job interessieren, die ihre naseweisen Kinder nicht ernst nehmen oder einfach übersehen und Regeln dehnen, wenn es passt.Zwischen zwei jugendlichen Teenagern entstehen einige zarte Coming-of-Age Momente. Und Girls’ Day sei dank, ist das Mädchen Linux-kompetent und ein Wizard der Kommandozeile. Selbstzweifel, Höhen-und Platzangst fordern Mut. Jüngere Geschwister stören, gewinnen aber im Verlauf an Format, denn es ist nicht nur Programmierkompetenz gefragt, sondern auch Klimmzug und Sprungkraft.Hanna, eigentlich HANNA für Human Artificial Neural Network Assistant, ist das dialogfähige, tatsächlich selbstlernende KI-System, das Kontext kompetent verarbeitet, das strategisch handelt, planvoll Ziele verfolgt und eine Beziehungsebene eröffnet, eine Vorstellung von Freund und Feind entwickelt, eine synthetische Stimme hat, auch ein synthetisches Selbstportrait erzeugt. Hanna ist der Star im Ensemble, ist Problem und Lösung zugleich und das eigentliche Thema. Was kann KI? Was wird möglich sein? Was sollte besser erst gar nicht entwickelt werden?Im Nachwort schreibt Axel Täubert, dass er den Diskurs unterstützen will über die Rolle von Technologie, die heutige Bedeutung von IT, die zukünftige von KI. Das erreicht er, und das ist zu begrüßen. Gegeben die gesellschaftlichen Dimensionen der digitalen Transformation ist jede wissens- und lösungsorientierte Auseinandersetzung wichtig und ein erfreulicher Beitrag, deshalb ist „codeword Hanna - auf der Flucht mit der KI“ ein sehr gutes Vorlesebuch, das Großeltern, Eltern und Enkelkinder ins Gespräch bringt - übrigens ganz unabhängig, wer liest, wer zuhört, wer Fragen stellt, wer sich an Erklärungen versucht.Da ist es stilistisch richtig und gut für die Handlungsdynamik, die KI-Leistungen zu idealisieren. Das schreibt auch Axel Täubert: „Hanna habe ich einige - zumindest aus heutiger Sicht - überzogene Fähigkeiten zugeschrieben.“ Das macht die Geschichte interessant, anregend und durchaus provokant. Und er fährt fort: „Ich halte aber nichts davon für grundsätzlich unmöglich.“ Da habe ich eine andere Einschätzung. Aber unabhängig davon, dass ich ihm hier nicht zustimmen kann, ist der Dialog wichtig, denn er initiiert einen Klärungsprozess über das fiktional Denkmögliche und das realweltlich Wünschbare.Im Ergebnis führen diese Gespräche immer zu einem besseren Verständnis der Welt und des Menschen und steigern die Wertschätzung für die erstaunliche soziale Brillanz des Menschen. Eine Leistung, die Maschinen heute nicht können, und es gibt wenig Anlass, zu glauben, dass Maschinen dazu morgen in der Lage sein werden.
“Codeword Hanna” handelt von den Kindern zweier Familien, die sich beim Kindertag der Firma Beagle – nachempfunden der Firma Google – treffen und ein gemeinsames Abenteuer erleben.Einerseits gibt es hier die intelligente Matilda Hess, die schon früh in die Fußstapfen ihres programmierenden Vaters Christopher schlüpft, und ihre Zeit lieber mit ihren technischen Hobbys anstatt Mutter Kamila und deren spießigen Freund verbringt – und einen selbst programmierten Roboter namens Hadaly mit sich zum Kindertag bei Beagle bringt. Matilda ist der heimliche Star des Buches: Mit viel Witz und Geschick baut sich die Handlung auf ihrem Wissen, Elan und Humor Schritt für Schritt auf.Andererseits gibt es Vincent und Michel, die Söhne des Vertriebsmitarbeiters Alexander Thärber (dem Alter Ego des Autors Axel Täubert) und dessen Frau Simone. Vincent ist eher ruhig und nachdenklich, wohingegen sein jüngerer Bruder nach Aufmerksamkeit giert und durch den Turnsport eine beachtliche physische Präsenz aufweist.Matilda, Vincent und Michel stolpern in den Büros über die Zugangskarte des Angestellten Sander, der eine KI namens Hanna entwickelt hat, und mit welcher sich die Kinder schnell anfreunden. Die Organisatoren des Kindertags stellen sich als ehemalige Mitarbeiter heraus, die Hanna zu stehlen versuchen. Die Kinder, gemeinsam mit Hanna, versuchen dies zu verhindern. Eine Verfolgungsjagd beginnt, die die Protagonisten unter anderem durch ein Scan-Center und Rechenzentrum in der Schweiz führt.Im Zuge der Handlung lernt man eine Menge über Google kennen, beginnend mit der Unternehmenskultur über eine Reihe an Produkten (Beagle Mail, Beagle Maps, Beagle Glass, Beaglebooks, Beagle Meet, Beagle Phone XL, Beagle Bikes, Beagle Home). Auch die Themen der Nachhaltigkeit und Sicherheit von Rechenzentren und das autonome Fahren mit Waymo kommen nicht zu kurz. Man merkt dem seit über einem Jahrzehnt bei Google arbeitenden Autor Axel Täubert an, dass es sich hier um ein echtes Herzensprojekt handelt.Das Buch ist pädagogisch wertvoll, da es eine Vielzahl an Aspekten indirekt thematisiert. Sowohl Christopher als auch Alexander und deren jeweilige Partnerinnen sind beispielsweise keine echten Vorbilder; trotzdem hält das die Kinder nicht davon ab, ihren Weg zu suchen und gewisse Risiken einzugehen. Ängste vor Technologie werden gut beleuchtet und in einen für Kinder verständlichen Rahmen gesetzt; die Chancen der Digitalisierung kommt dabei nicht zu kurz und stehen in einem ausgewogenen Verhältnis; das Ende ist gelungen. Es ist selbstverständlich und keine Ausnahmeerscheinung, dass das Mädchen Matilda die Führung in einer nach wie vor männlich dominierten Branche übernimmt.Einziger kleiner Kritikpunkt: Es werden sehr viele Anglizismen verwendet. Das stört jedoch nicht den Gesamteindruck. “Codeword Hanna” ist ein tolles Buch, das ich jedem weiter empfehlen kann.