Irgendwo im All sitzt also eine Super-Alienrasse, die in der Lage ist, eine ganze Galaxie auf Crashkurs zur Erde zu schicken? Und ein Funksignal von der Erde kann dann dafür sorgen, dass die Galaxie kurzfristig ihren Kurs ändert und die Menschheit verschont? Was ist eigentlich mit den Zivilisationen, die dieser Amokflug bis dahin schon ausgelöscht hat? Über den Hintergrund von Matthew Reillys vierten Band der Jack-West-Abenteuer darf man echt nicht nachdenken, weil das Ganze sonst bloß eine Fantasy-Spinnerei wie aus einem Superhelden-Comic ist. Nachdenken würde einem diesen ansonsten durch und durch spannenden und erneut unglaublich temporeichen Roman vermiesen.Reilly gibt dem Jack-West-Universum mit diesem Buch einen Überbau, der im Nachhinein all die phantastischen Unwahrscheinlichkeiten der vorhergehenden drei Bände erklärt. Wieso eine Bedrohung gigantischer als die andere war. Wieso es für alles Abhilfe gab, versteckt an entlegenen Erdwinkeln. Realistischer wird das Ganze dadurch zwar nicht, aber innerhalb des Jack-West-Kosmos logischer, akzeptabler.Der Roman bietet neben spannenden Passagen, welche die Hintergrundgeschichte vorantreiben und Erklärungen liefern, erneut Action zum Staunen. Hart, schnell und einfallsreich, wenngleich man manche Stelle zweimal lesen muss, um zu realisieren, was sich der Autor da wieder Abgefahrenes ausgedacht hat. Es ist nicht Reillys Ding, durch Worte Bilder in die Köpfe seiner Leser zu malen (er schreibt nahezu metaphernfrei). Diese Aufgabe übernehmen die zahlreichen Skizzen. Ohne die verstünde man bloß die Hälfte und manchmal auch nur Bahnhof. Die Action spielt sich diesmal komplett in den gigantischen Bauwerken eines geheimnisvollen Untertage-Reiches ab. Im Grunde sind alles Duelle – Olympia brutal. Die Großen Spiele wirken ein bisschen so, als hätte Reilly seinen ersten Roman „Showdown“ nochmal als Multimillionendollar-Produktion aufgelegt.Dabei geht allerdings sein Enthusiasmus immer wieder mit ihm durch. Plötzlich sind die Minotauren (eigentlich ja Neandertaler), nachdem sie die ganze Zeit über als tumb beschrieben wurden, mit Scharfschützengewehren bewaffnet. Und als einer der menschlichen Kämpfer eine Armbrust benötigt, weil das gerade so schön effektvoll rüberkommt, wird beiläufig erwähnt, dass er sie einem Minotaurus abgenommen hat. Am Anfang der Herausforderung war aber lediglich von Schwertern als Bewaffnung der Urmenschen die Rede. Selbstredend haben sie dann plötzlich sogar Raketenwerfer, als Jack West einen benötigt, und dieser Raketenwerfer feuert endlos weiter, wie ein Colt in einem Billigwestern, wo man sich um Munition keine Gedanken machen muss. Reilly ändert die Regeln, wie es ihm beliebt. Hauptsache, viel Kawumm. Wer damit keine Probleme hat (und nicht über die böse, böse Galaxie nachdenkt) bekommt den bislang besten Roman der Jack-West-Serie.Auch die Übersetzung ist diesmal ausgezeichnet gelungen, wenngleich ich denke, dass eine Galaxie nicht durch den Weltraum „donnert“. Denn das wissen wir ja seit 1977: Im Weltraum hört dich niemand donnern.