Septimus Harding, Vater zweier Töchter, Kantor und Vorsteher einer Stiftung für verarmte ehemalige Kirchendiener, führt ein geruhsames Leben im beschaulichen Städtchen Barchester im Westen Englands. Neben der Leitung der Kirchengemeinde ist er mit der Führung eines Armenspitals betraut, der er mit viel Freude nachkommt, ohne sich konkrete Gedanken darüber zu machen. Er lässt allen Insassen aus eigenem Antrieb einen täglichen Obolus zukommen, der eigentlich gar nicht vorgesehen ist und betrachtet einige von ihnen sogar als Freunde. So weit sind alle zufrieden.Bis eines Tages John Bold – junger Arzt, wohlhabender Erbe und seit Jahren mit dem Geistlichen bekannt - auf die Idee kommt, Harding würde sich durch sein Vorsteheramt unrechtmäßig am Erbe der Stiftung bereichern. Mit der Ruhe im Städtchen ist es daraufhin vorbei. Einige Herren, die bisher kaum mit dem Spital zu tun hatten, fühlen sich genötigt, mitzureden. Ein paar der eigentlichen Nutznießer der Stiftung lassen sich aufwiegeln und wittern die Möglichkeit, noch mehr Unterstützung einzustreichen, als ihnen zusteht. Vertreter der Kirche schalten sich ein, um zu verhindern, dass die einträgliche Stiftung wieder in weltliche Hände zurückfällt. Und mittendrin Septimus Harding, der das Spital immer nach bestem Wissen und Gewissen geführt hat und sich keiner Schuld bewusst ist.Die Geschichte ist heiter und hinterlässt nur einen kleinen bitteren Nachgeschmack. Der Kampf um die Vorherrschaft wird vor allem auf dem Rücken Hardings ausgetragen, dem seine Integrität wichtiger ist als eine wohlgefüllte Börse. Von außen entsteht Druck durch die Macht der Presse, die schon damals sehr manipulativ auf die Öffentlichkeit einwirkte. Verwandtschaftliche Verstrickungen innerhalb der Parteien sorgen für zusätzliche Brisanz, denn der Weltverbesserer Bold liebt Hardings jüngere Tochter Eleanor und ist naiv genug zu glauben, sein Vorgehen gegen den Vater würde die Beziehung zu Eleanor nicht beeinträchtigen. Am Ende bleiben fast alle als Verlierer zurück, teils in moralischer, teils in finanzieller Hinsicht, oder weil Ansehen und Glaubwürdigkeit in der Öffentlichkeit Einbußen erlitten haben. Abgesehen von den verwandtschaftlichen Beziehungen entdeckt man Sachverhalte, die auch heute noch aktuell sind.Trollope erzählt die humorvolle Geschichte mit feinem Witz und hat neben den Figuren auch immer ein Auge für Landschaft und Bauwerke, so dass ein schönes Gesamtbild entsteht. Die Übersetzung mutet fasst ein bisschen modern an, aber die teilweise flotten Dialoge sind ein echtes Vergnügen.