Erster Eindruck: Gefangen und doch geachtetDer slawische Fürstensohn Tugomir gerät in die Kriegsgefangenschaft Heinrichs des I. und wird an dessen Hof verschleppt. Als geschickter Heiler kann er Heinrichs Sohn Otto von seinem tödlichen Leiden befreien und wird so anerkanntes Mitglied des Hofstaates als Arzt und Lehrer. Doch immer fühlt er sich fremd unter den Sachsen und vermisst seine slawische Heimat. Doch nach dem Tod Heinrichs kommt Otto an die Macht – und die Vorzeichen ändern sich…Rebecca Gable ist eine der bekanntesten Autorinnen von historischen Romanen, hat sich bisher aber stets auf die Geschichte Englands konzentriert. Mit „Das Haupt der Welt“ hat sie sich erstmals einer Epoche deutscher Historie gewidmet, die den meisten höchstens als extrem trockener Stoff aus dem Geschichtsunterricht in der Schule bekannt war: Der Herrschaft Heinrich des I. im frühen Mittelalter und die späteren Neuerungen unter seinem Sohn Otto. Doch wieder schafft Gable es, die sonst so langweiligen Fakten in eine sehr spannende und dramatische Handlung einzubetten, sodass sie alles andere als trocken wirkt. Gut gewählt ist die Perspektive: Erzählt wird größtenteils aus der Sicht von Tugomir, der als Außenstehender die Sitten der Sachsen betrachtet, sie hinterfragt und gerade deshalb auch für den Hörer so erlebbar macht. Besonderes Augenmerk wird auch auf die Situation der Bevölkerung gelegt, sodass diese Epoche sehr lebendig und greifbar wirkt. Mit kraftvollen, einfachen Worten beschreibt Gable hier eine Geschichte, die schon nach wenigen Momenten fesseln kann, die interessante Konstellationen bietet und sich immer weiter steigern kann, was die Dramatik und die Intensität angeht. Besonders der große Umbruch um Buch, der Krönung Ottos, setzt noch einmal ganz andere Bedingungen vor die Personen. Die Charaktere sind sehr gut beschrieben und überzeugen mit verschiedenen Facetten. Und auch der sarkastische Humor, der durch spöttische Kommentare Tugomirs getragen wird, ist gut eingebaut und ein passendes Element. Ein sehr nahbarer und spannender Roman der Autorin.Als Sprecher der Handlung wurde Detlef Bierstedt ausgewählt, der mit seiner markanten Stimme schnell beweist, dass er genau die richtige Wahl war. Seine rhythmische, natürlich wirkende Betonung wirkt sehr eingängig und macht es dem Hörer leicht, der Handlung zu folgen. Dabei wählt er ein angenehmes Sprachtempo, nicht zu langsam, sodass auch keine zu langen Passagen aufkommen. Mir gefällt, wie er leichte Andeutungen anderer Stimmen in der wörtlichen Rede nutzt, aber stets seine einheitliche Linie beibehält. Leichte Variationen von Tempo und Tonart sorgen nicht nur für einen dynamischeren Eindruck, sondern stellen auch besondere Szenen in den Vordergrund.„Das Haupt der Welt“ wurde nicht als Hörbuch umgesetzt, sondern ist eine Variante der inszenierten Lesung. Zwar bleibt Bierstedt der einzige Sprecher und ist in weiten Passagen auch allein zu hören, wird aber immer wieder von mittelalterlich anmutenden Melodien begleitet, die jeweils zu der aktuellen Szene passen. So wird man noch weiter in die Stimmung der zehnten Jahrhunderts versetzt, alles wirkt so etwas leichter und zugänglicher.Die Aufmachung zum Hörbuch ist sehr gut gelungen. In einem Pappschuber, der das Titelbild der Buchausgabe als Cover hat, befinden sich gleich zwei Digipacks, die die zwölf CDs hinter Papplaschen aufbewahren. Neben einigen Zeichnungen gibt es auch hilfreiche Dinge, um sich in der Handlung besser zurechtzufinden: Eine Karte der damaligen Landschaft hilft bei der räumlichen Orientierung, eine Auflistung der zahlreichen Personen schafft eine bessere Übersicht.Fazit: Auch in diesem Roman schafft Rebecca Gable es, das frühe Mittelalter lebendig und begreifbar zu machen und verpackt das Ganze in eine spannende und dramatische Handlung. Die sehr gut dargestellten Charaktere und eindringlich beschriebene Szenen – insbesondere aus dem Krieg – schaffen eine eindringliche Atmosphäre. Die eingespielte Musik und die markante Stimme Bierstedts sorgen für eingängigen Hörgenuss.
Ich habe mich sehr auf dieses Buch gefreut und entsprechend groß war auch meine Erwartungshaltung.Zunächst jedoch möchte ich meinen Unmut darüber kundtun, dass die Werke dieser Autorin seit einiger Zeit zunächst immer nur als (teure) Hardcoverausgabe erscheinen. Sicherlich schön für Sammler und Leute die sich am Anblick eines Buches im Regal genauso erfreuen, wie am Inhalt. Mir kommt es dagegen eigentlich nur auf den Inhalt an, meine Bücherregale sind schon übervoll. Neue Romane kaufe ich deshalb fast ausschließlich nur noch als E-Book und die sollten nicht mehr als eine Taschenbuchausgabe kosten.Bei Gablé habe ich die Wartezeit nicht ausgehalten und in den sauren/teuren Apfel gebissen.Diese Geschichte fand ich nicht ganz so fesselnd und schlüssig wie die Waringham Bände, es störte mich ein wenig der Stellenwert der übernatürlichen Elemente und das reichlich halbe Dutzend bildhaft geschilderter Liebesszenen hätte es auch nicht gebraucht, um mich für die Geschichte zu begeistern.Leider habe ich auf den Rat in einem Bücherforum gehört und die historischen Anmerkungen der Autorin erst am Schluss gelesen. Mir wären einige Wendungen und Handlungen der Hauptfiguren, die mich im Roman irritiert haben, wesentlich klarer gewesen. Ein historischer Roman ist kein Krimi, die Bösen und die Guten, die Sieger und die Verlierer stehen vorher fest.Das Nachwort nimmt einem keineswegs die Freude an der Geschichte oder verrät Überraschungen. Meinem Verständnis für den Verlauf der Geschichte und warum Gablé die Geschichte so und nicht anders erzählt hat, hätte es geholfen.Insgesamt habe ich den Kauf nicht bereut, die Zeit und das Umfeld bietet einem Norddeutschen viele Aha-Erlebnisse und so gekonnt Romanhaft haben sich auch noch nicht viele Autoren an diesem Thema versucht. Einige Logikschwächen und Ausflüge in den Fantasy-Bereich lassen für mich nur die aus der Schule bekannte Note 2+ zu (4 Amazon-Sterne), damit ist dieser Roman aber immer noch besser als etliche andere, die ich in letzter Zeit gelesen habe. An Gablé habe ich eben besondere Erwartungen.Allerdings möchte ich anmerken, dass Gablé andere Schwerpunkte in ihren Geschichten setzt als z.B. ein Bernard Cornwell. Die Beschreibung von Schlachten, den strategischen und taktischen Winkelzügen eines Feldzuges, sind nicht ihr Ding und so vermeidet sie auch in diesem Roman weitgehend die Beschreibung selbst wichtiger Schlachten, die werden nur schnell am Rande erwähnt um die Geschichte voran zu treiben.Das der historische Hintergrund gewohnt sorgfältig recherchiert ist, braucht man bei dieser Autorin kaum zu erwähnen. Für mich war es eine gute Anregung häufiger aus dem Roman heraus im Netz nach weiteren Informationen zu bestimmten Orten und Vorfällen zu suchen. Wie jeder gute historische Roman regt „Das Haupt der Welt“ zur Beschäftigung mit der Geschichte an.Fazit:Nach dem für mich schwächeren Band "Der dunkle Thron" wieder ein Lichtblick und ich hoffe es gibt bald eine Fortsetzung.