Ich hatte mir bereits den ersten Band von „Trainieren wie im Knast“ gekauft, mit dem ich sehr zufrieden war, weshalb ich nicht lange gezögert habe, mir auch Band 2 zuzulegen. Nachdem ich das Buch nun durchgearbeitet habe, kann ich feststellen, dass auch das neue Buch meine Erwartungen erfüllt hat.Im ersten Teil des Buches widmet sich der Autor dem Spezialtraining von Körperpartien, die in Band 1 nicht gesondert angesprochen wurden: Hände, Unterarme, Laterale Kette (Körperseite), Nacken und Waden. Wie schon in Band 1 sind auch hier die Übungen progressiv aufgebaut, das heißt, man beginnt mit einer leichten Version der Übung und tastet sich dann mit der Zeit zu immer schweren Varianten vor. Diese Progressionsserien sind es, die „Trainieren wie im Knast“ so wertvoll machen. Ich habe oft Übungen in Trainingsbüchern gesehen, von denen ich begeistert war, aber gleichzeitig genau wusste, dass ich sie ohnehin nicht würde ausführen können, weil der Weg, der zu diesen Übungen führt, fehlt. Hier ist es anders. Selbst wenn man bei den letzten Schritten der Übungen sich erstmal nur mit großen Augen darüber wundern kann, zu was manche Menschen in der Lage sind, erscheint der erste Schritt der Serie zumindest machbar. Und wenn man den ersten Schritt schafft, wieso dann nicht auch weitere?Im zweiten Teil des Buches geht es darum, die Gelenke gesund und den Körper beweglich zu halten. Der Autor lässt hier keinen Zweifel daran, dass er nicht viel vom normalen „Dehnen“ hält. Seine Alternative ist eine Übungsgruppe, die er „Trifecta“ nennt und bei der es ums aktive Dehnen unter Spannung des Körpers geht. Die Argumente des Autors sind überzeugend – und die Übungen ebenfalls. Die ersten Schritte dieser Übungen findet man in vielen Trainingsbüchern; auch hier besteht der Trick in der Progression. Außerdem handelt es sich bei der „Trifecta“ eigentlich um nichts anderes als ein Faszientraining, das sich derzeit so großer Beliebtheit erfreut.Das Buch schließt mit zusätzlichen Hinweisen zu Training, Ernährung und Motivation. Nicht alles, was Paul Wade in diesem Abschnitt schreibt, ist genial. Er behauptet aber auch zu keinem Zeitpunkt, die Weisheit mit Löffeln gefressen zu haben. Er lässt uns schlicht und ergreifend an all dem Wissen teilhaben, welches er sich in Jahrzehnten eigenen Trainings angeeignet hat. Ich kann ihm dafür nur danken. Ich wünschte, ich hätte „Trainieren wie im Knast“ 1 und 2 schon vor vielen Jahren in die Hände bekommen. Beide Bücher sind für jeden, der das Eigengewichtstraining dem Trainieren im Fitnessclub vorzieht, sehr nützlich und empfehlenswert.Alle Übungen sind gut beschrieben und gut bebildert, auch wenn die Bilder nur in schwarz/weiß sind. Man merkt dem Autoren an, dass er weiß, wovon er schreibt. Seine Überzeugung von seinen Konzepten ist ansteckend und motiviert zum Trainieren. Durch die Zerlegung der Übungen in verschiedene Schritte sind Fortschritte möglich, und es wird weniger wahrscheinlich, dass sich Trainingsanfänger gleich zu Beginn überanstrengen oder verletzten. Gleichzeitig werden selbst Leute, die schon lange trainieren, hier Übungen finden, die herausfordert sein dürften. Ein durch und durch überzeugendes Buch, egal, auf welchem Trainingslevel man sich befindet.„Trainieren wie im Knast 2“ erhält von mir 5 Sterne. Es ist ein würdiger Nachfolger zum ersten Band, und ich freue mich schon darauf, auch noch in vielen Jahren mit diesem Buch zu arbeiten. Ob ich eine Übung wie die „Press Flag“ jemals werde ausführen können, bleibt fraglich – aber zumindest kenne ich jetzt den Weg dorthin.