"Ich möchte lieber nicht." Bartleby ist der Held aller Neinsager. Als Schreiber in einer New Yorker Kanzlei ist er eigentlich der ideale Angestellte: hingebungsvoll, fleißig, rechtschaffen und still. Doch leise und sanftmütig spricht er auch, immer wieder, den einen Satz, der seinen Vorgesetzten in die Verzweiflung treibt. Bartleby möchte lieber keine Abschriften prüfen. Er möchte lieber keine Botengänge übernehmen. Schließlich möchte er überhaupt nicht mehr schreiben. Er möchte aber auch die Kanzlei nicht verlassen. Und bleibt unverdrossen, still und gegen jeden Zuspruch, jede Drohung und jed e Hilfe resistent. Sein Aufbegehren gegen die Zumutungen eines gleichförmigen Bürolebens und schließlich gegen die Zumutungen des Lebens überhaupt macht ihn zu einer Schlüsselfigur der modernen Weltliteratur. Melvilles Erzählung liegt mit diesem Band endlich wieder in ihrer klassischen Übersetzung vor.
Bewertungen & Erfahrungen
4,4 von 5
5 Bewertungen
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Verteilung basiert auf 5 vorliegenden Einzelbewertungen.
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Redaktion24.07.2026
testmonster.de · Redaktion
Ein sehr interessanter und humorvoller Roman, der die menschliche Natur auf eine etwas melancholische Weise beleuchtet. Die Geschichte von Bartleby ist fesselnd, auch wenn man die düstere Stimmung der Situation bedenkt.
Redaktion24.07.2026
testmonster.de · Redaktion
Dieses Buch ist ein wahrer Klassiker und eine wunderbare Lektüre, die mich tief beeindruckt hat. Die Geschichte von Bartleby ist faszinierend und lässt viel Raum für eigene Interpretationen.
Zum Auftakt seines epochalen Roadmovies Betty Blue verbeugt sich der mittlerweile zum Grandprix der Milleniumsliteratur aufgestiegene Phillipe Djian vor seinem persönlichen Vorbild, seiner Inspiration Schriftsteller zu werden: Herman Melville, der 1819 geborene Amerikaner, war nicht nur für Djian die Initialzündung auf dem Werk zum künstlerischen Schaffen, er gilt als einer der bedeutendsten Schriftsteller des 19. Jahrhunderts; sein Weltroman Moby Dick ist die bekannteste Hinterlassenschaft, Bartleby der Schreiber die vielleicht interessanteste, die unter anderem Djian so inspiriert hat.Erstaunlich an Melvilles Biographie ist das Echo, das sein Werk aufgeworfen hat. Beschäftigte er sich zu Beginn als großer Romancier, der Abenteuergeschichten in naturalistische Romane verpackte, der wie die Reiseschriftsteller des späten 18. Jahrhunderts die Welten entdecken und beschreiben konnte, erntete er dafür den dem Zeitgeist geschuldeten großen Erfolg. Als er sich jedoch von der trivialen Darstellungsweise abwandte und sich existentialistischen, absurden und philosophischen Besonderheiten zuwandte, kehrte sich das Publikum enttäuscht ab. Perlen vor die Säue geworfen, pflegen alte Pädagogen zu so etwas zu sagen - Moby Dick verkaufte sich, Achtung!, zu Melvilles Lebzeiten 3.000 Mal! Und auch Bartleby, der knallige Startschuss zur nihilistischen Introspektion, zum Fanal, dem sich unter anderem Franz Kafka anschloss, wollte seinerzeit niemand hören.Als Melville dann 1891 relativ unbekannt verstarb und sein Werk in Staub und Asche lag, ahnte niemand, dass heutzutage der Bartleby wie eine Bronzestatue am Olymp der Weltliteratur aufwartet. Melvilles Konflikt mit seinem christlichen Glauben und der aus der protestantischen Ethik resultierenden kapitalistischen Folgeerscheinung der Moderne mündet in einem klassischen Finale, in welchem der Notar, der praktisch der Erzähler dieser Geschichte ist, mit Ach Bartleby, Ach Menschheit dem ganzen Pessimismus Luft macht, den diese Geschichte birgt.Bis dahin garantierte der Schreiberling, der Kopist dieser Kanzlei in New York, vor allen Dingen eines: einen negativen Geist, der passiv, resignativ und schwermütig den Zwängen der Arbeitswelt zu entkommen sucht. Zentral ist dabei Bartlebys Sentenz (aus dem Amerikanischen i would prefer not to übersetzt) ich möchte lieber nicht. Trotzig und traurig, aber nicht hoffnungslos spiegelt sich hier der Versuch, dem persönlichen Ideal der Menschlichkeit und den sozialen Wirklichkeitsvorstellungen gerecht zu werden. Ein kleiner, deutlich unter 100 Seiten liegender Klassiker, der sehr zu empfehlen ist und in seiner Eindrücklichkeit Wunder wirkt.Bei C.H. Beck ist nun eine optisch äußerst ansprechende Neuauflage erschienen, in Taschenbuchformat mit zeitgemäßem Umschlagentwurf und einem Nachwort von Wilhelm Genazino. Die Übersetzung stammt aus den 1960er Jahren von Karlernst Ziem und wurde selbstredend frisch korrigiert und redigiert. Wer Revolution heute will, sollte das Buch heute lesen. Nicht dass dann direkt alles besser wird, aber es wird alles möglicher.
Diesen kurzen Klassiker von Herman Melville sollte man gelesen haben, auch wenn er ratloser macht, je näher man dem Ende kommt. Es gibt sicherlich verschiedene Interpretationsansätze für den Schreiber, der beim Notar angestellt ist, aber auf seine höfliche Art "plötzlich nicht mehr möchte". Durch diese ungewöhnliche Handlung bzw. Nicht-Handlung, bei der alle Abhilfeversuche scheitern, ist es ein sehr besonderes Buch, denn viel passiert hier nicht. Trotzdem ist es auf eine bestimmte Art spannend zu lesen.Der Schreibstil in der Übersetzung (Insel-Taschenbuch, 2016) war überraschend gut zu lesen. Leider habe ich es nicht mit dem Original versucht, das sicher mit mittleren Englischkenntnissen problemlos zu lesen ist. Man muss sich vor Augen halten, dass der Kurzroman aus dem 19. Jahrhundert stammt. Die Arbeitswelt war noch eine ganz andere als heute. Es gab noch handschriftliche Kopisten, die sich, ganz anders als heutige Office-Managerinnen, noch auf ihre schriftliche Arbeit konzentrieren durften, ohne sich im Multitasking zu üben und Kommunikationstalente zu sein. So gesehen denkt man, die damalige Arbeit käme jemandem wie Bartleby, der gerne zurückgezogen bleibt und praktisch keine Ansprüche stellt, ganz recht. Aber gerade er wagt es, seinem Chef zu sagen, er möchte eben lieber nichts mehr tun. Was witzig, absurd und rebellisch klingt, nimmt ungeahnte Ausmaße an.Über Bartleby selbst erfährt der Leser nicht viel. Sicherlich soll das deutlich machen, dass er so wenig ist wie er tun möchte. Zur Hauptfigur wird daher automatisch der Notar, der ratlos ist wie der Leser. Ob Chefs im 19. Jahrhundert allgemein rücksichtsvoller waren als heute, lässt sich schwer sagen. Wie das Buch damals aufgenommen wurde, ist daher vielleicht interessanter als die Frage, wie man die Geschichte heute sieht. Bartleby ist jedenfalls ein zeitloses Sinnbild der Verweigerung aus Prinzip mit allen seinen Folgen.
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Letzte Aktualisierung: 12.05.2026 19:39 Uhr.