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EAN 9783406755668
Henry Kissinger: Wächter des Imperiums. Eine Biographie
Henry Kissinger | Wächter des Imperiums | Bernd Greiner | Buch | 480 S. | Deutsch | 2020 | C.H. Beck
Bewertungen & Erfahrungen
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Redaktion22.06.2026
testmonster.de · Redaktion
Dieses Buch bietet einen faszinierenden Einblick in die politische Denkerin von Henry Kissinger, obwohl die Darstellung des "Scheinriesen" etwas sehr metaphorisch ist. Dennoch ist es eine interessante Lektüre für alle, die sich für seine politischen Ansichten interessieren.
Kissinger, Henry, geboren am 27. Mai 1923 in Fürth, gehört zu den umstrittensten Politikern der Neuzeit. Er erhielt 1973 den Friedensnobelpreis, wird aber auch als Kriegsverbrecher bezeichnet. Von 1969 bis 1977 besetzte er als Nationaler Sicherheitsberater (1969 – 1975) und Außenminister (1973-1977) wichtige Positionen in der US-Regierung.Die Liste der Literatur über Kissinger ist lang und wird definitiv noch länger werden, denn die Auseinandersetzung mit ihm ist noch lange nicht abgeschlossen. Eine sehr aktuelle und detaillierte Untersuchung legt jetzt Bernd Greiner vor, der nicht nur zahlreiche als Abschriften vorhandene Tonbandmitschnitte aus dem Weißen Haus auswertet, sondern auch Einflüsse früherer Weggefährten beschreibt, wie Fritz Krämer (den Kissinger während seines Wehrdienstes kennen lernte) oder William Yandell Elliott (der dessen wissenschaftliche Karriere in Harvard förderte), Diese sind bisher nur wenig berücksichtigt worden.Auch wenn es eine Biografie ist, so sind doch die ersten Lebensjahre Kissingers nur kurz Thema der umfangreichen Darstellung. Der Autor legt sein Hauptaugenmerk auf die Entwicklung im Krieg und vor allem danach, als Kissinger nach Harvard ging, an eine der sogenannten „Cold War Universities“, wo man die Elite im Kampf gegen den Kommunismus ausbildete, wo Politik und Wissenschaft gleich nach dem Krieg eine enge Verbindung eingingen. Gekonnt beschreibt der Autor dieses Umfeld, in dem sich der junge Kissinger bildete und wo er seine politischen Überzeugungen lernte. Schon im ersten Semester schloss er alle Kurse mit Bestnoten ab und durfte sich seinen Tutor wählen. Die Wahl fiel auf William Yandell Elliott, Professor für Politikwissenschaft und Regierungslehre. Bereits in seiner Bachelorarbeit „The Meaning of History“ umreißt Kissing spätere Ideen: die Rolle der Eliten, die sich gegen die „Verzagten“ durchsetzen müssen. Und in seiner Dissertation beschrieb er dann die Rolle einer Nation, die sich gegen revolutionäre Großmächte durchsetzen muss, welche die Welt in Anarchie stürzen wollten. Dass damit nur die USA gemeint sein konnte war klar: „Nur mittels amerikanischer Dominanz bleibt die Welt im Gleichgewicht“ (S. 41).Durch seine Arbeit und seine Beziehungen war Kissingers Weg nach Washington schnell vorgezeichnet. Greiner beschreibt die weltpolitische Situation zu Beginn der 50er Jahre sehr detailliert und es wird klar, dass die USA längst eine neue Rolle spielten. Und als politischer Berater stand Kissingers Mentor Elliott an vorderster Front. Kissinger konnte sich als Leiter des von ihm initiierten Harvard International Seminar, das Führungskräfte aus der ganzen (westlichen) Welt ausbildete, ein großes Netzwerk aufbauen. Zu den Gästen gehörten unter anderem Bruno Dechamps (Mitherausgeber der FAZ), Erhard Eppler (Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit), Walter Boehlich (Suhrkamp), Uwe Johnson (Schriftsteller), Ingeborg Bachmann (Schriftstellerin), Valery Giscard d’Estaing (französischer Staatspräsident 1974-1981) oder Siegfried Unseld (Suhrkamp).Kissingers Buch „Kernwaffen und auswärtige Politik“ (1957), in dem er den begrenzten Einsatz von Kernwaffen zur Durchsetzung eigener Ziele begründet, war dann ein weiterer großer Schritt in Richtung Weißes Haus. Greiner beschreibt in einem sehr gut lesbaren Stil, welche Auswirkungen der Sputnik-Schock 1957 auf die USA hatte und wie Kissinger davon profitierte. Wenn er auch bei John F. Kennedy nur als zeitweiliger Berater tätig war, so bemühte er sich im Wahljahr 1968 gleich um beide Kandidaten. Und als Nixon dann die Wahl gewann ernannte er Kissinger zu seinem Sicherheitsberater. Es folgen die Jahre, für die man Kissinger als Kriegsverbrecher bezeichnet: zusammen mit Nixon forciert er den Vietnamkrieg, lässt Kambodscha heimlich bombardieren (MENU, 1969/70), unterstützt die Invasion Osttimors durch Indonesien (1975), die großangelegte Operation Condor der lateinamerikanischen Geheimdienste gegenüber oppositionellen linken Kräften in den 70er Jahren (die Aktionen dauerten noch bis in die 80er Jahre) und unterstützt den Putsch in Chile am 11.9.1973. Kissinger war ohne Zweifel der einflussreichste Politiker der Regierung Nixon.Seine nach diesen Jahren veröffentlichten Schriften und seine Reden zeigen, dass er seine Handlungen nicht bereut. Trotz des Umfangs der Biografie liest sich diese sehr gut, da es der Autor versteht, seine zahlreichen Fakten zu einer guten Erzählung zu verbinden. Interessant sind dabei die Zitate der im Weißen Haus geführten Gespräche, die Nixon heimlich mitschneiden ließ und deren Niederschriften der Verfasser in Archiven finden konnte. Diese Zitate ermöglichen einen guten Einblick in die Mentalität, die im Oval Office vorherrschte. Man ist nach dem Lesen froh, dass Nixon nicht zum Äußersten Mittel griff und die Atombomben zünden ließ.Vieles in diesem Buch ist sicher bekannt, aber der Autor hat es verstanden, eine Biografie zu schreiben, die nie langweilig wird, obwohl man weiß, was am Ende herauskommt. Es ist eine empfehlenswerte Lektüre für alle, die sich für die amerikanische Geschichte interessieren.
Besonders die Original-Mitschnitte der Tonbänder aus dem Oval Office zeigen zwei Männer (Nixon und Kissinger), denen niemals die Verantwortung für die Atomwaffen der USA hätte übergeben werden sollen. Ihre Sprache ist widerlich und unmenschlich.Erschreckend an dem, was Kissinger so über die Jahre publizierte oder im Zweiergespräch mit Nixon sagte, ist die Nähe dieser Sprache zu der der radikalen Antisemiten (etwa nachzulesen in Strangneth, Eichmann vor Jerusalem). Das ist schon kein Zynismus mehr, das ist reine Menschenverachtung.Greiner ist eine ausgezeichnete Biographie gelungen und der wissenschaftliche Apparat bietet die Möglichkeit sich bei weiterer Letüre ein eigenes Urteil zu bilden. Ich vermute allerdings, dass ich zu keinem anderen Urteil kommen würde. Und wenn Kissinger und Schmidt wirklich so enge Freunde waren, wie allgemein kolportiert wird, dann gibt dies ein weiteres Mal den Anlass an der Intelligenz des Letzteren zu zweifeln. Und der Abscheu von Kissinger gegen Brandt gereicht Willy zur Ehre.
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Letzte Aktualisierung: 26.09.2026 18:09 Uhr.