Kant: Die Revolution des Denkens
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EAN 9783406807435

Kant: Die Revolution des Denkens

Hersteller: Beck C. H.  ·  MPN: 5297078
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Produktbeschreibung

Kant: Die Revolution des Denkens Produktart: ABIS BOOK

Bewertungen & Erfahrungen

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Verteilung basiert auf 5 vorliegenden Einzelbewertungen.

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Redaktion 05.06.2026 testmonster.de · Redaktion
Dieses Buch bietet eine sehr gute Einführung in die Philosophie Kants und ist eine wertvolle Ressource für alle, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Allerdings finde ich, dass einige sehr tiefgehende Konzepte eventuell noch weiter erläutert werden könnten.
Redaktion 05.06.2026 testmonster.de · Redaktion
Top!
Wulf Rehder 04.12.2024 amazon.de
1. WAS DAS BUCH LEISTEN WILL. Der Autor sieht sein Buch als „Versuch, Kants Denken für moderne Leserinnen und Leser, die über wenig oder keine Vorkenntnisse in der Philosophie verfügen, lebendig werden zu lassen.“ Der Applaus der Kundenkommentare und die zustimmenden, allerdings zumeist nichtssagenden Rezensionen in den Feuilletons unserer Bildungsblätter bestätigen, dass dieser Versuch gelungen ist. Zweitens lädt der Autor eben diese modernen Leser und Leserinnen ein, „selbst philosophisch nachzudenken – ganz nach dem kantischen Motto, dass man nicht die Philosophie, sondern nur das Philosophieren lehren und lernen kann.“ Dass diesem Ehrgeiz weniger Erfolg beschieden ist, soll im Folgenden begründet werden. Doch zuerst: Warum gelingt es, Kant für uns Laien interessant zu machen?2. 30 ESSAYS UND 3 REVOLUTIONEN. Ein Erfolgsfaktor ist sicherlich die Entscheidung, weder eine aufgemöbelte Biografie zum kommenden 300sten Geburtstag Kants, noch eine Kant-Philosophie für Dummies zu schreiben. Stattdessen ist das Buch ein Konstrukt aus dreißig klugen, lose zusammenhängenden, nach Themen geordneten Essays, die sich um drei „Revolutionen“ des Kantischen Denkens gruppieren. (Mit einem ähnlichen essayistischen Konzept hat kürzlich Hanjo Kestings Buch „Thomas Mann: Glanz und Qual“ das Interesse an Thomas Manns Werk wiederbelebt.) Nach Marcus Willascheks Einschätzung war die erste Revolution Kants eine persönliche Karriere-Entscheidung in seinem 40. Lebensjahr. Er hatte zwar seinen ersten Ruf auf eine Professur (für Dichtkunst!) erhalten, die er aber ablehnte, um als Privatdozent weiterzumachen. Willaschek schreibt, Kant habe sich mit 40 von einem Naturwissenschaftler und Metaphysiker in einen ethischen und politischen Denker gewandelt. Seine Schriften scheinen diese Behauptung aber nicht zu belegen. Stattdessen findet eine bewusste Wendung zu einer (neuen) Metaphysik als (in Willascheks eigenem Glossar) „Wissenschaft a priori […] von Prinzipien und den allgemeinsten Strukturen der Realität“ statt, was nicht ganz, aber in etwa der heutigen Erkenntnistheorie entspricht. Und von nun an wollte Kant das Philosophieren ernst nehmen, sein Leben und Werk nach festen Maximen ausrichten und, unter anderem, morgens früh aufstehen. Ob diese Entscheidung wirklich ein ungewöhnlicher, Kant-spezifischer Einschnitt war, der das Prädikat „Revolution“ verdient, ist fraglich. Denn es scheint, dass abgesehen von den Früh-Vollendeten wie Mozart bei vielen Künstlern, Poeten und Denkern gerade dieses 40. Lebensjahr die Wasserscheide ist, in dem ihr Lebenswerk seine Gestalt anzunehmen beginnt. Mohammed war der Überlieferung nach genau 40 Jahre alt, als ihm der Engel Gabriel erschien und das Downloaden des Koran bewirkte. Dante war 42, als er 1307 seine Göttliche Komödie zu schreiben anfing. Augustinus war bei seiner Bekehrung jünger als 40, aber gerade 41, als er im Jahr 395 Bischof wurde. Und Professor Willaschek, Verfasser dieses Buches, war auch 41, als er Professor in Frankfurt wurde. In der Zeit um das 40. Lebensjahr befinden sich nicht nur die Kreativen, sondern auch wir Laien uns nach Dante „auf halben Weg in unserem Leben“: „Nel mezzo del cammin di nostra vita“. Für Kant war das 40. Jahr der genaue Mittelpunkt. Er starb mit 80 im Jahr 1804. Auch ob die von Willaschek Kant zugeschriebene dritte „Revolution“ eine genuin Kantische war, sei dahingestellt. Wie andere Zuschauer, die die Französische Revolution von ferne als Zuschauer sahen, war auch Kant erschrocken, überrascht und gleichzeitig beeindruckt von dieser plötzlichen und im Grunde irrationalen Umwälzung. Er zögerte mit seiner ungeteilten Zustimmung auch, weil es sich bei dieser Revolution um einen Rechtbruch handelte, von den bald folgenden Gräueltaten ganz abgesehen. Er schrieb 1795 zwar den „Entwurf“ mit dem politisch-philosophischen Titel „Zum ewigen Frieden“, aber sonst sind seine Schriften weitgestreut über Themen von der „Metaphysik der Sitten“ zur Anthropologie, über die Lüge, über Mathematik. Die eine große unbestreitbare Revolution in Kants Werk war die zweite, die „Revolution der Denkart“, der sein Hauptwerk „Kritik der reinen Vernunft“ KrV (1781, 1787) gewidmet ist.3. REVOLUTION DER DENKART. Kant selbst hat seinen philosophischen Ehrgeiz in der KrV zusammengefasst: „Alles Interesse meiner Vernunft (das spekulative sowohl, als das praktische) vereinigt sich in folgenden drei Fragen: 1. Was kann ich wissen? 2. Was soll ich tun? 3. Was darf ich hoffen?“ Hinzu kam später noch die alles übergreifende Frage „Was ist der Mensch?“ Die 1. Frage „Was kann ich wissen?“ ist die zentrale Frage der KrV, soweit sie die Erkenntnistheorie Kants betrifft. (Teile der KrV beeinflussen auch die 2. und 3. Frage, die Kant in den beiden folgenden Kritiken behandelt: „Kritik der praktischen Vernunft“ (1788) und „Kritik der Urteilskraft“ (1790).) Statt „Was können wir wissen?“ ist aber die eigentliche Frage, der Kant zehn Jahre lang seine besten Gedanken gewidmet hat: „WIE können wir wissen?“ Etwas geschwollener hört man diese Frage oft umformuliert als Frage nach den „Möglichkeiten der metaphysischen Erkenntnis.“ Es handelt sich dabei weniger um Möglichkeiten als um das Vermögen der erkennenden Vernunft. Willaschek beschreibt die Revolution der KrV verkürzend, wie es oft geschieht, als die Einsicht „dass unser Denken sich nicht nur nach der Welt richten muss, sondern die Welt auch nach unserem Denken.“ Wie sich eine solche überraschende und kontraintuitive Umkehrung der Perspektive im Einzelnen äußert, wird in den Kapiteln 22-25 dieses Buchs sehr gut erläutert. Es ist aber erstaunlich, dass Willaschek gerade diese Revolution als Beweis sieht, bei Kant gebe es ein „Primat der Praxis vor der Theorie.“ Willaschek wiederholt dieses Schlagwort in anderen Zusammenhängen (z.B. bezüglich der Moral) und in Formulierungen wie „Theorie in den Dienst der Praxis stellen“. Das scheint gewagt, auch wenn bei Kant der Term „Praxis“ den „gesamten Bereich menschlichen Handelns und vor allem die Moral“ bezeichnet. Durch ein Schlagwort wie „Praxis“ wird Kant künstlich modernisiert, als müsse es sich dem Zeitgeist anbiedern. Diese pseudo-Modernität zeigt sich in diesem Buch auch in den gelegentlichen Einschüben zeitgenössischer moralischer Missstände, kontrastierend mit Kants so viel idealerer Moralität.4. WIE SIND SYNTHETISCHE URTEILE A PRIORI MÖGLICH? Auf diese Frage läuft Kants Problem „WIE können wir wissen?“ hinaus. Umgeformt ist sie die Frage nach Aussagen („Urteilen“), die etwas bisher unbekanntes Neues („Synthetisches“) z.B. über die Welt, die Dinge darin und auch über uns Menschen sagen und von denen wir gleichzeitig wissen, dass sie wahr sind, ohne dass wir uns mittels unserer sinnlichen Wahrnehmung von deren Wahrheit überzeugen müssten („a priori“). Anders ausgedrückt: Können wir allein durch Begriffe und Logik, ohne Hilfestellung von Empirie, etwas Neues und Wahres erkennen und aussagen? Für Kant gab es keinen Zweifel, dass es solche Aussagen gibt, z.B. in der Mathematik. Beispiele waren aber nicht Kants Stärke, sodass, wenn er die arithmetische Aussage „7+5=12“ nicht nur a priori wahr, sondern auch synthetisch nennt (also über die Begriffe von 7 und 5 hinaus mit der 12 etwas Neues auszusagen behauptet), verständlicherweise Zweifeln und Widerspruch aufkommen. Ein anderes Beispiel wäre die wahre Aussage, dass die Winkelsumme in einem planaren Dreieck immer 180 Grad beträgt: im Begriff eines Dreiecks selbst ist ein Urteil über die Winkelsumme nicht enthalten. Auf diese Weise wird der Fundus des wahren Wissens vermehrt. Auch die klassische Physik Newtons enthalte synthetische Urteile a priori, nämlich Newtons Gesetze, die mathematisch durch Gleichungen ausgedrückt in Zeit und Raum gültig sind. Wie können abstrakte Begriffe des Verstandes und der Vernunft so etwas leisten? Kants Antwort ist nicht unähnlich der These Chomskys, dass wir Menschen gewisse eingeborene Strukturen von Sprache („Universalien“) von der Geburt ins Leben mitbringen, ohne diese lernen zu müssen. Nach Kant besitzt unser Verstand von Natur aus ein allen Menschen gemeinsames, a priori vorgegebenes Denkmuster, in dem wir mittels zwölf „Kategorien“ (Kants Universalien) wie z.B. Substanz, Kausalität, Einheit, Vielheit, Negation, u.a., und den „reinen Anschauungsformen“ Raum und Zeit der Welt erkennend gegenübertreten: nur durch sie, wie durch einen strukturierenden Filter, können wir die Welt sehen, oder besser noch, aus diesen dem Verstand mitgegebenen Muster-Bestandteilen konstruieren wir unser Verständnis von der Welt - eigentlich nicht „der“ Welt, sondern „unserer“ Welt.5. SYNTHETISCH A PRIORI HEUTE. Substanz, Kausalität, Gravitationskraft, Zeit, der euklidische Raum – sie haben in der modernen Wissenschaft eine neue Bedeutung bekommen: Substanz wurde zur nicht minder komplizierten Materie, Raum und Zeit haben sich mit der Masse der Materie in Einsteins Gleichung mit einer nicht-euklidischen Geometrie zusammengefunden. Der Äther, dem Kant noch im Opus postumum viele angestrengte Gedanken widmet, ist verflogen und die Gravitation als Kraft ist abgeschafft. Sogar die Kausalität hat im Kleinsten der Atome gelitten, wo die Wahrheit nur ein empirischer Spezialfall im Reich allgegenwärtiger Wahrscheinlichkeiten ist, nämlich wenn ein Experiment die Wahrscheinlichkeit zwingt, Farbe zu bekennen: das ist z.B. der Zeitpunkt, wenn Schrödingers Katze entweder tot oder lebendig ist. Aber Kants spekulative Ahnung von synthetischen a priori Aussagen ist geblieben. Sie lebt fort als ein Rätsel, das zuerst 1960 von Eugene Wigner „die unverständliche Effektivität der Mathematik in den Naturwissenschaften“ genannt worden ist („the unreasonable effectiveness of mathematics in the natural sciences“). Die Effektivität scheint ein empirisches Faktum zu sein: a priori gültige Aussagen (Theoreme) der Mathematik beschreiben nicht nur bis auf viele Stellen hinter dem Komma das, was sowohl im Weltall wie in Atomen geschieht, sondern sie sagen auch mit ungeahnter Genauigkeit voraus, was zukünftig in der materiellen Welt passieren wird, oder besser: was mit berechenbaren Wahrscheinlichkeiten passieren kann. Niemand weiß so recht, warum. Kant hatte auch keine endgültige Antwort. Er war aber der erste, der die richtige Frage stellte.Im Opus postumum, an dem der greise Kant von 1796 bis zu seinem Tod werkelte, knüpft er noch einmal an den Grundideen der KrV an. Eine Neuausgabe dieser Nachlassschrift ist bei der Berliner Akademie der Wissenschaften in Arbeit (nur erst teilweise einsehbar). Es gibt hier zwar recht merkwürdige Analogien von Gravitationskraft im Himmel und menschlicher Freiheit und moralischem Gesetz im Menschen, vermischt mit Notizen über Schlaflosigkeit und Blähungen. Aber der nüchterne Arbeitstitel „Übergang von den Metaphysischen Anfangsgründen der Naturwissenschaft zur Physik“ lässt erkennen, dass Kant noch einmal ein Problem in der Nähe der synthetischen Urteile a priori ins Auge fasst. Mit seiner Begründung in der KrV war er wahrscheinlich unzufrieden. Ganz zu Anfang des Opus postumum erwähnt er seinen eigenen Terminus technicus „Schema“, der in der KrV an zentraler Stelle unmittelbar nach der „Deduction“ der Kategorien als ein „Drittes“ eingeführt wird. Das Schema ist eine „vermittelnde Vorstellung“, die sowohl mit den Begriffen (Verstand, Vernunft) wie mit den Anschauungen (Erfahrung, „Wirklichkeit“) etwas gemein hat („in Gleichartigkeit steht“). Als allgemeines Verfahren hat es die Doppelaufgabe, einerseits Begriffe zu veranschaulichen und andererseits Anschauungen unter Begriffe zu bringen. Im Opus postumum wäre eine geplante Neufassung des Schemas möglicherweise das, was Kant selbst eine „Lücke“ in seinem System der KdV genannt hat, und damit ein Kandidat, den „Übergang“ von der Metaphysik zur realen Welt zu verwirklichen und synthetische Urteile a priori besser zu begründen.6. DISKUSSION und FAZIT. Es gibt in diesem Buch Passagen, mit denen nicht jeder kritische Leser einverstanden sein wird. Jenes angebliche, das Kantische Werk durchziehende Primat der Praxis über die Theorie wurde schon erwähnt. Dazu passen auch die Überbetonung des „politischen“ Denkers Kant und die damit einhergehenden recht einfach gestrickten Einschübe über die problematische Tagespolitik, also Hinweise, die diese Einführung „für moderne Leserinnen und Leser“ marktgerecht und relevant machen. Von hier ist es nur ein kleiner Schritt zu einem geradezu postmodernen Verdikt über die Vernunft selbst. Aus einer Stelle A738f./B766f. extrapoliert der Verfasser die erstaunliche Aussage „Kants kritische Prüfung der Vernunft durch die Vernunft […] versteht sich als Beitrag zur Diskussion unter Freien und Gleichen in der Republik des Geistes. Sie erweist sich erst dann als gültig, wenn sie ihrerseits der kritischen Prüfung durch Kants Leserschaft standhält“ – als sei das Vermögen der reinen Vernunft bei Kant die Angelegenheit einer Volksabstimmung. Die genannte Stelle befindet sich in einer eingeschobenen rhetorisch vielschichtigen Diskussion, z.T. mit Kants Gegnern, über „Die Disziplin der reinen Vernunft in Ansehung ihres polemischen Gebrauchs.“Trotz dieser Einwände ist dieses Buch als Einführung in die Kantische Philosophie ungewöhnlich gut gelungen. Die 30 Essays sind nicht nur mit Gewinn, sondern auch mit Vergnügen zu lesen. Dazu gehören vor allem die Teile, die dem Verfasser besonders am Herzen liegen, wie die späte Abhandlung über den ewigen Frieden (1795) und Kants Schriften zur Moral. Da auch die sonstigen Themen zur Standardausrüstung einer jeden Kantlektüre gehören und seit dem 18. Jahrhundert immer wieder durchdiskutiert worden sind, gibt es auf diesem einführenden Niveau jedoch kaum Aspekte, die die Darstellungskunst des Autors hätten herausfordern können. Und so werden hier seine Leser zwar hervorragend informiert, aber nicht „durch Fragen belästigt, die sie nicht abweisen, aber auch nicht beantworten“ können, und sie werden deshalb bei der Lektüre auch nicht zum Selbstdenken, also zum Philosophieren, stimuliert oder gar gezwungen. Der Erzählton in diesem Buch ist gefällig und routiniert, weicher als die kantigere, geistreiche und trotz der vielen Fachausdrücke oft sogar elegante und originelle „hochdeutsche Mundart“ (Adelungs Wörterbuch (1774-1786)). Der souveräne, risikofreie Stil in diesem Buch, die Schärfe der Argumentation, und vor allem ein das kreative Mitdenken des Lesers herausfordernder Witz hätten davon profitiert, wenn der Verfasser zu seiner Verfertigung noch ein weiteres Semester am Buch gearbeitet und bis zum Jubeljahr 2024 gewartet hätte.
M.B. 04.12.2024 amazon.de
Ein sehr eindrückliches, sehr gut recherchiertes und sprachlich sehr ansprechendes Buch. Ich kann es allen empfehlen, die sich mit Kant beschäftigen möchten.
Claus Gras 04.12.2024 amazon.de
Mitunter kann die Biographie eines Philosophen in jeder Hinsicht eine große Herausforderung sein, gelesen zu werden und das anfängliche Interesse daran beim Leser langsam ausbluten zu lassen. Dem hat Marcus Willaschek in seinem neuen Buch „Kant – die Revolution des Denkens“ einen großen Riegel vorgeschoben, denn die Neuerscheinung liest sich, liest sich, liest sich...und man möchte den Lesefluss nicht mehr unterbrechen, so interessant ist der Stoff, so unterschiedlich sind die Perspektiven, mit denen der Marcus Willaschek das Leben Kants, der 40 Jahre lang an der Königsberger Universität lehrte, seine Hörer zu begeistern verstand. Dadurch kommen die zentralen Merkmale der Kant’schen Philosophie: Vorrang der Praxis, die Objektivität des menschlichen Standpunkts und der vermittelnde Charakter des Denkens hautnah zum Ausdruck. Dieser Wucht der Gedanken kann sich der Leser nicht entziehen, vor allem ist es ihm nicht aufgetragen, sich Seite um Seite abzumühen, um schwierige Textstellen gedanklich durchzuforsten und zu einem erträglichen Schluss zu kommen. Willaschek nutzt die dreißig Buchkapitel seines Buches, um den Kosmos des Kant’schen Denkens plausibel pointiert rüber zubringen und in klarer, sachlicher Sprache verständlich zu machen, dass man auf keiner Seite die Lust am Weiterlesen verliert. Er lockert seine Darstellungen mit biografischen und historischen Miniaturen auf und entwickelt ein Bild von Immanuel Kant als Mensch und Philosoph in seiner Zeit. Bevor es jedoch zum unerträglichen Lobgesang kommt, geht Willaschek weiter, um auch die Problematik des revolutionären Denkens von 300 Jahren an der aktuellen Relevanz der Philosophie des Königsberger Philosophen zu verdeutlichen, der mit seiner „Kritik der reinen Vernunft“ einen Meilenstein der Geistesgeschichte gesetzt hat. Der 300. Geburtstag des Philosophen, der sich am 22. April 2024 jährt, erfährt mit „Kant“ eine ansprechende Würdigung, und vermag dazu verführen, durch die Lektüre zu entdecken, dass Immanuel Kant, „durch seine Begründung von Moral und Recht und die Erkundung des menschlichen Wissens aktueller denn je ist, um Orientierung zu geben"… /cpg
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