Ob es eine Belastung ist, "ewiger" Sohn zu sein, gibt die Biografie von Peter-André Alt nicht ohne weiteres preis. Die Biografie über Franz Kafka ist eigentlich mehr eine Epochengeschichte im Zeitraum des zu Ende gehenden 19. Jahrhunderts bis 1924 dem Todesjahr des Prager Dichters, Flaneurs, des Einsamen, Asketen, des Liebenden, des Ekstatikers, Skeptikers und Spezialisten des Schreckens, aber auch des Meisters der Ironie. Franz Kafkas künstlerische Individualität erscheint als überwältigendes Panorama, dem man mit einer Biografie vielleicht nicht näher kommt eher mit der fundamental zu nennenden Epochengeschichte, einer Fülle von Begegnungen, von Reiseberichten und Aufenthaltsdarstellungen, insgesamt einer Odyssee in mondänen Badeorten und Spitälern, aber auch verschwiegenen kleinen böhmischen Dörfern. Es ist der „Ritt der Träume“, der, auch wenn dessen Erfinder längstens gestorben ist und auch nach einem Jahrhundert keinen Anlass bietet, dessen dichterische Hinterlassenschaft von den Programmen abzusetzen, weil er von der Konkurrenz nicht nachgeahmt werden kann. Er gilt als „unnachahmbar“. Als Inbegriff des faszinierend Dunklen, Unheimlichen, Mehrdeutigen hat Kafkas Werk nichts von seiner Aktualität, auch in der unmittelbaren Gegenwart, nichts eingebüßt. Zwischen jüdischem Mythos und europäischer Moderne eingebettet, wird Kafkas Künstlertum verständlich. Das Adjektiv „kafkaesk“ ist die Art seiner Schilderung: rätselhaft, unheimlich und bedrohlich, weil es nach der Lektüre seiner Romane und Erzählungen nichts mehr zu sagen gibt, weil niemand ist, der die Antwort wüsste außer einer ganz anderen nich zu befragenden Instanz…/cpg