...mit falschen Papieren, die sich im Verlauf des Romans lediglich verändern. Papiere sind wichtig und keiner kümmerts ich wirklich drum wie echt sie sind. Zunächst verdankt er seinen Ausweis einem Kameraden, der sich an seiner Stelle erschiessen liess. Jetzt ist er auf der Suche nach Mitmenschlichkeit, Nahrung und einem Dach über dem Kopf. Inmitten diesem Chaos findet er zwar, was er sucht, aber zu welchen Bedingungen?Und ausserdem, egal wie schlecht es den Menschen geht, so ändern sie sich nicht. Es gibt welche die aufrecht bleiben und es gibt welche die sich für einen Silberling krümmen. Alles, was man sich an menschlichen Eigenschaften vorstellen kann unter den Bedingungen jener Zeit, kommt zur Sprache.Und dann ist da dieser Marmorengel - der sich eher als Gipsengel entpuppt - der schweigt über allen Geschehnissen und zu guter Letzt im Dreck versinkt. Neben Menschlichkeit war Hans - der junge Soldat - einmal mehr kirchlicher Doppelmoral begegnet, Menschen für die sein Leben keinen Pfifferling wert war. Der irdischen Engel Botschaft wird ohnehin nur selten gehört.Dieser Roman posthum zusammengefügt soll das Schlüsselwerk des Autors sein. Da wären wir dann wieder. Es geht darum,wie sich wer über Wasser hält, um Aufrichtige und Wendehälse, darum was unser irdisches Dasein ausmacht und dass wir alle ständig an der Schwelle des Todes stehen.Er selbst tat sich grade mit diesem Werk schwer, das nun aber in einer - für mich - guten Form herausgegeben wurde. Das Nachwort enthält etliche u.U. auch wirklich nötige Erklärungen.Wer Bölls Werk liest, darf grade diesen Roman nicht auslassen. Darin finden die Leser so wesentliches wie des Autors Verbundenheit mit den Menschen die in diesen Trümmern lebten, den Kriegsheimkehrern und den an Leib und Seele verletzten, den Flüchtlingen...mit allen, die eigentlich keinen Platz mehr im normalen Leben finden würden, vom Schicksal wahrhaftig Benachteiligten.Ja, von mir erhält der Roman eine warme Lese-Empfehlung, denn die Zeiten sind nicht vorbei sie haben sich nur in andere Länder verschoben.
Böll schafft es, einfühlsam die Gefühlswelt der Menschen zu beschreiben, die gerade den Krieg erlebt und jetzt mit der Katastrophe weiter leben müssen. Die Stadt ist zerstört, liegt in Schutt und Asche, das meiste, alles nur Behelf. Es herrscht großer Hunger - und wehe dem, der nicht mal gültige Essensmarken besitzt, weil er in cognito versucht, dem Krieg zu entkommen, wie der heimgekehrte Soldat.Es ist ein Buch über Hunger, Gefühlskälte, aber auch Hilfsbereitschaft, Improvisation mit dem Mangel, mit dem Wenigen, was noch zu haben ist. Auch ein sich Neuorientieren mit den Kontakten, Verbindungen, Menschen, Gefühlen. Wem kann man trauen? Wer ist wirklich hilfsbereit? Wer ist nicht nur auf Geschäftemacherei aus? Wie sieht die Liebe aus, wenn alles in Schutt zerfällt und niemand weiß, wie es weiter gehen soll?Die Beschreibung des Krankenhauses ist Wahnsinn für heutige Verhältnisse, schon allein die Blutspende, Es mutet an, wie ein Horrorfilm - und wenn ich dann überlege, in wievielen Ländern heute Krieg herrscht und so ein Ausnahmezustand, so leben wir hier im Elfenbeinturm und können es uns eben nicht wirklich vorstellen, wenn wir es nicht gesehen und erlebt haben. Schon dafür ist die Lektüre absolut lohnend. Mitgefühl lernen, sich hineinversetzen in anderen Zeiten, Umstände, Lebensumstände, Gefühlswelten.Böll schafft es, anschaulich zu schildern, Gefühle zu vermitteln, Lebensaugenblicke wieder zu geben.