Bernd Roling und Julia Weitbrecht, zwei Professor*innen aus Berlin beziehungsweise Köln, laden mit ihrem Büchlein „Das Einhorn“ auf einen Streifzug durch die Jahrhunderte ein, denn das edle Fabelwesen, das wir heute kennen und lieben, hat eine langjährige und spannende Entwicklung hinter sich.Bereits das Vorwort bietet einen fesselnden Einstieg, der aufzeigt, wie umfassend der Blick, den dieses Buch bietet, trotz der knappen Seitenlänge ist. Da ist die Rede unter anderem von modernen Fantasyfilmen, wie Harry Potter, da werden aber auch sogenannte Einhornmeditationen zur spirituelle Energiegewinnung erwähnt und wie beispielsweise das Einhorn zu einem wichtigen Symbol der Queer-Bewegung wurde.Dieser Einführung über die Omnipräsenz des thematischen Gegenstands der beiden Wissenschaftler*innen folgt dann in den eigentlichen Hauptkapiteln ein Rückblick in die Geschichte, der teilweise weiter zurück geht, als ich vor der Lektüre vermutet hätte, unter anderem eben auch in Zeiten, in denen das Einhorn von vielen Menschen noch für ein echtes Tier gehalten wurde. Der Stil, in dem hier erzählt wird, ist angenehm zu lesen. Er ist nicht zu wissenschaftlich, auch für einen Laien leicht verständlich und sorgt dafür, dass ich recht flott durch die gut strukturierten Kapitel kam und das obwohl hier diverse Fachrichtungen gleichzeitig gestreift werden. Viele angeschnittene Themen motivieren mich zu einer tiefergehenden Recherche, die über das Lesen dieses kleinen Büchleins hinaus geht.Somit halte ich „Das Einhorn“ von Bernd Roling und Julia Weitbrecht für ein gelungenes Einstiegswerk, das mir bereits einiges Neues offenbarte, aber eben, als ganz besondere Leistung, die Neugier in mir weckte, nach weiteren Quellen zu dieser Thematik zu suchen.
Die Beschäftigung mit Einhörnern hat eine lange Tradition. Ihre Karriere begannen diese schillernden Wesen bereits in der Antike, wo sie in Indien verortet und ihnen magische Qualitäten zugeschrieben wurden, wie etwa, dass sie vor jeder Art von Gift schützen. Im Mittelalter wurden sie dann unter anderem mit Christus gleichgesetzt, in Jagdszenen verewigt und galten als Liebessymbol, bevor Existenz und Heilkraft der Einhörner erst ab der Neuzeit kritisch hinterfragt wurde. Ihre Faszination haben sie dennoch bis in die Gegenwart behalten.Von all dem und einigem mehr berichtet dieses Büchlein. Der Text ist eher trocken, wird aber immerhin durch ein paar Bilder aufgelockert.Insgesamt wird hier eine durchaus interessante Zusammenfassung des Themas Einhorn gegeben. Die Ausführungen sind jedoch ziemlich oberflächlich. Eine Information reiht sich an die andere. Mir hat eine (zeiten)übergreifende Zusammenschau gefehlt.