Danke für dieses sagenhafte Buch, das ich nicht zur Seite legen konnte bis zum Ende.Den Namen Rosalind Franklin kannte ich überhaupt nicht. Dabei hätte sie als Entdeckerin der DNA Weltruhm verdient.In der Schule wurde sie nicht erwähnt (Newton, Einstein und andere aber ständig).Ihre Kollegen stahlen heimlich ihre Unterlagen, veröffentlichten die Ergebnisse und erhielten den Nobelpreis dafür (!).Das Buch habe ich mir gekauft, weil ich wissen wollte, wie es bei anderen berufstätigen Frauen so läuft. Ob sie auch von ihren Kollegen gelinkt und beruflich fertiggemacht werden. In Wissenschaft und Technik.Ja, ist das Ergebnis.Läuft auch 100 Jahre später immer noch so.An dieser Stelle möchte ich auf die brutale Situation von Ingenieurinnen, Physikerinnen, Informatikerinnen, also Frauen in MINT-Berufen in deutschen Techbranchen aufmerksam machen.Sexismus ohne Ende, massive Unterbezahlung, Machismo jeden Tag, ein Leben lang.So läuft es ab.1. Berufsanfängerinnen werden ignoriert und unsichtbar gemacht. Fühlt sich täglich an, wie auf heißem Sand, höchstens geduldet zu sein. Üblich ist es auch, dass mit Ingenieurinnen gesprochen wird, als seinen sie geistig behindert.2. Sobald Ingenieurinnen mit ihrer Leistung auffallen, werden sie systematisch bekämpft. Von Kollegen und Chefs. Mit Schikanen und kriminellen Methoden (Mobbing, Verleumdung etc.).VERBALE ATTACKENBesonders in Meetings ist es gang und gäbe, dass einem das Wort abgeschnitten wird, herabwürdigende Bemerkungen fallen, die fachliche Kompetenz angezweifelt wird, Fehler in der Präsentation behauptet werden, verbales Runtermachen regelmäßig, Dirty Tricks ohne Ende, Jahr für Jahr. Langdauernd, niederschwellig, verschleißend.Die Geringschätzung und Verbalattacken gehen von einem niedrigen Prozentsatz der Kollegen und Führungskräfte aus, machen einem aber das Leben mächtig schwer.70% meiner Arbeitsenergie brauche ich für die dauernde Burgbefestigung, 30% bleiben für meine eigentliche Arbeitsaufgabe. Ein Berufsleben im Selbstverteidigungsmodus.ISOLIERUNGStändig wird einem das Gefühl vermittelt, nicht dazuzugehören. Die Kollegen organisieren sich in informellen Clubs von Lagerfeuerkumpels, von deren Austauschen frau nichts erfährt.Mündliche Informationen erhält man tendenziell zuletzt oder gar nicht.In Abwesenheit werden weibliche Kollegen, besonders wenn sie ehrgeizig sind, als unfähig verleumdet.Das wird ständig wiederholt und irgendwann glauben es alle.SPEZIELLE AUFGABENVerbreitet ist das Vorgehen, unerfreuliche Aufgaben, die mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Misserfolgen führen, an weibliche Kräfte zu delegieren. Psychisch Kranke im Team, korrupte Lehmschichten aufbrechen, fanatische Gewerkschafter im Team führen, unwirtschaftliche Bereiche sanieren – was so keiner machen will.Danach ist frau dann das Team schnell wieder los, und bekommt anschließend als "Verbrannte" einen Schreibtisch ohne Verantwortung.Beim Automobilzulieferer war es noch schlimmer – in den 10 Jahren die ich in S. war, kamen Ingenieurinnen dort gar nicht erst auf Projektleiter- oder Führungskräfte-Stellen. Eine Frau als Boss im Engineering? Für Viele immer noch undenkbar.BEURTEILUNGAuf der Tonspur wird einem im Jahresgespräch versichert, wie hervorragend die Leistungen sind. Auch die Hochwertigkeit und Schwierigkeit der Aufgaben, die einem neu übertragen werden, steigt regelmäßig an.Dokumentiert bei der Beurteilung wird dann aber regelmäßig Mittelmaß, und beim Gehalt rangiert man in niedrigeren Bereichen gleichwertiger Aufgaben. Im Tarif wird frau regelmäßig 1 -2 Stufen niedriger eingruppiert als die männlichen Kollegen. Die minimalen Gehaltserhöhungen geben das Signal „Kannst gehen“.Wenn man dann verhandelt, bekommt man als Antwort Schweigen, oder das Argument "Das bleibt jetzt so".Die Personalerinnen stellen sich mit dem Chef gegen Einen.FEHLENDE UNTERSTÜTZUNGBei Sachthemen oder Laufbahnthemen bekommt man in der Regel keinerlei Unterstützung von Kollegen oder Vorgesetzten.Bei verbalen Attacken starren alle anderen auf den Tisch, regungslos. Auch der eigene Chef.Ideen, Verbesserungen oder kleinste Karrierethemen müssen hart verteidigt oder proaktiv erkämpft werden. Oft gegen massiven Widerstand.Auch Intrigen von Machos sind immer wieder beliebt.Das ist für mich mit Abstand die schlimmste Form der Diskriminierung, unter Hunderten Kollegen gefühlt allein dazustehen.Als weibliche Führungskraft im Engineering ist es nochmal verschärft – es schlägt einem von vielen Seiten eine Eiseskälte entgegen. Tag für Tag.Das war nur eine Kostprobe. Ich kann noch viel mehr berichten.Meine Boebachtung ist, dass MINT-Frauen eher nicht belästigt oder anzüglich angegangen werden.Nein. In deutschen Industrie-Techbranchen werden sie als Kriegsgegner bekämpft!Je brillianter die Ingenieurin, desto brutaler die täglichen Attacken.Ziel: Reputation am Boden, beruflicher Tod.MINT-Frauen haben die massivsten täglichen Attacken in den technischen Branchen auszuhalten, (auch ohne je in Elternzeit gegangen zu sein).Ich teile hier einige langjährige Beobachtungen, und habe noch zahlreiche Berichte aus meinem Netzwerk von MINT-Kolleginnen im Hinterkopf.Meine Empfehlung: besser Ärztin, Anwältin, Lehrerin werden.
Bei der herausragenden Leistung von Rosalind Franklin bei der Entschlüsselung der DNS und dem "Datenklau" von Watson und Crick, die später dafür den Nobelpreis bekamen, hätte ich mir mehr zum Thema Biophysik und DNS/DNA gewünscht, sowie der Rolle von R. Franklin als Wissenschaftlerin. Stattdessen eine erfundene Liebschaft und die "Rache" an einem wissenschaftlichen Mitarbeiter von Crick und Watson, den es nie gab. Das mag die Freiheit eines Romans sein, war für mich allerdings enttäuschend!