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Wandlungen einer Ehe | Sandor Marai | Taschenbuch | 464 S. | Deutsch | 2004 | Piper Verlag GmbH
Bewertungen & Erfahrungen
4,0 von 5,0
4 Bewertungen
5 ★1
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3 ★1
2 ★0
1 ★0
Verteilung basiert auf 4 vorliegenden Einzelbewertungen.
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Redaktion11.06.2026
testmonster.de · Redaktion
Das Buch ist eine interessante historische Erzählung, die gut in die Zeit des Zweiten Weltkriegs eingebettet ist, aber die Darstellung der Charaktere könnte etwas mehr Tiefe gebrauchen.
"Wandlungen einer Ehe" ist ein Roman über eine vertrackte Dreiecksbeziehung. Sándor Márai auf der Suche nach dem Glück der Menschen, und er geht der Frage nach, ob Menschen aus ihrer Einsamkeit entfliehen können. "Es ist, als wäre auf Erden die Freude abgekühlt", sagt Péter, der als Sohn eines reichen Fabrikanten in Glanz und Glamour im noblen Jugendstilviertel von Budapest aufwächst, aber dieser Glamour ist seelenlos, steril und einsam. Die Eltern sehen sich als Bewahrer der bürgerlichen Klasse. "Sie lebten und starben, sie liebten sich und gebahren und erzogen mich, als wären sie die Zelebranten eines übernatürlichen Rituals." Nur an Familienfesten holt man das kostbare Geschirr aus den Glasvitrinen, das Silber wird wochentags nie benutzt. Im Arbeitszimmer des Vaters - er arbeitet übrigens niemals dort - steht ein Diplomatenschreibtisch, es hängen wertvolle Bilder an den Wänden, allerlei Bronzeschmuck und einige tausend Bücher, die niemand liest. All die Kosbarkeiten werden nur bewahrt. Sie leben nach strenger Haus - Arbeits - und Gesellschaftsordnung und ordnen ihre Vergnügungen, Neigungen, sexuellen Betätigungen. "...in dieser Ordnung gefrierte allmählich das Leben".Als Judit Áldozó als Dienstmädchen ins Haus einzieht, - "sie war beängstigend schön" - verliebt sich Péter in sie. Die großbürgerliche Ordnung im Hause gerät in Gefahr, denn ein Diener und eine Köchin werden entlassen, weil sie sich auch in das schöne Dienstmädchen verliebt haben. Drei Jahre nach Judits Einzug, macht Péter ihr einen Heiratsantrag. Judit ist für alle eine Gefahr, doch eine Kündigung steht nicht an der Tagesordnung, denn Péters Mutter will ihren Sohn vor der Einsamkeit bewahren, "vor jener beängstigenden Einsamkeit, in der ihr Leben verlief...das ganze glorreiche, arrivierte, rituelle Leben ihrer Klasse". Péters Heiratsantrag abgelehnt, vermählt sich Péter mit einer Frau aus dem Mittelstand. Ilonka, sie ist gebildet, hat eine Mietwohnung mit Geranien auf dem Balkon, und vor allem liebt sie ihren Mann, - eine Frau, mit der Péter glücklich werden könnte, doch er ist traurig, ihm steht die Blässe der Einsamkeit im Gesicht, und nach einigen Ehejahren entdeckt Ilonka , dass "er an eine Sehnsucht,... an eine sentimentale Illusion gebunden ist", an Judit Áldolzó.Der Roman besteht aus drei großen Monologen. Ilonka, Péter und Judit kommen hier zu Wort und erzählen jeweils aus ihrer Sicht die Geschichte einer Ehescheidung, an der sie alle beteiligt waren. Gleichzeitig repräsentieren sie verschiedene Gesellschaftsklassen - die Armen, den Mittelstand, die reiche bürgerliche Klasse. Mit viel Gespür schreibt Márai über Sehnsüchte und große Gefühle. Dem Autor ist es hervorragend gelungen, sich in seine literarischen Figuren einzufühlen und ihre Sichtweisen in wunderbarer Prosa zu Papier zu bringen. Der Roman spielt vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges und Sándor Márai führt uns den Niedergang der reichen bürgerlichen Welt vor Augen.
Drei Erzählperspektiven führen durch dieses meisterhaft geschriebenen Roman. Im Grunde genommen geht es um die Liebe. Zuerst erzählt die geschiedene Frau, dann der ehebrüchige Ehemann und im letzten Kapitel das Dienstmädchen und spätere Ehefrau. Man denkt sich, was für ein abgenutzter Plot, der da erzählt wird. Jedoch muss ich zugeben, dass je weiter die Erzählung führt, umso tiefgründiger und auch philosophischer wird sie. Mir hat ausserordentlich gut gefallen, wie der Autor sich in alle drei Personen sehr authentisch hinein versetzen konnte. Sowohl die Rollen der beiden Frauen wie auch die Sicht des Mannes werden klar und mit tiefem Gespür für die jeweilige Bedeutung nachgezeichnet.Die Konventionen einer grossbürgerlichen Familie und die Wahrnehmungen eines aus sehr armem Milieu stammenden Dienstmädchens lassen tief in die Seele der einzelnen Protagonisten blicken. Es sind Welten kultureller Herkunft, die da aufeinanderprallen und die in Nichtverständnis, Hass und Betrug münden.Die ersten beiden Teile sind bereits 1941 in Ungarn erschienen, der dritte Teil wurde erst 1948 in italienischem Exil des Autors fertiggestellt.Mein 1. Buch dieses Schriftstellers aber sicher nicht mein letztes.
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Letzte Aktualisierung: 26.09.2026 14:11 Uhr.