Update 20.11.2020:Die GPS-Tracks stehen inzwischen zum Download zur Verfügung.Ursprüngliche Bewertung:Nett aufgemachtes Büchlein mit vielen schönen Fotos (die meisten vom Autor selbst) und gut erklärten abwechslungsreichen Touren in verschiedenen Schwierigkeitsgraden und Längen.Aber:1.) Von den 40 beschriebenen Touren sind nur gut die Hälfte wirklich in den Chiemgauer Alpen, die restlichen sind in den umgebenden Berchtesgadernern (wofür es bereits ein ähnliches Buch im selben Verlag gibt.), im Kaiser- oder Mangfallgebirge. Wenn ich ein Buch über Chiemgauer Alpen kaufe, dann möchte ich auch dass sich dieses weitestgehend damit beschäftigt. Berge die weiter von der Region entfernt sind, wie z.B. Schneiber, Grünstein, Rosskopf oder Rotwand gehören meiner Meinung nach nicht in dieses Buch, zumal es sicherlich auch in der Region zwischen Bad Reichenhall und Rosenheim deutlich mehr als 40 „vergessene“ Pfade geben würde. Und was die Herreninsel im Chiemsee mit den Chiemgauer Alpen zu tun hat weiß wohl nur der Autor – vielleicht weil man sie von dort aus sehen kann? (Der Weg ist bestimmt schön, aber hier einfach fehl am Platze.)Die allermeisten Touren sind durchaus interessant, aber einige beschreiben einfach den normalen Weg, wie er auch in anderen Wanderführern, im Internet oder auf den gelben Beschilderungen zu finden ist und die entsprechend frequentiert sind. Jetzt bin ich sicher nicht der absolute Kenner der Chiemgauer Berge (drum hab ich mir ja das Büchlein auch gekauft), aber selbst ich kenne einige wenig begangene Pfade und Berge in der Region, wie ich sie in diesem Buch erwartet hätte. Z.B. den Fuderheuberg am östlichen Ende des Staufen-Massivs, das ganze Gebiet zwischen Weißbach, Melleck, Sonntagshorn und Rauschberg enthält einige - wirklich - vergessene Pfade, das Ristfeuchthorn ist zwar als Hausberg von Schneitzlreuth sicher nicht „vergessen“, wäre aber unbekannt genug für so ein Buch, am südlichen Rauschberg ist der – gerade im Herbst – traumhafte Weg von der Laubau über den Sackgrabenrücken zur Kaitlalm. Die Adlerköpfe, die vier Schneiden "vor" dem Hochfelln mit vielen schönen, wenig bekannten Wegen rauf und drumrum, incl. deren Almen, der Rechenberg mit dem „Dampfschiff", der Friedenrath vor der Hochplatten, Schwarzenberg und Erlbergkopf im Kampenwandgebiet, undsoweiter... Also sollte es doch nicht soo schwer sein, wirklich 40 „vergessene“ (oder zumindest wenig bekannte) Pfade aller Schwierigkeitsgrade in den Chiemgauern zu finden.2.) Die Einstufungen: Von ein paar Ausnahmen in blau oder schwarz sind fast alle Touren im Chiemgau mit Schwierigkeit „rot“ gekennzeichnet. Wie die Einstufung zustande kommt ist aber nur selten erklärt. Warum z.B. ein kurzer Hatscher wie der Dandlberg rot gekennzeichnet ist oder der Saurüsselkopf schwarz (nach meiner Einschätzung T3 -->rot) ist nicht erklärt. Hier wäre eine etwas feinere Bewertung nach der inzwischen oftmals verwendeten SAC-Skala besser und ein paar Hinweise im Text sicher hilfreich.3.) Die GPS-Tracks zum Download, auf die im Buch verwiesen wird, sind leider noch nicht verfügbar. Eine Anfrage dazu wurde zwar nett und hilfsbereit beantwortet (--> Bei der Nachbearbeitung der Tracks kommt man wohl nicht hinterher, sie werden nachgereicht sobald sie fertig sind.), besser wäre es aber, einen Hinweis auf der Webseite zu platzieren auf der der Leser nach dem Download suchen würde.Alles in allem ein netter Wanderführer für die östlichen bayerischen Alpen, aber den Titel "Vergessene Pfade" sollte man nicht allzu wörtlich nehmen. Für jemand der sich in der Region nicht so gut auskennt sicherlich ein guter Tipgeber wenn man sich etwas abseits der Touristenmassen bewegen will; ein "Insider" oder Einheimischer wird wenig Neues finden.