Als Studentin auf Lehramt mit den Fächern Deutsch und Spanisch möchte ich Mathematik an der Grundschule unterrichten, auch wenn ich lediglich Matheleistungskurs hatte. Seit über einem Jahr beschäftige ich mich mit dem Mathematikunterricht an der Grundschule und erlese mir die Herangehensweise für die inhaltlichen Kompetenzen der Bildungsstandards "Zahlen und Operationen", "Raum und Form", "Muster und Strukturen" , "Größen und Messen" und "Daten, Häufigkeit und Wahrscheinlichkeit". Da mir die Relevanz des selbstbewussten Umgangs mit Zahlen für alle anderen Bereiche klar ist, ich in der Praxis aber immer wieder feststelle, dass Kinder es nicht schaffen, sich vom zählenden Rechnen zu lösen, war ich auf der Suche nach einem Buch, dass die in der Fachliteratur oft behauptete These stützt, dass fast alle Kinder es lernen können sicher (im Kopf) zu rechnen. Dies Buch habe ich nun gefunden.Gaidoschik beschreibt systematisch die Bereiche, in denen Schwierigkeiten entstehen können, und macht Lösungsvorschläge, mit welchen Herangehensweisen und Übungen diese Schwierigkeiten von (fast) allen Kindern überwunden werden können. Seine Erläuterungen sind mehr als einleuchtend und erklären Phänomene, die ich bislang nicht einordnen konnte, z. B., warum Kinder immer wieder bei 1 anfangen zu zählen, wenn sie 5 + 3 rechnen sollen. Sinnvoller ist es doch, direkt bei der 5 anzufangen.Seine Vorgehensweise besteht u. a. darin, den Kindern bewusst! zu machen, wie sie rechnen und wie sie einfacher rechnen können. Auch beschäftigt Gaidoschik sich sehr ausführlich mit verschiedenen mathematischen Konzepten, z. B. wird bei Subtraktionen von einer bereits vorhandenen Menge etwas weggenommen, während bei Additionen zwei Mengen addiert werden. Das sind unterschiedliche Handlungen, die erkannt werden müssen und manchen Kindern Schwierigkeiten bereiten. Neu war für mich auch der Zugang, erst Vorstellungen über Anzahlen mit den Kindern zu erarbeiten und ganzheitliche Vorstellungen über Zahlen zu erarbeiten inkl. sinnlicher Erfassung der Unterschiede zwischen Ziffern, bevor es an das eigentliche Rechnen geht. Gaidoschik vertritt die Auffassung, dass diese Vorstellungen erst gefestigt werden müssen, bevor mit Ziffern hantiert wird. Auch systematisiert er nicht nur die Zerlegungen der 10 in verliebte Zahlen, sondern auch das Verhältnis aller Zahlen zur 5 und zur 10 und alle Zahlzerlegungen bis 10 (7 = 6 + 1, 7 = 5 + 2 usw.). Die Relevanz wird klar, wenn man sich vergegenwärtigt, dass man beim Kopfrechnen ständig alle! Zahlen bis 10 zerlegen muss.Ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen!
Ich habe schon sehr viele Bücher zum Thema Rechenschwäche/Rechenschwierigkeiten gelesen und dies ist einer meiner Favoriten bzw. das Buch, das ich interessierten KollegInnen empfehle.Es ist klar und verständlich geschrieben und gibt zahlreiche Hinweise zur Optimierung des Anfangsunterrichts in Mathematik.Von allen Faktoren, die in das Problem "Rechenschwäche" hineinspielen können wir nur den Unterricht beeinflussen bzw. verbessern. Hier setzt das Buch an. Die wesentlichen Kapitel behandeln die Themen "Zählen", "Vergleichen", "Ziffern", "Rechnungen verstehen", "Zahlwissen erweitern" und "Rechenstrategien". Theorie und Praxis werden in gelungener Weise verknüpft: Jedes Kapitel ist in die drei Unterkapitel "Worum geht es?", " Was könnte Kindern in diesem Bereich schwerfallen und warum" und "Anregungen für Unterricht und Förderung"aufgeteilt, d.h. nach einer - meist sehr kurz gehaltenen theoretischen Abhandlung geht der Autor zunächst auf mögliche Schwierigkeiten ein und kommt dann unmittelbar auf den Unterricht zu sprechen. Die Prävention beginnt dabei bereits bei der Einführung im Unterricht: Sämtliche Anregungen des Buches sind nämlich sowohl im ganz normalen Fachunterricht als auch im Förderunterricht einsetzbar. Erfreulich finde ich weiterhin, dass der Autor ohne einen dicken Anhang mit Kopiervorlagen auskommt. Die gegebenen Anregungen sind zumeist mündlich und beziehen sich auf die Arbeit mit Material, das ohnehin an jeder Schule vorhanden sein sollte bzw. welches im 1. Schuljahr benutzt wird, z.B. Wendeplättchen und Rechenketten. Die Gabe von Material stellt jedoch per se noch keine Hilfe dar und hier können selbst erfahrene Lehrkräfte noch Hinweise und Tipps zum sinnvollen Einsatz dieser bekannten Materialien bekommen. Besonders spannend fand ich die Anregungen zum Nutzen der Hände für nicht-zählendes Rechnen - sehr hilfreich.Alles in allem rundum empfehlenswert und inhaltlich frisch präsentiert - Lesen!ACHTUNG, verwirrend: Ein inhaltlich identisches Buch ist unter dem Titel "Rechenschwäche vorbeugen - Ein Handbuch für Lehrerinnen und Eltern" im österreichischen Verlag öbv erschienen.