Der Junge ist ohnehin in Eile, vor dem Dunkelwerden sollte er zuhause sein. Doch dann bleibt der Fahrstuhl stecken und es ist zappenduster. Die Welt um ihn scheint still zu stehen. Außen und Innen verschwimmen, der Fahrstuhl wird unendlich weit und winzig zugleich. Verletzlich das Kind, oder zu ewiger Dunkelheit verdammt? Und: Was geschieht draußen? Vermisst ihn Mama? Sucht sie ihn schon? Die Feuerwehr? Die Polizei? Brennt gar das Haus? Angst und Panik ergreifen das Kind, das alle Knöpfe drückt, bis auf den einen, den Kinder nicht drücken dürfen. Doch dann plötzlich greift er die rettende Hand – und er scheint mit seinem Papa im Wald zu Fluss unterwegs zu sein. Eine kurze Zäsur, wunderbar hell, von Sicherheit geprägt – macht Mut und gibt Kraft, nun doch den Knopf zu drücken, so dass Hilfe kommt.Constance Orbeck-Nilssen und Oyvind Torseters neues Bilderbuch erzählen eindringlich von der Angst im Dunkeln, in einer Situation, wenn die Routinen des Alltags plötzlich unterbrochen werden und alles in der Schwärze der Lichtabwesenheit verschwindet. Der Eindruck wird in den knappen Texten erfahrungsnah berichtet. Die Bilder hingegen eröffnen in Ergänzung dazu Interpretationshorizonte, die mal nah am Kind und seiner Position ist, mal von weiter weg einordnen, was Gegenstand der kindlichen Vorstellungen und Ängste ist. Da sehen wir das Haus, den Fahrstuhl und auch den Jungen im Aufriss, Körperoberflächen verschwinden bei Objekten wie auch beim Protagonisten, alles scheint in eins überzugehen. Dann wieder wird herausgezoomt, die Gegen gezeigt, in perspektivischer Verzerrung das Treppenhaus zur unendlichen Herausforderung, oder das Umfeld wimmelt buchstäblich von Heerscharen, die den Jungen suchen. Die feinen grafischen Strichzeichnungen lenken die Aufmerksamkeit auf die Verhältnisse der Objekte, und sie werden geprägt von plakativen Farbflächen, die nur in Graustufen und markant eingesetztem Orange monochrom eingefärbt sind. So entsteht ein starker Eindruck von der Angst, aber auch vom Moment des Mutes – der zum guten Emde hinführt. Eindrücklich und sehr zu empfehlen!Weitere Rezensionen auf ajum.de