Wie lange ist es her, dass ein spirituelles Buch mich so dermaßen umgehauen, berührt, erschüttert, verstört und begeistert hat...? Es ist nicht zu fassen, was für ein unglaubliches Werk!"Radikales Erwachen" ist das 3. in deutscher Sprache vorliegende Buch von Jeff Foster, es gefällt mir sogar etwas besser als seine beiden Vorgänger aus dem Noumenon Verlag ("Eine aussergewöhnliche Abwesenheit", "Das Wunder des Seins", beide m.E. ausgezeichnet) Es ist bei diesen und ähnlichen Büchern ja nicht unbedingt so, dass es immer wieder neue "Informationen" und Erkenntnisse gibt - mehr oder weniger ähneln sich viele Werke der Nondualität, des Advaita. Jeff Foster schafft es in seinem Buch allerdings in staunenswerter Weise eine Tiefe, Klarheit und Schönheit in seiner Darstellung zu entwickeln, die ich in dieser Form bisher nicht kannte. Seine Sprache ist manchmal sowohl poetisch, als auch eher nüchtern und - im besten Sinne des Wortes - sehr einfach."Wir suchen Reinheit, Vollkommenheit und Ganzheit außerhalb der gegenwärtigen Erfahrung, weil wir unsere Erfahrung des Jetzt als kaputt ansehen, unvollständig, unvollkommen, auf irgendeine Weise nicht ganz. Wir suchen Ganzheit, weil wir die Ganzheit im Jetzt nicht erkennen...An diesem Punkt beginnt das Leiden - mit dem Verlust des gegenwärtigen Augenblicks, dem Verlust unserer wahren Heimat" (S.47) "Wir können sogar all unser Leid in dem Satz zusammenfassen: Ich will diesen Augenblick kontrollieren, aber ich schaffe es nicht" (S. 51)Als sehr positiv habe ich den Umstand erlebt, dass der Autor sich in seinen Beispielen aus dem Alltag in seine Leser ganz gut hinein versetzen kann: Es geht uns zumeist nicht primär darum, dass wir ein neues Auto, Ruhm oder Macht haben wollen (häufige Beispiele anderer spirit. Literatur), es geht uns (d.h. den meisten Lesern dieser Bücher) vielmehr darum, gelassen oder erwacht zu sein, oder sonst einem spirituellen Ideal zu entsprechen: "Wir sind süchtig nach Spiritualität geworden - nach dem Nonstop-Lesen spiritueller Bücher, nach unseren spirituellen Lehrern und Gurus, danach, endlose Seminare und Satsangs zu besuchen..." (S.215)Foster beschreibt sehr ausführlich unsere gespaltene Haltung, die aus unserem Versuch entsteht, die gegenwärtige Erfahrung kontrollieren zu wollen, sie anders, vollständiger machen zu wollen "Er erlaubte sich ganz einfach nicht, das zu fühlen, was er in diesem Augenblick fühlte. Er erlaubte sich nicht, sich hilflos zu fühlen, nicht einmal einen Augenblick lang. Er konnte die tiefe Akzeptanz seines gegenwärtigen Erlebens der Hilflosigkeit noch nicht zulassen" (S.52). Die verschiedenen Kapitel des Buches handeln dann u.a.von den Schwierigkeiten, die "tiefste Akzeptanz, dessen was ist" in unsere verschiedenen Lebensbereiche zu integrieren, das Thema Beziehungen behandelt er ziemlich ausführlich, ebenso Schmerz, Krankheit und Süchte.Der Autor macht nicht den (wie in ähnlichen Büchern häufig anzutreffenden) "Fehler", dass er die Welt der Erscheinungen, unsere Schwierigkeiten und Kämpfe in unseren täglichen Auseinandersetzungen relativiert, durch den Verweis, dass wir "in Wahrheit doch nur Bewusstsein sind" (dann hat man nur wieder ein neues Ideal) - er führt den Leser geduldig dahin, diese Erkenntnis in der jeweiligen Situation seines Lebens selber machen zu können: Erst wenn es mir gelingt, den Schmerz, die Traurigkeit, das Haften an meiner Geschichte, oder die zumeist unbewusste Haltung des Suchens in meinem Denken, Empfinden und Leben vollständig anzunehmen, kann ich erfahren, dass ich dieser Schmerz, diese Traurigkeit, diese Geschichte nicht bin; dass ich vielmehr das Bewusstsein bin, das wie ein Ozean (Fosters Lieblingsmetapher) jede auftauchende Welle von Gedanken und Empfindungen kommt und gehen lässt.Nach Rupert Spiras "Bewusstsein ist alles" für mich persönlich das beeindruckendste und wichtigste Buch aus dieser Ecke. Ich hatte während des Lesens auch etwas den Eindruck, "Radikales Ewachen" ist eine gesteigerte Metamorphose von Fosters ersten beiden Büchern in Verbindung mit E.Tolles "The power of now" (An dieser Stelle schönen Dank an Frau Evelyn Horsch-Ihle für die gelungene Übersetzung, wäre ja schön, wenn Sie sich sein nächstes Buch "Falling in Love..." vornehmen würden...)Ein seltenes Lieblingsbuch, ein Lebensbegleiter, ein echter Trost für schwere Zeiten. Was für eine Entdeckung, was für ein Geschenk, was für ein Wunder!
Das ist eines der besten Bücher, die ich über Spiritualität gelesen habe. Der Schreibstil des Autors ist etwas schwierig, er verwendet viele lange, verschachtelte Sätze, doch die Mühe lohnt sich! Noch nie habe ich so viele Aha-Erlebnisse aus einem Buch erhalten, über dessen Themen ich schon ettliche andere Bücher gelesen habe.Meine wichtigsten Erkenntnisse:- Jeff zeigt an einem ganz einfachen Beispiel über das Hören, wie man erkennt, dass man der große weite Raum ist, der alles beinhaltet. Früher hatte ich solche Erlebnisse ab und zu und scheinbar zufällig. Jetzt kann ich jederzeit in diese Perspektive wechseln.- Er erklärt sehr plausibel, dass sterben für das Bewusstsein, das wir sind, nicht möglich ist. Seitdem mache ich mir keine Gedanken über den Tod mehr.- Er erklärt, wie Sucht funktioniert und wie man sich daraus befreien kann. So habe ich sehr einfach meine Sucht nach Essen loslassen können.- Er erklärt sehr einleuchtend, was Erleuchtung ist und was nicht. Alle meine losen Vorstellungen reihen sich in seine einfache, direkte Darstellung ein. Der Kampf, das Bemühen, die Selbstkritik und die Suche enden.- Er zeigt, dass es kein Gegenteil gibt. Dadurch gelingt es mir viel besser, im Hier und Jetzt zu bleiben.- Er zeigt mir, wie intim Begegnungen mit anderen Menschen sein können und eröffnet mir eine neue Weltsicht.Für mich war das Buch keine einfache Kost, ich fand es schwierig zu lesen und zu verstehen. Irgendwie fand bei mir ein kompletter Perspektivwechsel statt, und ich habe immer gewartet, dass sich ein Thema integriert hatte, bevor ich weiterlas. Insgesamt habe ich für das Buch zwei Jahre gebraucht, aber es hat so viel in meinem Leben verändert. Ich kann es wärmstens weiterempfehlen.