Nachdem bereits 2004 ein Begleitbuch zu dieser Langzeitdokumentation erschien, in dem der später erschiene Film natürlich nicht berücksichtigt ist, haben sich Regisseur Winfried Junge und der Schüren-Verlag entschlossen dem letzten Film „Und wenn sie nicht gestorben sind – dann leben sie noch heute...“ ein eigenes Buch zu widmen.Als Winfried Junge im Jahr 1961, wenige Tage nach dem Bau der Mauer, für die DEFA einen 13 Minütigen Film über die Einschulung von Kindern in Golzow im Märkischen Oderland drehte, war schon geplant die Kinder auf ihren weiteren Lebensweg filmisch zu begleiten. Die Dokumentation sollte die Entwicklung der Kinder zu wertvollen Mitgliedern in der sozialistischen Gesellschaft zeigen. Doch als die „Kinder von Golzow“ ungefähr 33 Jahre alt waren, nahm die Geschichte einen anderen Lauf als vorgesehen. So erzählen die insgesamt 43 Stunden Film auch davon wie sich das Leben der DDR-Bürger durch den Beitritt zur Bundesrepublik mit der Schließung und Umstrukturierung vieler Betriebe verändert hat. Das Gesamtwerk „Die Kinder von Golzow“ ist so gleich in dreifacher Hinsicht ein einzigartiges Dokument: Als Langzeitbeobachtung von Menschen, von denen man von Beginn an noch nicht wusste was aus ihnen wird, als Film über das Leben in der DDR und als Dokumentation über die Situation während und nach dem Übergang zum Leben in der Bundesrepublik. Es ist der Beharrlichkeit von Winfried Junge und seiner Frau Barbara Junge, die später als Schnittassistentin und Co-Regisseurin ebenfalls das Projekt begleitete, zu verdanken dass das Projekt auch nach dem Ende der DDR fortgesesetzt wurde und beide bis ins hohe Alter daran gearbeitet haben.Welche Schwierigkeiten es machte, die letzten Filme zu finanzieren und die beobachteten Personen weiterhin zur Mitarbeit zu motivieren, beschreibt Winfried Junge in einem Werkstattbericht des Buchs „Und wenn sie nicht gestorben sind... - Die Kinder von Golzow – Das Ende einer Langzeitbeobachtung 1961 – 2007“. Weiterhin werden im Buch die Personen der letzten vier Portraits beschrieben. Nachdem Winfried und Barbara Junge soviel vom Leben anderer Menschen beschrieben haben, findet sich im Buch auch eine kleine Autobiographie von Ihnen. Abgerundet wird der 173-seitige Band von einem Überblick über alle Golzow-Filme und alle im Film portraitierten Kinder und ihrer Familien, Informationen über Festivalteilnahmen und einem Interview mit dem Produzenten der letzten 4 Teile.Angereichert mit vielen Fotos und Dokumenten ist ein interessantes Lesebuch entstanden, dass einem nochmal die Dimensionen des Projekts und einige Lebensläufe vor Augen führt. Auch ohne das erste Buch von 2004 zu kennen, fand ich das Buch sehr lesenswert.