Die Abhandlung von Felicitas v. Aretin lehrt uns, mit Valéry, l’histoire justifie ce que l’on veut. Elle n’enseigne rigoureusement rien, car elle contient tout, et donne des exemples de tout. Die Enkel der Widerstandskämpfer des 20. Juli leben, je nach Herkunftsmilieu, sehr unterschiedliche Leben, eher sozialdemokratisch, liberal oder aristokratisch-konservativ. Sie haben aber eines gemein, sie rechtfertigen ihr Leben mit Hinweis auf den jeweiligen Großvater. Diese Art von vaticinium ex eventu teilen sie mit allen anderen Leuten. Wir sind alle darauf angewiesen, unserer zufälligen, banalen und meist nicht selbstbestimmten Existenz höhere Bedeutung zu verliehen, sei es mit Blick in die Vergangenheit, wie hier, oder auch mit Blick in die Zukunft.Das Buch bietet eine Fülle interessanter Details, welche Studien zum 20. Juli ergänzen. Leider geht Frau v. Aretin die gesamte musisch-dichterische Dimension des 20. Juli völlig ab, weshalb auch Stefan George nicht vorkommt und sie den Beginn eines der programmatischen Gedichte von Hölderlin, Gesang des Deutschen, für ein Zitat von Carlo Schmid hält. Das Buch ist in holprigem, schwer lesbarem Nominalstil verfaßt.Es enthält gleichwohl wichtige Hinweise auf die transgenerationale Traumatisierung der Familien des 20. Juli, die sich noch bis weit in die achtziger Jahre in Restdeutschland marginalisiert fühlten, da die strammen Durchschnittsdeutschen sich genierten, nicht selbst im Widerstand gewesen zu sein. Sie ließen das die Widerstandsfamilien spüren, indem sie die Helden als »Vaterlandsverräter« schmähten.Das Buch ist sehr schön ausgestattet. Es nervt jedoch, daß das Inhaltsverzeichnis als Fließtext gedruckt wurde, Affigkeiten in den Überschriften vorkommen und ein Personenverzeichnis fehlt.