Schaue ich meinen Enkeln als stiller Beobachter, den sie in ihrem Spiel völlig ausblenden, zu, freue ich mich daran, wie sie in Rollenspielen ihr Erleben nicht nur aufarbeiten, sondern sich auch in Rollen einüben und sich damit identifizieren. Eines der schönsten Spiele für Kinder ist es, Familie zu spielen. Auf dem Schulhof oder in der Nachbarschaft erleben Kinder, dass es vielfältige Formen von Familie gibt. Nicht nur Vater, Mutter, Kind. Einer lebt nur mit Papa alleine, eine andere mit zwei Müttern zusammen, eine mit Vater, Mutter und drei Geschwistern und zwei andere Kinder leben wechselnd mal bei Vater und Mutter. Die Geschichte des Bilderbuches zeigt uns, wie Kinder recht unkompliziert diese verschiedenen Konstellationen registrieren und integrieren. Sie stellen neue Regeln auf, damit jeder mitspielen kann.Dr. Rudolf Sanders
Worum geht es?Die Kinder auf dem Schulhof wollen Vater, Mutter, Kind spielen. Doch sie merken dabei recht schnell, dass dieses Spiel nicht alle Familienarten abdeckt und geraten in einen spannenden Austausch über die eigenen Familien und deren Besonderheiten. Und im Verlauf des Gesprächs wird klar, Vater-Mutter-Kind läuft nicht mehr, das Spiel muss geändert werden.Meine Meinung:In diesem Buch lernen wir mal ganz ohne Sachbuchcharakter, wie vielfältig Familienmodelle aussehen können. Zwei Mamas, nur ein Papa ganz ohne Mama, nur die Oma ohne Mama und Papa, ganz ohne Kinder, getrennt lebende Eltern, mit oder ohne Hund im Haus. Sogar eine Mutter, die ganz ohne Mann ein Kind bekommen hat, ist dabei.Es gibt unzählige Möglichkeiten. Jeweils auf einer Doppelseite beschreibt eines der mitspielenden Kinder die eigene Familie in kurzen Worten. Dazu gibt es dann immer ein ganzseitiges Bild der jeweiligen Familiensituation. Gut gefällt mir, dass wirklich sehr viele und unterschiedliche Möglichkeiten angesprochen werden und die Kinder sich gegenseitig dafür interessieren. An einer Stellen finde ich den Text nicht 100% gelungen. Da sagt ein Kind, dass die Mutter im Ausland sei und es sie aber gar nicht so sehr vermisst, nur manchmal. Darüber bin ich gestolpert, das mag anderen nicht so gehen.Ansonsten ist die Neugier der Kinder toll eingefangen und spiegelt bestimmt sehr gut realistische Fragen wider, auch kritische. Das ist sehr gut gelöst. Auch das Ende, als die Kinder nämlich gar nicht mehr Vater-Mutter-Kind spielen wollen, sondern etwas, bei dem eben alle mitmachen können.Das Buch eignet sich super, um mit Kindern über Familienkonstellationen ins Gespräch zu kommen und dabei mehr das Gefühl zu haben, eine Geschichte zu lesen, statt eines Sachbuchs.Besonders großartig finde ich die Illustrationen, die sehr vielfältig und total ansprechend sind. In vielen Büchern merkt man, dass sie vielfältig wirken sollen, es aber letztendlich nicht sind, weil z.B. nur ein Kind of Color vorkommt. Das ist hier völlig anders und die Kinder sind so unterschiedlich dargestellt, wie es eben auch im echten Leben der Fall ist. Auch die ganzseitigen Illustrationen sind wunderschön und ein besonderer Augenschmaus. Ein klitzekleines Bisschen vermisse ich im Buch mehr Behinderungen als nur einen Rollstuhlfahrer. Aber das ist in diesem Falle jammern auf hohem Niveau, weil eben sonst bei den Illustrationen so viel stimmt.Fazit: Für Kinder ab etwa 4 Jahren als Einstieg in das Thema Familienvielfalt ohne Sachbuchcharakter, wunderhübsch verpackt in traumhafte Illustrationen.Werbung unbezahlt - Rezensionsexemplar