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Lovecraft Country | Matt Ruff | Buch | 432 S. | Deutsch | 2018 | Carl Hanser Verlag
Bewertungen & Erfahrungen
4,3 von 5,0
4 Bewertungen
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Verteilung basiert auf 4 vorliegenden Einzelbewertungen.
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Redaktion23.05.2026
testmonster.de · Redaktion
Eine interessante und atmosphärische Geschichte, die die Gefühle Atticus Turners einfängt, obwohl es einige kleinere sprachliche Schwächen gibt. Die Handlung ist fesselnd und die Stimmung wird gut vermittelt.
Die Phrase von der „Hölle auf Erden“ verwendet man, wenn Menschen einander das Leben derart schwermachen, dass es für einige nahezu unerträglich wird, dass es übermenschliche Kräfte erfordert, sich trotzdem durchzuwurschteln, und dass man außerdem maßlose Geduld und Dickfelligkeit benötigt. Eine von vielen Höllen auf Erden waren die U.S. of A. bis weit in die zweite Hälfte des vergangenen Jahrhunderts für jedermann, der zufällig keine weiße Hautfarbe hatte. Diese Hölle ist bis heute nicht völlig beseitigt, sie ist nur nicht mehr ganz so heiß.Wir schreiben das Jahr 1954, als der (schwarze) Korea-Veteran Atticus Turner kurz nach dem Ende der Militärzeit in seinem neuen Auto aus dem Süden der Staaten nach Norden - in die Heimatstadt Chicago - unterwegs ist. Er hat den vom eigenen Vater herausgegebenen „Safe Negro Travel Guide“ dabei, um den schlimmsten Begegnungen von vorneherein auszuweichen, nur der Willkür der State Trooper und Sherriffs bleibt er ausgesetzt, einschließlich einer Beinahe-Erschießung nach dem kleinen Geschäft am Waldrand. Aber Atticus schafft es nach Hause, um dort festzustellen, dass sein Vater George verschwunden ist - offenbar in Begleitung eines merkwürdigen Weißen, und in Richtung einer neuenglischen Gegend, vor der der Reiseführer eindringlich warnt: Lovecraft Country. Doch Atticus macht sich trotzdem auf die Suche, und eine fantastische Odyssee beginnt.Der Titel des Romans bezieht sich auf Howard Phillips Lovecraft, der als H. P. Lovecraft berühmt wurde und Anfang des vergangenen Jahrhunderts die Horrorliteratur zugleich revolutioniert und salonfähig gemacht hat. Lovecrafts Werke spielten geschickt mit der tiefsitzenden, instinktiven Furcht, die die zentrale, treibende Kraft seiner Geschichten war. Wenn die Figuren in Matt Ruffs neuem Roman ins für Schwarze gesetzlose Hinterland - nach Lovecraft Country - aufbrechen, begeben sie sich aus der alltäglichen Furcht, der sie als Nichtweiße ohnehin fortwährend ausgesetzt sind, in die drastische, direkte, essentielle Angst vor mächtigen, gewalttätigen Rassisten, die nicht weniger als die Weltherrschaft anstreben - so, wie die „alte Rasse“ bei Lovecraft. Aber Atticus und die seinen haben auch ein paar Asse in den Ärmeln.„Lovecraft Country“ ist ein fantastischer Roman vor dem Hintergrund der Rassentrennung, reich an Anspielungen, Mysterien und spannenden Abenteuern, vor allem aber gespickt mit großartigen Ideen, amüsanten Dialogen und hinreißenden Figuren. Der episodenhafte Aufbau bringt allerdings einiges an Irritationen mit sich, und am Ende habe ich nicht für alles, was Matt Ruff an Kuriositäten aufgefahren hat, eine Erklärung finden können. Doch der Weg dorthin war ein großes Lesevergnügen, wenn auch nicht immer ein Spaß, denn die sehr ernsten Hintergründe der Geschichte(n) sind von großer Präsenz. Dadurch liest man einen spannenden, schillernden, furiosen Abenteuerroman, der für eine Thematik sensibilisiert, die einerseits für viele andere Probleme steht - und andererseits nach wie vor hochaktuell ist.Nach „Ich und die anderen“ mein zweitliebstes Buch von Matt Ruff. Aber ich mag sie alle sehr.
Als der Afroamerikaner Atticus Turner in den 1950er Jahren seinen Vater besuchen möchte, erfährt er, dass dieser angeblich mit einem Weißen kurzfristig ins sogenannte "Lovecraft Country" in Neuengland verreist ist. Atticus ist unschlüssig, was es damit auf sich hat, und macht sich zusammen mit seiner Freundin Letitia und seinem Onkel George auf die Suche nach seinem Vater. Sowohl unterwegs als auch im sogenannten Lovecraft Country, dem Landstrich, über den H.P. Lovecraft häufig schrieb. erleben sie zahlreiche rassistische Zwischenfälle. Als wenn ihre Situation dadurch nicht schon schwierig genug wäre, bekommen sie es mit einem okkulten Geheimbund namens „Orden der Alten Morgenröte“ zu tun. Dadurch wird ihr Leben ziemlich kompliziert – und ist es sogar schon seit geraumer Zeit, wie sie feststellen müssen.Ich hatte viel über „Lovecraft Country“ gehört und wollte mir selbst ein Bild machen. Ich ging von einem Drama über Rassismus oder vielleicht auch einen Krimi wie die drei „Darktown“-Romane von Thomas Mullen aus. Stattdessen erwartete mich eine Art Gruselgeschichte mit Motiven aus Lovecraft-Geschichten mit zahlreichen Anspielungen auf ihn und andere Horrorautoren aus dieser Zeit. Umwoben wird das Ganze von einem Rassendrama, das erschütternd aufzeigt, wie beschwerlich das Leben der Afroamerikaner in den Fünfziger Jahren war. Etwas irritiert fand ich, dass im Verlauf des Romans urplötzlich die Perspektiven gewechselt werden (z.B. in die von Ruby oder Horace) und die ursprünglichen drei Protagonisten zum Ende hin kaum mehr eine Rolle spielten. Durch den großen Handlungsbogen klärt sich dieser Fakt zwar weitgehend, etwas unbefriedigt lässt er mich aber dennoch zurück. Hier hätte ich mir eine stringentere Handlung gewünscht.Die ungekürzte Hörbuchfassung hat eine Dauer von 13h40min und wird großartig von Simon Jäger vorgetragen.
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Letzte Aktualisierung: 26.09.2026 18:09 Uhr.