Als Jersey im Sommer 1940 von den Deutschen besetzt wird, hat der Krieg das Leben der Schwestern Robinson bereits eingeholt.Nachdem Jenny ihren Traum von einem Studium in Cambridge auf Eis legen muss, schließt sie sich mit ihrem Freund Pip dem Widerstand auf der Insel an.Und auch Alice begibt sich in große Gefahr, als sie den jungen deutschen Arzt Stefan kennenlernt und sich immer mehr zu ihm hingezogen fühlt.Als das Schicksal sie entzweit, müssen beide Schwestern ungeahnte Opfer bringen, um zu überleben.Die sehr unterschiedlichen Schwestern Alice und Jenny stehen im Mittelpunkt dieser Geschichte, bei der es verstärkt um den Alltag der Menschen auf der von Deutschland besetzten Insel Jersey geht.Bei allen Unterschieden, Schwierigkeiten und Entbehrungen sind sich die Schwestern in einem Punkt einig: Sie werden bei Unrecht nicht tatenlos bleiben.Alice, die als Krankenschwester arbeitet, versucht ihre jüdische Kollegin und Freundin vor der Deportation zu beschützen. Es gelingt ihr zwar, aber sie muss einen sehr hohen Preis dafür bezahlen.Das sich Alice ausgerechnet in einen deutschen Soldaten verliebt hat, macht die Situation nicht einfacher.Die sprachbegabte Jenny übersetzt mit ihrem Freund Pip u.a. Nachrichten der BBC und schmuggelt die Texte in die Lager zu den auslänsischen Zwangsarbeitern um ihnen Hoffnung zu geben. Später werden sie Helfer im Widerstand.Sie alle riskieren ihr Leben!Nachdem ich auf dem Klappentext das Wort "Jersey" gelesen hatte, war mir direkt klar: Ich muss dieses Buch lesen!Denn vor etwa 6 Wochen habe ich diese wunderschöne Insel kennen und lieben gelernt und ich bin noch immer ganz begeistert von den ausgesprochen freundlichen und herzlichen Menschen dort.Beim lesen hatte ich viele der erwähnten Orte direkt vor Augen: Den Hafen von St.Helier, den Royal Square, den Leuchtturm La Corbière...Ich war jetzt also mit Alice und Jenny erneut auf Jersey, bin mit ihnen durch die Queen Street, zum Strand von St.Aubin oder einfach nur über die Insel gelaufen.Von dem, was sich während der deutschen Besatzung auf den Kanalinseln ereignet hat, ist den meisten Menschen in Deutschland nicht viel bekannt, aber in dieser Geschichte wird die Zeit lebendig.Viele Bauten von damals sind heute übrigens noch erhalten, können besichtigt werden und sind absolut sehenswert.Gill Thompson beschreibt die Jerseyaner als stolze, aufrechte Menschen, die versuchen aus ihrer Situation das Beste zu machen und die sich nicht unterkriegen lassen wollen. Und sie erzählt dies sehr eindrucksvoll und empathisch, jedoch ohne den Krieg selbst allzu deutlich zu thematisieren.Damals haben die Jerseyaner die Deutschen gehasst, heute ist man ein willkommener und gern gesehener Gast."Nice to meet you" oder "Enjoy your time" kommt auf Jersey wirklich von Herzen.Für die "Die Leuchtturm-Schwestern" gebe ich gerne eine Leseempfehlung ab, genauso wie eine Reiseempfehlung nach Jersey!
And I was never sure whether you were the Lighthouse or the storm.Über diese Zeilen, deren Verfasser mir unbekannt ist, bin ich vor einiger Zeit gestolpert und sie haben sich so in mein Herz gebrannt. dass ich immer, wenn ich in irgendeiner Weise auf einen Leuchtturm stoße, an sie denken muss.So erging es mir nun auch bei Gill Thompsons Roman "Die Leuchtturmschwestern".Deren Leben auf Jersey gerät während der Besetzung der Kanalinseln 1940 aus dem Ruder. Während Jenny im Widerstand gegen die deutschen Besatzer aktiv wird, verliert ihre Schwester Alice bei ihrer Arbeit im Krankenhaus ihr Herz an den deutschen Arzt Stefan.Die beiden Schwestern, ihre Mutter und Jennys bester Freund Pip verstecken Alice` jüdische Arbeitskollegin, während Alice, da sie in England geboren wurde, in ein deutsches Lager deportiert wird und dort ihre Schwangerscharft feststellt...Der Leser folgt den beiden Schwestern durch ihre Geschichte, die harmonisch startet und nach dem Beginn der Besatzung durch den tragischen Tod des Vaters und der Erkrankung des kleinen Bruders schnell an Fahrt aufnimmt. Nun könnte man befürchten, dass es sich hier um einen weiteren Roman handelt, der eine Liebesgeschichte in die Wirren des Zweiten Weltkriegs einpflegt. Die Liebe dient den beiden Frauen als Motor, jedoch steht sie nicht im Vordergrund. Jennys Gefühle für Pip sind zunächst platonisch und Alice wird von Stefan brutal getrennt.Wirklich ergreifend sind die Erfahrungen, die beide Schwestern in diesen bewegenden Jahren machen müssen. Ihr Mut hat mich tief berührt, zeigt er doch die Menschlichkeit. Dieses Thema steht für mich generell im Fokus des Romans. Ein deutscher Arzt, der dem autistischen, schwer erkrankten Bruder der Mädchen hilft. Alice, die sich in diesen Arzt verliebt und dabei den Hass ihrer Mitmenschen riskiert. Jenny und Pip, die für den Widerstand ihr Leben aufs Spiel setzen und nicht zuletzt auch die verbissen gezeichnete Mutter der beiden, die beim Verstecken der jüdischen Krankenschwester hilft.Der Roman liest sich flüssig, die Sprache ist klar, wenig poetisch und damit den unmenschlichen Erfahrungen der Protagonisten angepasst. Das Ende habe ich tatsächlich so nicht erwartet, auch hier siegt zum Teil der Realismus über eine Romantisierung der Ereignisse.Besonders gefallen hat mir die Darstellung der Handlungsorte. Ich konnte die maritime Umgebung Jerseys spüren, mich in das Leben der Inselbewohner einfühlen. Ich stelle es mir unfassbar schwierig vor, die Bedingungen und Leiden der deutschen (Konzentrations-) Lager darzustellen. In diesem Roman geschieht dies über die Gefühle der Insassen, weniger durch exakte Beschreibungen. Dies gelingt sehr gut, die Beklemmung und permanente Bedrohung, die Angst um das eigene Leben wird deutlich spürbar gemacht.Ich empfehle diesen Roman Lesern historischer Romane, die im Zweiten Weltkrieg angesiedelt sind. Der Roman war gut, für mich kein Lesehighlight, aber definitiv ein Titel, dessen Ende ich unbedingt erfahren wollte.