Baudrillards (1929-2007) These basiert auf seinem Konzept der Hyperrealität, weiter entwickelt er den Begriff der "Integralen Realität": "Als integrale Realität bezeichne ich die auf die Welt zielende Durchführung eines grenzenlosen operationalen Projekts: alles soll real, alles soll sichtbar und transparent werden, alles soll "befreit" werden, alles soll Erfüllung finden und einen Sinn haben. Es soll nichts mehr geben, von dem sich nichts sagen ließe." Exkurs: Über das, worüber man nicht sagen kann, soll man bekanntlich schweigen, sagt Wittgenstein.Weiter führt er aus, dass gerade diese integrale Realität einen Verlust an Wirklichkeit bedeute. Folgt man Baudrillard, verhält es sich also so, dass die Realität alles andere als treu ist, und wir alle andauernd mehrere Leben führen, die allesamt nichts sind als Hobby. Baudrillard: "Dadurch, durch das Ausräumen sämtlicher Hindernisse zwischen dem Bild und dem Blick, gelangt man zur Buchstäblichkeit, zur materiellen Imagination der Welt".Interessant, wenn man Baudrillant vergleicht mit zwei Werken, einmal Walter Benjamin, der dieser Imagination nicht mehr die Aura der Ursprünglichkeit zusprechen würde und letztendlich der Idee, dass die Welt ein Traum ist. Ein Traum im Leben der Informationsgesellschaft, wie Rafael Capurro es sieht.Aus dieser Sicht ist die Trias Virtualität, Illusion und Wirklichkeit zu trennen, zumindest in ihrer Gegenüberstellung zu betrachten. Wie die Welt zum Schein wird, lässt sich mit Nietzsche fragen. Deutet man diese Trias im Sinne der Abschwächung, wird Virtualität zum stärkstes Modus des Seins, die Wirklichkeit zum Schwächsten und einzig die Illusion vermag die Welten zu verbinden. Glaubten wir mit Benjamin noch daran, dass die Bilder reine Abbilder der Wirklichkeit sind und keine Aura der Ursprünglichkeit ausstrahlen, müssen wir im digitalen Zeitalter uns auf eine andere Position begeben. Der Kampf des Realen gegen die Abbildung ist verloren, Sein ist nicht mehr Dasein, esse est computari könnte man in Abwandlung von Berkeleys Wort sagen und damit wird Sein zur informationstechnischen Berechenbarkeit, damit wird die Virtualität zum Maßstab des Seins.Diese virtuelle Welt ist entbunden von Zeit und Raum, die Geschwindigkeit über Kabel ist Licht, die Gegenwart ist All-Gegenwart, die Materie wird Metaphysik, die Welt ist Schein und doch ist die Scheinwelt voll von Kriegen, Überbevölkerung und Hunger. Die Gnosis kehrt zurück, Geist vs. Materie, Reinheit vs. Unreinheit und die mystische Glanz des Cyberspace korrespondiert mit der Apokalypse der wirklichen Welt. Technische Speicherung und vernetzte Unsterblichkeit ist vom Bewusstsein eines sterblichen Leibes entkoppelt. Allgegenwart, Ewigkeit (Zeitlosigkeit) sind Merkmale einer ewigen Stadt auf Erden mit theologischen Grundzügen. Die Welt wird damit technisch zum Schein, der theologische Gesichtspunkt bleibt. Ist die Welt ein Traum? Kant würde sagen, sie kommt in ihrer Ganzheit niemals zur Anschauung.Baudrillard hält das Realitätsprinzip im Zuge einer Totalisierung der Welt durch die Guten im Verschwinden begriffen. An dessen Stelle tritt eben eine Virtualität, eine integrale Realität, die scheinbar vollkommen, kontrollierbar und ohne Widerspruch ist. Doch bringt diese fatale Logik des Grenzenüberschreitens zugleich das verdrängte Andere hervor: das Übermaß an Gesundheit den Virus, das Übermaß an Sicherheit neue Bedrohungen et cetera. Hierin liegt die Intelligenz des Bösen, die bösartige Umkehrung der Struktur gegen sich selbst.