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Ein sehr behutsames Buch. Es bricht mit den heute verbreiteten Bildern einer rein sexualisierten Liebe. Es befreit auch von dem Zwang, dass alles immer gelingen muss. Es malt das Bild einer zarten, einfühlsamen Beziehung, die den anderen schätzt, achtet und ihn in seiner Eigenart und seinem Glauben selbstlos fördert, statt ihn zurechtbiegen zu wollen.Auch werden sich in diesem Buch Menschen wiederfinden, die unter einer strengen, misstrauischen, kontrollierenden und einengenden christlichen Gemeindefrömmigkeit leiden. Da versucht ein junger Mann, der nicht glaubt, den Glauben für seine Freundin wiederzufinden. Und das tut er, obwohl die christliche Gemeinde sich in die Beziehung einmischt und sie missbilligt. Trotzdem wird Gemeinde nicht miesgemacht. Sie bleibt der Ort, an dem und durch den die Freundin zu dieser inneren Schönheit geworden ist, die der junge Mann in ihr sieht. Glaube kann schwinden oder pausieren, muss aber nicht aufhören.Überhaupt ist es befreiend, wie Titus Müller alle die vielen Fragen, die Menschen heute an Gott stellen, zulässt - auch harsche Kritik. Und er deutet Antworten an, die eine neue Denkrichtung aufzeigen. Alles in allem eine Erzählung, die Klischees vermeidet. Mit viel Tiefgang macht sie Mut, zu glauben und zu lieben.
Stefan begegnet Lenya in der Bibliothek – bei ihm ist es Liebe auf den ersten Blick. Der Atheist und die Christin werden ein Paar, obwohl es ihnen nicht leicht gemacht wird, denn Lenyas Umfeld glaubt nicht an eine Zukunft für die beiden. Als Lenya in eine tiefe Krise stürzt, beschließt Stefan, für sie die Schönheit des Glaubens wiederzufinden.Titus Müller studierte Literatur, Mittelalterliche Geschichte, Publizistik und Kommunikationswissenschaften. Er gründete die Literaturzeitschrift „Federwelt“ , ist Mitglied des PEN-Clubs und hat diverse Auszeichnungen erhalten.Das Cover mit der jungen Frau im roten Mantel vor dem schneebedeckten Wald zog mich sofort an. Ich habe von Titus Müller bereits einige Titel mit Begeisterung gelesen. Mit seiner neuen Erzählung hat er es mir nicht so leicht gemacht.Titus Müller lässt überwiegend Stefan die Geschichte erzählen, Lenyas Perspektive erfahren wir zumeist aus den Dialogen, bevor sie selbst auch zu Wort kommt. Vieles bleibt ungesagt und unerzählt. Dem Leser/der Leserin bleibt viel Spielraum für die eigene Fantasie und eigene Gedanken. Ich hätte schon gern an der einen oder anderen Stelle etwas mehr erfahren.In dieser 154 Seiten langen Erzählung sind so viele schöne Gedanken und Überlegungen enthalten, insbesondere die, die sich Stefan über Gott macht.Fazit: berührend und gehaltvoll
Eine Christin, die mit ihrem Glauben hadert und ein Atheist auf der Suche nach der Schönheit des Glaubens – diese Kombi hatte sofort meine Aufmerksamkeit! Ich erwartete eine außergewöhnliche und hintergründige Geschichte – diesen (zugegebenermaßen hohen) Anspruch konnte das 128seitige Büchlein jedoch nicht erfüllen.Der erste Teil wird ausschließlich aus Sicht von Stefan erzählt. „Ich war zu einem weichen Bleistift gewechselt und gab den Schwanzfedern mit dicken Strichen die charakteristische Färbung, als ich aufblickte und du an mir vorübergingst. Du hattest die helle Latzhose an, und deine schmalen Hände hielten einen Bücherstapel, den du zur Ausleihe brachtest – Romane, und zwar gewichtige. Als du bei der Ausleihe ankamst, legtest du die Bücher ab und strichst dir das Haar hinter das Ohr. Ich habe nie etwas Schöneres gesehen als dich an diesem Tag“ (S. 8) – und zack, ist der junge Mann hin und weg. Stefan und die Schöne treffen sich „zufällig“ wieder. Sie sprechen miteinander. Sie heißt Lenja. Und zack, Liebe. Tataaa. Zögerlich zwar, aber… Emotionen? Irgendein Wesenszug an Lenja, der ihn fasziniert? Irgendwelche Gemeinsamkeiten, die verbinden? Davon kommt leider nichts rüber. Er mag ihren roten Mantel. Aha. Lenja selber kommt nicht zu Wort, ihr Charakter bleibt nebulös, die Anziehung zwischen den beiden Protagonisten erschließt sich mir nicht.Erst im kürzeren zweiten und dritten Teil tauchen verschiedene Perspektiven auf.Trotzdem hat man bei der Lektüre durchwegs das Gefühl, dass zu wenig Greifbares passiert, dass etwas fehlt. Dabei bin ich es durchaus gewohnt, anspruchsvolle Literatur zu konsumieren, die ihre Aussagen zwischen den Zeilen versteckt.Hier jedoch bleiben erhebliche Lücken in den Entwicklungen der Personen. Vor allem Lenjas Glaubenskrise wird nicht näher konkretisiert, aber auch der Meinungsumschwung der Eltern und anderes mehr.DOCH, ja, doch, es gibt durchaus schöne Passagen in diesem Büchlein. „Ich trete wieder nach draußen. Sehe hinüber zum Meer, dieser endlosen tiefblauen Weite. Die Sonne verschmilzt mit dem Horizont. Es gibt etwas, das größer ist als wir. Ich spüre es in den Bergen, spüre es in meiner Sehnsucht nach Liebe.“ (S. 78) Titus Müller schreibt gewohnt bildhaft, eloquent, kurzum: ansprechend. Er wagt es, heikle Themen anzusprechen, die allerdings schnell wieder in Postkartenaussichten und Schneewehen versinken – was ich, die ich dieses Werk ja gerade wegen solcher Fragen lesen wollte, um mich gedanklich herausfordern zu lassen, schade fand.„Deine Spuren im Schnee“ ist eine nette Lektüre für einen kuschligen Adventsnachmittag, stimmungsvoll und mit Happy-End-Garantie, aber vielleicht ist gerade die Mischung zwischen tiefgründig-ernsten Fragen und weihnachtlicher Wohlfühllektüre eine, die nicht so richtig funktionieren will.
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Letzte Aktualisierung: 26.09.2026 18:09 Uhr.