Über Bücher von Brandon Q. Morris muss erst etwas generelles gesagt werden: Die Geschichten sind lesenswert und intelligent geschrieben. Selten kommen Längen im Erzählfuss auf und (fast) alles hat Hand und Fuß. Aber. Morris hat ein Grundrezept mit wenigen Zutaten aus dem alle Plots entstehen. Ein oder zwei Menschen, die ausgerüstet mit einem guten Vorrat an Erwachsenenwindeln in einem Raumschiff in die unendlichen Weiten des Universums reisen, stets und unweigerlich begleitet und geführt von einer allwissenden Maschinenintelligenz (KI) deren Namen variieren - aber egal ob die KI nun Watson, Butler oder Marchenko heißt - stets bestimmt die Maschine wo es lang geht. Der Mensch ist mittendrin, aber doch nur dabei. Leider gibt es wenige Ausnahmen vom Einheitsrezept - trotzdem sind die Bücher von Brandon Q. Morris durchaus unterhaltsam.
Alle Teile sind aufregend, die Phantasie anregend, spannend bis zum letzten Buchstaben, man leidet förmlich mit den Protagonisten mit!
An diesem Buch, das auf der Proxima-Trilogie aufbaut, liest man etwa 3,5 bis 4 Stunden. Ich habe mich darauf gefreut, lieb gewonnene Figuren weiter zu begleiten. Eva und Adam sind nun 22 oder 23 Jahre alt. Erinnerungsstützen sind eingebaut, sodass ich gut anknüpfen konnte.Es ist solide, bietet leichte Lesbarkeit und kurzweilige Unterhaltung, aber nichts Besonderes. Die Handlung ist nicht schlecht, aber ich finde, Autor und Lektorat hätten mehr an Details feilen sollen. Da war kein Moment, wo mein Puls mal schneller ging, wo ich mitgebangt hätte, selbst wenn eigentlich Dramatisches passierte. In fester Annahme, dass es für die Protagonisten gut ausgeht, habe ich das Geschehen interessiert verfolgt, fühlte mich aber gefühlsmäßig nicht involviert. Es gibt langatmige Szenen. Einzelne Schritte und Handgriffe. Demgegenüber wird z. B. eine Konfrontation, die es unweigerlich geben muss, nicht ausgeführt. Wenn Ernst angebracht wäre, findet manchmal Klamauk statt. Es fehlt charakterliche Tiefe.Auch der sprachliche Ausdruck ist fragwürdig. Unkonsequent sind Vergleiche, z. B. zur Alarmsirene eines Schiffes, die in den Weltenbau nicht hineinpassen, besonders wenn man sich im Bewusstseinshorizont eines Grosnopfes, von Eva oder Adam bewegt. Die These, dass X für Y sein Leben geben würde, bemüht der Autor zu oft und es wirkt hier aufgesetzt.Der Kenntniszuwachs ist gering, selbst für Laien wie mich.Wie so oft bei Brandon Q. Morris, ist das Ende kurz und knapp. Aber es gibt immerhin ein zufriedenstellendes Ende. Dieses befindet sich bei 78 %. Es folgen ein Nachwort, Werbung für seine anderen Bücher (5 % !), ein lesenswerter wissenschaftlicher Anhang zum Leben und Tod der Sterne (5 %) und eine Leseprobe (11 % !). So sehr es einem unabhängigen Autor auch gegönnt sei, durch aufgeblähte Seitenzahlen mehr zu verdienen, sind für mich die Grenzen guten Geschmacks hier überstiegen.