InhaltDer Roman spielt auf zwei Zeitebenen, 1939 und 2009.1939 Am Vorabend des Zweiten Weltkriegs wartet die sechzehnjährige Maddy auf dem heimischen Gut Summerhill auf die Rückkehr ihrer älteren Schwester Georgiana von einer längeren Europareise. Maddy hat keine Eltern mehr – ihr Vater ist vor einigen Jahren bei einem Klippensturz ums Leben gekommen – und sie ist emotional sehr von ihrer Schwester abhängig. Mit Missfallen registriert sie, dass Georgiana einige leichtlebige, oberflächliche Freunde mitbringt, darunter Victor, der offenbar Georgianas Liebhaber ist. Victor ist charmant, doch Maddy misstraut ihm schon bald. Ist das Misstrauen gerechtfertigt oder nur Folge ihrer Eifersucht?2009 Auch Chloe hat ihre Eltern verloren, sie hat aber noch ihren jüngeren Bruder Danny, der an einer unheilbaren degenerativen Muskelerkrankung leidet und für den sie sich verantwortlich fühlt. Chloe hat außerdem einen Ehemann, den Arzt Aidan, doch mit ihrer Ehe steht es nicht zum Besten. Aidan ist manipulativ und kontrollsüchtig, er will Chloe von der Umwelt isolieren und sie nur für sich allein haben. Erst allmählich gesteht Chloe sich ein, dass sie in der erstickenden Umklammerung ihres Mannes nicht mehr leben kann.Maddy und Chloe treffen zusammen, als Chloe, vor ihrer Heirat eine talentierte Fotografin, gebeten wird, Porträtfotos von Maddy für deren angekündigtes neues Kinderbuch zu machen.BeurteilungDer Roman beschäftigt sich mit dem Thema „Liebe“ in verschiedenen Variationen, jedoch völlig ohne sentimentale Liebesgeschichte. Vielmehr geht es zum Einen um die beschützende Liebe älterer gegenüber jüngeren, verletzlichen Geschwistern, zum Anderen um klammernde, einengende Liebe, bei der Einer versucht, die Grenzen zwischen sich und dem Anderen aufzulösen, sodass der Eingeengte förmlich darum kämpfen muss, sich seine eigenständige Persönlichkeit zu erhalten.Trotz der sieben Jahrzehnte, die zwischen den Geschichten Maddys und Chloes liegen, gibt es deutliche Parallelen bezüglich ihrer Lebenssituationen. Die Perspektiven und Zeitebenen werden in unregelmäßigen Abständen gewechselt, im Handlungsstrang von 1939 tritt Maddy als Ich-Erzählerin auf, die Handlung in der Gegenwart ist als Erzählung in der dritten Person aus Chloes Perspektive gehalten. Der Roman ist von Anfang an in seinem anschaulichen Sprachstil fesselnd, zum Schluss hin wird er mit Cliffhangern an den Kapitelenden geradezu unglaublich spannend wie ein Psychothriller.In die Persönlichkeiten und Situation der Protagonistinnen kann man sich gut hineinversetzen, die Handlung ist weitestgehend glaubwürdig.Die Zielgruppe dieses Romans dürfte eher die weibliche Leserschaft sein, es handelt sich jedoch um keinen "typischen Frauenroman" mit klischeehafter Liebesgeschichte!FazitEin fesselnder Roman, der nicht nur spannende Unterhaltung, sondern durchaus auch Anlass zum Überdenken von Beziehungen bietet!
Der Roman „Das Leuchten eines Sommers“ von Nikola Scott spielt auf zwei Zeitebenen. Chloe MacAllister, die in der Gegenwart in London lebt, ist die Protagonistin eines der beiden Erzählstränge. Sie ist Fotografin und verheiratet. Gerade erst hat sie festgestellt, dass sie schwanger ist, als sie den Auftrag erhält, Madeline Hamilton für ein Foto ins rechte Licht zu setzen. Aber ihr Mann hat sich von ihr gewünscht, dass sie ihm ein gemütliches Heim bereitet und von weiterer Arbeit absieht. Gewissensbisse kämpfen mit Chloes Selbstwertgefühl aufgrund dieses Arrangements.Madeline, genannt Maddy, ist die Autorin eines bekannten Kinderbuchs, das auch Chloe und ihren Bruder in ihrer Kindheit begeistert hat. Mit Maddy beginnt der Roman und an ihrer Seite begab ich mich 70 Jahre zurück in die Vergangenheit bis ins Jahr 1939 auf das Anwesen Summerhill, das an der kornischen Küste gelegen ist. Kurz vor Kriegsbeginn kehrt ihre 21-jährige Schwester Georgiana, von Maddy Georgie gerufen, von einem längeren Auslandsaufenthalt äußerlich verändert nach Hause zurück. Für Maddy war ihre sechs Jahre ältere Schwester fast wie eine Mutter und nach dem tödlichen Unfall des Vaters wurde ihr Verhältnis zueinander noch enger. Georgie hat einige neue Freunde aus London mit nach Summerhill gebracht, darunter Victor, in den sie verliebt ist. Obwohl Maddy sich zunächst über die Verbindung freut, ahnt sie aufgrund der folgenden Ereignisse, dass Victor ein Geheimnis verbirgt.Der Roman beginnt eher ruhig. So konnte ich beide Frauen in ihrer jeweiligen Zeit in ihrem Umfeld besser kennenlernen. Nicht nur der aufziehende Krieg liegt belastend in der Luft, sondern auch etwas zunächst nicht Greifbares, das sich im Gemüt von Maddy widerspiegelt. Georgie bringt im Gegensatz dazu pure Lebensfreude nach Summerhill. Maddy erscheint in der neuen Situation eher als Störfaktor, doch ihre Feinfühligkeit und ihr Mitgefühl erweisen sich letztlich als wegweisend.Chloe stammt aus einer Handwerkerfamilie, ihr Ehemann ist Arzt und hat ein hohes Einkommen. Von vielen wird sie um die Dinge beneidet, die sie sich leisten kann. Auch bei der Beschreibung von Chloe lag von Anfang an etwas in der Luft, dass nicht in Einklang stand mit ihrem angepassten Leben, eine gewisse Furcht vor den Dingen, die die Zukunft mit sich bringen wird. Mehr und mehr zeigte sich jedoch die Stärke der beiden Protagonistinnen. Das Schicksal der beiden Frauen ist verbunden mit jeweils einem Mann, dessen Fassade erst im Laufe der Zeit zu bröckeln beginnt und bis dahin für viele bewegende, oft überraschende Momente sorgt.Nikola Scott lässt Maddy in der Ich-Form erzählen, so dass ich mich mit ihren Gefühlen noch besser verbinden und ihre Empfindungen noch stärker nachvollziehen konnte, was wichtig war, gerade in einer längst vergangenen Zeit deren gesellschaftliche Konventionen sich von unseren heutigen stark unterscheiden. Sowohl Maddy wie auch Chloe sind Sympathieträger und daher hoffte ich für beide auf einen versöhnlichen Schluss. Der Autorin gelingt eine sehr gute Charakterisierung und Weiterentwicklung ihrer Figuren.Das erste Buch der Autorin „Zeit der Schwalben“ hat mir schon sehr gut gefallen, der vorliegende Roman ist nach meiner Meinung sogar noch besser. Nikola Scott fesselte mich als Leserin an ihre Geschichte durch unerwartete Wendungen und aufzudeckende Geheimnisse. Sie zeigt, dass Liebe viele Wege gehen kann und sich nicht immer nur positiv äußert. „Das Leuchten eines Sommers“ ist verständnisvoll geschrieben und berührend durch zwei fiktiven Frauenschicksalen auf unterschiedlichen Zeitebenen. Sehr gerne empfehle ich den Roman uneingeschränkt weiter.
I loved this book, having read “My Mother’s shadow” I was pleased to see that Nikola had written a second novel. This book is a perfect escape from our coronavirus world.