Endlich entziffert jemand den Code, der die Kultur von erfolgreichen Teams und Organisationen ausmacht. „Die Geheimnisse von sehr erfolgreichen Gruppen“ - selbst Belletristik-Bestseller könnten kaum reißerischer klingen.Aber Vorsicht vor zu schnellen Urteilen: Der Bestsellerautor Coyle („Talent Code“, „The little book of talent“) hat mit dem 2018 erschienen Buch “Culture Code” einen neuen Coup gelandet. Unzählige Bücher wurden schon über das Thema geschrieben, was Teams erfolgreich macht. In der Psychologie- und Managementforschung gibt es eine lange Tradition dazu - man durfte also gespannt sein, was dieses Buch an neuen Inhalten ans Tageslicht zu bringen vermag.Um es vorwegzunehmen: Es ist spannend zu lesen, basiert auf wissenschaftlichen Erkenntnissen und gibt konkrete Umsetzungsideen für die Praxis. Mehr kann man kaum erwarten.Wie ist das Buch aufgebaut?Coyle hat sehr erfolgreiche Gruppen (Teams, Organisationen) wie den Online-Händler Zappos, den US-Basketballclub San Antonio Spurs, den Filmhersteller Pixar oder auch das U.S. Navy SEAL Team Six auf ihre Erfolgsfaktoren untersucht. Das ist nicht wirklich neu. Zumindest teilweise neu sind jedoch die Erkenntnisse, die diese Teams laut den Untersuchungen von Coyle (auch mit Bezug auf wissenschaftliche Untersuchungen anderer) erfolgreich machen: Sicherheit, Verwundbarkeit und Sinn.Sinn ist nicht weiter verwunderlich - denkt man nur an die aktuell besonders gehypten Arbeiten von Laloux, um nur ein Beispiel zu nennen (Ursprünge finden sich schon bei Viktor Frankl’ s Logotherapie).Auch Sicherheit ist in der Philosophie, Psychologie und den Neurowissenschaften ein seit langem bekanntes Phänomen (Spranger, Maslow, Herzberg, Hüther et al.), das aufgrund der Arbeiten von David Rock (SCARF-Modell) ebenfalls in den Populärwissenschaften wieder neue Bekanntheitsgrade in den letzten Jahren erlangt hat.Verwundbarkeit bzw. Vulnerabilität ist sicherlich von den drei herausgestellten Erfolgsfaktoren derjenige, der am wenigsten erwartet wurde. Vor allem in Anbetracht seiner Wirkung, gilt Verwundbarkeit hier als eine der drei Faktoren für außergewöhnlich erfolgreiche Teams. Verwundbarkeit kennt man bisher zwar aus der Führungsforschung i. S. „eigene Schwächen zugeben können“, aber sicherlich nicht versehen mit dem hier expliziertem Erfolgshebel.Was macht das Buch dennoch besonders empfehlenswert?Wenngleich Sinn und Sicherheit als erfolgsversprechende Dimensionen für die Zusammenarbeit schon lange bekannt sind, so bringt Coyle neue Aspekte in die Diskussion. Mit zahlreichen, sehr konkreten Beispielen aus Interviews und Beobachtungen werden detaillierte Verhaltensweisen deutlich, wie bspw. ein Gregg Popovich (Coach der San Antonio Spurs) oder Tony Hsieh (CEO von Zappos) ihre Teams zu geradezu „unmöglichen“ Erfolgen führen, indem sie einen Teamspirit generieren, der einzigartig ist. Das Sympathische an diesen Menschen: sie sind keineswegs göttergleich, sondern eher bescheiden in ihrem Auftreten, ja, fast unauffällig, so dass genaues Beobachten erforderlich ist, um herauszufinden, was denn nun das Besondere an ihnen sei.„The Culture Code“ bietet darüberhinaus in jedem seiner drei Kapitel („Build safety“, „share vulnerability“ und „establish purpose“) auf ca. 250 Seiten erklärende „how to“ - Ansätze mit entsprechenden Empfehlungen für die Umsetzung in den Praxisalltag. Dabei gerät Coyle dankenswerter Weise nicht in die Falle, schnell wirksame Rezepte anbieten zu wollen, sondern weist darauf hin, dass Techniken ohne Haltung nur oberflächliche Techniken bleiben, die bei fehlender Haltung ihre Wirksamkeit verlieren oder gar kontraproduktiv werden können.Fazit: Lesenswerte Lektüre für alle, die sich theoretisch und praktisch mit der Zusammenarbeit und Führung von Menschen beschäftigen.