Für jemanden zu leben ist schwerer, als für jemanden zu sterben, das ist die Grundessenz der Geschichte. Damit bringt Sartre die vielen gescheiterten Beziehungen auf einen gemeinsammen Nenner. Die Liebe der beiden Protagonisten mag stark genug sein, den Tod zu überwinden, aber ist nicht stark genug das alte Leben für den anderen aufzugeben.Bestimmt keine Kost für jugendliche Schüler, die Französisch lernen, aber das ist Sartre an sich nicht, sondern eher für jemanden, der über das offensichtliche hinaus schauen kann.
Die Geschichte handelt von zwei Personen: Dem Revolutionisten und Verschwörer Pierre und der reichen und schönen Eve. Die beiden erleiden einen unterschiedlichen Tod und müssen auf ein unabgeschlossenes Leben zurückblicken: Pierre starb kurz bevor er die Regierung stürzen konnte und sein Lebenswerk, die Revolution gegen die Haute Bourgeoisie, vollenden konnte. Eve hatte keine Zeit mehr ihre kleine Schwester vor André, Eves ex-geliebten zu warnen. Beiden Protagonisten ist also die Ohnmacht zu teil, etwas für sie persönlich sehr wichtiges nicht mehr abschliessen zu können. Nach dem Tod leben die Menschen in Sartres Stück als "Schatten" in der normalen Welt weiter: Sie können alles mitansehen, aber nicht eingreifen, sie werden von den Lebenden nicht gesehen und nicht gehört, wandeln aber unter ihnen. Es ist klar, dass beide mit dieser Ohnmacht kämpfen und beinahe an Ihr zu Grunde gehen. Wie durch Zufall begegnen sich Eve und Pierre und verlieben sich ineinander. Was im Leben nicht möglich gewesen wäre, tritt im Leben nach dem Tod ein, denn hier existieren die Klassen der Gesellschaft nicht mehr. Eve, angehörige der Oberschicht hätte sich niemals im Leben mit Pierre, dem Arbeiter, abgegeben, genauso umgekehrt: So verliebt sich Pierre in Eve, die für alles steht gegen was er sein Leben lang gekämpft hat.Und dann tritt für beide die letzte Prüfung an: Gemeinsam erhalten sie die Möglichkeit ins Leben zurückzukehren. Doch eine Bedingung wird ihnen gestellt: Sie dürfen nur für sich da sein, sie müssen aus der Stadt verschwinden und ein Leben zu zweit führen, ohne an das frühere Leben anzuknüpfen.Werden sie es schaffen, oder ist die Versuchung das unvollendete abzuschliessen zu gross?Dieses Werk spiegelt Sartres Grundüberzeugungen wieder, er selbst war ja aus reichem Haus, hatte aber immer gegen die Bourgeoisie gekämpft. In diesem Buch wird es deutlich, nach dem Tod zeigt Sartre ein Leben in dem der soziale Stand keine Rolle spielt, denn alle Leiden unter derselben Handlungsunfähigkeit. Die einzige Chance das "Paradies" (das Leben) zu erreichen ist, ins Leben zurückzukehren und der sozialen Differenzierung abzuschwören, wie es Eve und Pierre versuchen.Das Buch ist gut verständlich geschrieben, die Geschichte ist enorm spannend und eine Lektüre höchst empfehlenswert. Das Buch gibt es auch auf Deutsch.