Tolles Buch - immer wieder überraschende Wendungen.Sprachlich interessant, nicht so platt. Auch die jugendlichen Charakteresind sehr gut getroffen. Bin gespannt auf das Folgebuch, liegt schonauf dem Nachttisch.....
Wer auf Familiensagas steht, der findet sicher Gefallen an diesem Roman und den nachfolgenden zwei, die zu dieser Trilogie gehören. Da geht es um unterschiedliche Frauen-Generationen, das Lebensgefühl zwischen Paris, London und New York. Auch die Sprache ist verspielt, ohne verschnörkelt zu wirken. Die Geschichten sind spannend, es sind eher moderne Märchen für Erwachsene, aber der besondere Fingerabdruck der Autorin macht den etwas realitätsfernen Blick der Hauptperson wieder wett.
Ein sich in langsamem Tempo entfaltender Entwicklungsroman, in dessen Zentrum Josephine steht, zu Beginn trotz ihrer historischen Expertise eine verschüchterte Hausfrau und Mutter, Typ "graue Maus". Mit dem Rausschmiss ihres arbeitslosen, Trost in einer Affäre suchenden Mannes Antoine, beginnt für Josephine ein neuer Lebensabschnitt. Sie muss sich durchbeißen, um sich und ihre zwei Töchter zu ernähren. Als Ghostwriterin ihrer Schwester Iris beginnt sie einen historischen Roman zu verfassen und findet schließlich über Umwege und Intrigen zu Selbstbewusstsein, neuer Liebe und ihrer schriftstellerischen Berufung. Parallel scheitert ihr Ex-Mann Antoine an der Unfähigkeit, aus seinen Grandiositätsphantasien auf den Boden zu gelangen - und ganz praktisch an seinem Projekt einer Krokodilsfarm in Afrika.Um Josephine schlingt sich ein komplizierter Reigen weiterer Figuren und deren Lebens- und Liebeswege: ihre schöne, eitle und unausgefüllte Schwester Iris, deren Mann, der gutmütige Workaholic Philippe; der Stiefvater und Firmenboss Marcel (genannt "Chef") mit seiner garstigen Ehefrau und geliebten pummeligen Sekretärin Josiane; Josephines beste Freundin Shirley mit ihrem Sohn und einem düsteren Geheimnis, die "asoziale" Nachbarin Christine, und Josephines eigene Töchter, die kindlich-anschmiegsame Zoe und die pubertäre, eitle und herablassende Hortense.Im Verlauf der ersten hundert Seiten war ich mehrfach versucht, das Buch wegzulegen. Der Sinn des Ganzen wurde mir nicht recht klar: es passiert eigentlich wenig mehr, als dass diverse Personen mit ihren jeweiligen Affären vorgestellt werden, keine von ihnen wirklich ein Sympathieträger, alle mehr oder weniger mit Luxusproblemen behaftet, mit Ausnahme von Josephine, die ich ob ihrer Duldsamkeit und Unterwürfigkeit ab und an packen und schütteln mochte. Die Personendarstellung changiert zwischen Ironie und Ernst, mir wurde nicht wirklich deutlich, ob sich die Autorin eher über ihr Personal lustig macht (das ist mir nicht prägnant genug) oder Identifikation verlangt (das war mir nicht möglich).Ab dem zweiten Teil nimmt der Roman nach und nach mehr Fahrt auf. Man beginnt, die Entwicklung von Josephine und die sie teils treibenden, teils von ihr getriebenen Bewegungen der anderen Figuren, ihre Intrigen und Geheimnisse mit Spannung zu verfolgen und sich zu fragen, wohin das wohl führen mag. Die Familienverwicklungen zwischen Josephine und Iris sind psychologisch raffiniert, in "Chef" und Josiane entdeckt man langsam weitere Sympathieträger, mit denen man auch mal mitfiebert. Die Entwicklungen sind, wie im richtigen Leben, nicht geradlinig, sondern verschlungen und voller Rückschläge, was allerdings öfters auch Längen und Redundanz bewirkt. Am Ende ein durchaus stimmiges Porträt einer Emanzipation. Allerdings muss man eine gewisse Empathie für die Nöte der Schönen und Reichen mitbringen. Und manches finstere Geheimnis (das ich zwecks Spannungserhalt nicht verraten werde) war dann doch zu dick aufgetragen und zugleich für den Handlungsverlauf unnötig. So gleitet der Plot etwa bei den Komplikationen, die die Freundin Shirley oder den neuen Geliebten Luca betreffen, stellenweise auf Groschenromanniveau ab (oder sollte auch das Ironie gewesen sein?). Und bei aller sonstigen Plausibilität: Unverständlich bleibt Josephines weiterhin demütiges Buhlen um ihre zickige Tochter Hortense, von der sie nur Verachtung erfährt. Absolut entsetzlich fand ich die Schlussszene, in der Hortense einen Fernsehauftritt hinlegt, mit dem sie ihre Mutter - nun ja, für die meisten neutralen Beobachter vermutlich öffentlich bloßstellt und erniedrigt. Nach Josephines Meinung (und offenbar auch nach derjenigen der Autorin) beweist sie hingegen doch noch auf verquere Weise ihre Liebe, rührt ihre Mutter zu Tränen und legt den Grundstein für eine neue Annäherung.Fazit: Frauenzeitschrift trifft Literatur; das gebiert stellenweise psychologische Spannung, aber ganz ausgegoren ist die Mischung noch nicht.