Jeder von uns kann irgendwie nicht Schwimmen. Ein wundervoll kindlich naives und unvoreingenommenes Buch zum Thema Abschied nehmen, Flucht, Familie, Freunde, Schwimmenlernen und Herzlichkeit! Und Bamya!Mögen Sie Abschiede? Tim mag sie nicht. Sie sind schrecklich, machen Bauchweh und nehmen die Lust auf Pizza. Er mag gegen Monster gerüstet sein, aber nicht gegen Abschiede. Die Schweizer Autorin Melanie Gerber schreibt hier eine wundervolle kurze Geschichte zum Thema Freundschaft, Familie, Flucht und Ankommen in einem fremden Land und Schwimmen lernen. Das Buch ist für Kinder im Alter von 8- 12 Jahren, in der Flüchtlingsarbeit und in der Grundschule geeignet.Das Buch ist im Hardcover mit wunderbar zurückhaltenden und offenen Illustrationen von Karin Widmer herausgegeben. Es ist in zwölf kurz und einfach zu lesende Kapitel eingeteilt und in der Ich-Perspektive des 11-jährigen Tim geschrieben, der gern dem Leser Fragen stellt und mit ihm direkt spricht. Diese macht die Geschichte locker, unvoreingenommen, kindlich naiv und dadurch auch zum Schmunzeln als auch zum Nachdenken und damit so wertvoll!Tim mag Alia. „Aber sagt es nicht weiter, okay?“ Es steht auch nur in seinem Tagebuch, über das er nur nachdenkt, aber was er nicht schreibt. Tim denkt sehr viel nach und macht sich zu seinen Gedanken gern Listen und Aufzählungen.Er lebt mit seinen Eltern und Geschwistern in einem großen Haus mit zwei Wohnungen. Er lebt auf einer Straße mit vielen Bäumen, „Ahorn oder so. Die Blätter, die aussehen wie eine Hand, ihr wisst schon welche.“ Die obere vermieten seine Eltern. Da wohnte bislang Jonas, der jedoch auszieht und die Wohnung wird frei. Dann kommen die Ramis, eine Familie aus Mutter und drei Kindern, die aus Syrien geflohen ist. Sie sind eine Flüchtlingsfamilie, „so nennt man Familien, die aus ihrem Land weggehen mussten und zu Fuß und mit dem Schiff bis nach Europa gekommen sind. Manchmal auch mit dem Flugzeug, wie wenn man in die Ferien geht. Nur dass man danach nicht mehr nach Hause kommt. Das muss ganz schrecklich sein! Und die ganzen Spielsachen und Bücher kann man auch nicht mitnehmen.“ Abschiede mag Tim nicht. Die Ramis brauchen Zeit und ganz viel Ruhe. Krieg stellt sich Tim sehr dunkel vor. „Vielleicht weil es wegen der Bomben keinen Strom mehr gibt und deshalb alle Lichter aus sind. Wie können die Menschen dann kochen oder leben?“ Hat man da überhaupt Zeit zum Spielen?Tim hat noch seinen besten Freund, mit dem er in die Klasse geht, Vincenzo und dann ist da noch seine Schwester Noelie. Sie spielen gern, z.B. Stadtindianer, also die Indianer mit Fahrrädern und nicht Pferden. Und dann ist da noch sein Opa, da darf er Cola trinken und Eishockeyspiele mit ihm schauen. „Wir hatten alles was wir brauchten. Sogar eine Tüte Chips und zwei Flaschen Orangenlimonade.“Wie schon erwähnt Tim denkt über alles Mögliche nach. Wieso Noelie so viel jammert, wieso Jonas früher Geige gespielt hat und jetzt nicht mehr, wieso man jahrelang in einer Wohnung lebt und dann auszieht, wieso eine Familie aus Syrien ohne den Papa weggeht, wieso Alina nicht schwimmen kann? Manchmal bekommt er Angst vom Nachdenken und dann schreibt er Listen und zum Beispiel mögliche Gründe, wieso Alia nicht schwimmen kann oder Gründe, wieso es Streit gibt: Alle haben Hunger. Wie man Arbeit findet und wie man sie verliert.Er freundet sich mit Alia an und gemeinsam gehen sie Schwimmen. Tims Mutter ist Schwimmtrainerin. Alias Mama kocht mit seiner Bamya – Okraschoten. Und dann muss Vincenzo 2h weit wegziehen, da sein Vater eine neue Arbeit hat, weil er auf seiner alten „weggedingst“ wurde. Tim mag keine Abschiede.Kann er sich auf was Neues freuen? Neue Sachen sind doch weniger schön, als was man schon kennt. Besonders neue Orte und neue Freunde. Muss Tim Schwimmen lernen? Und Alia? Wie kann man Abschieden begegnen? Tim mag keine Abschiede.Was macht ein Zuhause zu einem Zuhause? Und wie muss es sich anfühlen das alles zu verlassen? Oder von einem Teil seines Lebens Abschied zu nehmen? Tim mag keine Abschiede.Allein im Jahr 2021 waren 84 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht, davon sind ca. 42% Kinder und Jugendliche gewesen! Hinter jeder Zahl steht ein einzelnes Schicksal eines Menschen: Kind oder Jugendlicher oder Erwachsener. Jeder mit seinen Träumen, Wünschen und Sehnsüchten.Danke Mel für diese wunderbare Geschichte, die so viel Kraft und Positives gibt! In einem Jahr schwimmen lernen!Ein Teil des Erlöses dieses Buches geht an die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi.#lesentutgutes5 mal Bamya für dieses so wertvolle und tiefsinnige leichte Buch! Achso das Bamya – also Hexenfinger-Rezept – ist auch mit drin! LESENs- und LEBENs-WERT. Naiv und tiefsinnig.In meinem Kopf mache ich eine Liste mit überlebenswichtigen Dingen:1. Familie.2. Schwimmen.3. Bamya.