Gedichte - Albrecht Goes Leinen
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Bücher EAN 9783100265234

Gedichte - Albrecht Goes Leinen

Hersteller: Fischer, S.  ·  MPN: 9783100265234
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Produktfakten auf einen Blick

Hersteller
FISCHER, S.
EAN
9783100265234
Hersteller-Artikelnr.
9783100265234
Kategorie
Bücher
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Farbe
Yellow
Gewicht
0.169 kg
Breite
16.59 mm
H├Âhe
160 mm
Länge
112 mm

Produktbeschreibung

Gedichte | Albrecht Goes | Buch | Lesebändchen | 200 S. | Deutsch | 2008 | FISCHER, S.

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„Klein ist, mein Kind, dein erster Schritt,/ Klein wird dein letzter sein./ Den ersten gehen Vater und Mutter mit,/ Den letzten gehst du allein.“Die erste Strophe von Albrecht Goes‘ Gedicht „Die Schritte“ liest sich wie ein Gang durchs Leben. Das lyrische Ich betrachtet einen zum Zeitpunkt des Gedicht offenbar noch im Kleinkindalter befindlichen Menschen und reflektiert darüber, dass auch dieses noch so junge und unverbrauchte Leben eines Tages ein Ende haben wird. Ausgedehnt auf den gesamten Band Gedichte, den der 1908 im württembergischen Langenbeutlingen bei Heilbronn geborene, 2000 in Stuttgart-Rohr gestorbene Autor Goes noch zu Lebzeiten selbst als eine Art „best-of“ zusammengestellt hat, kann man sagen, dass diese vier Verse auch umfassen, was Goes ein Dichterleben lang beschäftigt hat: Das Leben von der Geburt bis zum Ende und die Frage, ob und was danach kommt, wenn das einstige Kind seinen „letzten Schritt“ gemacht hat.Albrecht Goes gehört heute zu den Geheimtipps der deutschen Nachkriegsliteratur, obwohl er sich in vergleichbarer Weise wie die Nummer 1- Autoren der Schreibenden nach 1945 mit den klassischen Themen dieser Zeit auseinandergesetzt hat: Krieg, Verfolgung, Nationalsozialismus und die ständige Frage, wie es weitergeht in einer Bundesrepublik, die zumindest in ihren Anfängen stark restaurative Tendenzen gezeigt hat. Zu seinen wichtigsten Werken gehören die Erzählungen Unruhige Nacht (1950) und Das Brandopfer (1954), beide wichtige Werke über die Folgen des Kriegs und der Diktatur. Eine ganz besondere Note bekommt das erzählerische Werk von Albrecht Goes durch eine speziell biografische Komponente im Lebenslauf des Autors, der neben Germanistik und Geschichte auch evangelische Theologie in Tübingen studierte und seit 1930 als Pfarrer tätig war. In den Kriegsjahren von 1942 bis 1945 war er als Geistlicher sowohl in einem Lazarett als auch im Gefängnis in Russland, Polen, Ungarn und Österreich tätig. Seine Erzählung Unruhige Nacht thematisiert genau diese Erfahrungen, die er an der Seite von Kriegsgefangenen gemacht hat. 1953 quittierte Goes sein Amt als Pfarrer und wirkte seither als freier Schriftsteller. Der Gottesbezug und christliche Metaphern ziehen sich allerdings weiterhin durch sein Werk. Besonders deutlich lässt sich die Vielschichtigkeit von Goes‘ Leben und Erleben an seinen Gedichten erkennen; die von ihm selbst zusammengestellte Sammlung vereint nicht nur die schönsten Texte, sondern bietet auch eine Übersicht über das breite Spektrum, das der Autor mit seinem Schreiben abgedeckt hat.„Sonne steigt, des Tags gestrengter Wächter,/ Und des Mittags dumpfe Glut ist groß./ Mach, o Herr, den Schultern traggerechter/ Manneslast zugleich und Menschenlos./ Laß, den Abend innig zu erfüllen,/ Den mich treffen, den Tobias traf,/ Und zuletzt, mich kindlich einzuhüllen,/ Gib den Schlaf mir, lieber Gott, den Schlaf.“Ein bisschen wie ein Gebet liest sich die Schlussstrophe des Gedichts „Im Erwachen“, was ein sich an vielen anderen Stellen ebenfalls findendes Charakteristikum der Lyrik von Goes ist. Doch nicht nur in diesem direkten, unverhohlen gläubigen Sinn wird in Goes‘ Lyrik das Thema Glaube und christliche Religion thematisiert, sondern auch auf deutlich komplexere, metaphorisch verklärte Weise. So geht Goes z.B. mit biblischen Parallelen zur Schöpfungsgeschichte in seinem Gedicht „Antlitz des Menschen“ auf den für ihn so wichtige Gottessuche des Menschen und seinen Bezug zu einer überirdischen Macht ein:„Nicht dir, Vogel, zu gleichen ist mir gegeben,/ Wipfeln jubelnd vertraut und Gipfeln der Berge,/ Schwerelos schön Zuschwingender du,/ Bruder des Lebens./ (…) Süßem Leben zugleich und allen bitteren Fiebern,/ Himmel und Erde teilhaftig bin ich geboren,/ Mit dem versehrten und dennoch unendlich getrosten/ Antlitz des Menschen.“Spannend und tiefgründig ist, dass man an den Gedichten von Albrecht Goes nicht nur Fragen an die Literatur, an die Möglichkeiten der Lyrik mit ihren Motiven und Bildern stellen kann, sondern dass – von den Gedichten ausgehend – auch thematische Diskurse über Fragen der Theodizee oder der Anthropologie geführt werden können. Die Gedichte von Goes sind sprachlich sehr eingängig und weisen somit geradezu von sich in ihrer eigenen Kunstfertigkeit ab, auf den Gegenstand des Gedichts hin. Für den Lyriker Goes scheint es weniger entscheidend zu sein, wie er das Anliegen des Gedichts umsetzt, sondern dass die Leserinnen und Leser verinnerlichen, was genau er damit aussagen möchte. Fragen an das Leben, Fragen an die eigene Religion, die Goes sich im Laufe seines Berufslebens oder aber auch danach gestellt hat, werden in seinen Gedichten verarbeitet und an die Rezipienten transportiert. Dadurch gewinnen die Gedichte eine fast philosophische Dimension.Obwohl die christliche Thematik unübersehbar und somit auch eine spirituelle Lesart der Gedichte unumgänglich ist, sollte bei der Besprechung des Bands Gedichte noch auf weit mehr eingegangen werden als nur die Frage, wie Goes seinen eigenen Glauben reflektiert. Während man sagen kann, dass Fragen an Gott und die Welt vergleichsweise zeitlos sind, sind auch einige Gedichte dieses Autors in ihrem klaren zeithistorischen Kontext, nämlich der Erfahrung des Zweiten Weltkriegs, konkret der Ostfront, verankert. Paradebeispiel hierfür ist das Gedicht „Wind der Ukraine“, vor dem Hintergrund des Russischen Angriffskriegs vom Februar 2022 auch mit einer aktuellen Schwere belegt:„Wind der Ukraine,/ Nachtwind und Frühwind,/ Sag mir, von wannen/ Kommst du gezogen?/ Kommst du von Osten,/ Grauschwarze Schwinge,/ Eishauch und Krähnruf und/ Tod im Gefolge?/ Wo sind die Rufe der/ Kinder, der eignen?/ Bring sie uns, Westwind,/ Wind du der Heimat!/ O wie bedrängt ihr das/ Herz, ihr unähnlichen/ Windesgeschwister hier/ In der Ukraine.“Goes bringt mit dem Gedicht ein Gefühl auf den Punkt, das viele Soldaten in der Fremde gehabt haben dürften. Heimweh und Sorgen, nicht zurückkehren zu können, Angst und Fremde mit dem unbekannten Land – all das sind Aspekte seiner Lyrik, die in ihrer Sprachgewalt und Bildstärke nicht minder überzeugen wie die theologischen Dimensionen seines Werkes. Faszinierend ist, wie es Goes gelingt, immer wieder auf die Schönheit der Erde, auf die Schönheit der Schöpfung abzuheben, ohne dabei die Gräuel, die auf demselben Boden stattfinden, zu verdrängen:„Erwachen wieder/ Und so angstvoll früh/Als wärs schon bald zu spät - /Wofür zu spät? Frag nicht, wofür zu spät./ Zu spät, um ganz die Notenschrift zu lernen,/ Drain die ersten Amsellieder stehn,/ Der Lobgesang, der Lockruf aller Liebe,/ Die Stimme Warnung an die junge Brut:/ Raub Tod Geschrei Gewalt ist in der Welt./ Ich weiß. Du weißt. Wir alle hier -/ Und dennoch:/ Den Morgen dieser Erd‘, und wärs der letzte,/ Wag ich zu rühmen in der Amsel Lied.“Nicht nur der Glaube, sondern auch die Liebe zur Schönheit der Erde und dem, was sie zu bieten hat, spricht aus dem zwar melancholisch düster klingenden Gedicht „Erwachen wieder“. Und obwohl es mit dunklen, teils bedrückenden Bildern arbeitet, kann man sagen, dass das Gefühl der Schönheit, die ästhetische Vorstellung einer blühenden Natur mit singenden Tieren, überwiegt. Es ist ein Beispiel dafür, dass Goes auch klassische Naturlyrik schreibt, verknüpft an der ein oder anderen Stelle mit einem zeithistorischen Bezug, aber überwiegend losgelöst als eine Betrachtung des lyrischen Ichs gegenüber dem eigenen Umfeld. Liebe zur Natur ist die vielleicht stärkste Komponente, die aus der Gesamtbetrachtung der Dichtung von Goes spricht, doch auch zu dem nicht göttlich geschaffenen, sondern menschlich bedingten Schönen entwickelt der Autor eine klar zugewandte Position. In seinem Gedicht „Musik“ wird die für einen evangelischen Pfarrer nicht überraschende Liebe zur Musik deutlich gemacht:„Wenn Schrift erlischt und selbst die Bilder schwinden/ In unsrem düsteren Gewaltenkrieg -/ Du wirst bis ganz zuletzt dich zu mir halten,/ Du Unverlierbar-Eine mir, Musik.“Auch das Vertrauen und die Liebe zur Kunst wird in einigen Gedichten aus der Sammlung deutlich, so z.B. in „Versöhnung. Dürer, Großes Rasenstück)“:„Und jeden Morgen finden meine Augen/ In eine Welt aus lauter Grün zurück,/ Die blickt mich an, getröstet und geströstend,/ In Albrecht Dürers Großem Rasenstück./ O Halm und Rispe, Wurzel, Blatt und Strauch./ O kleine Zier – im Kleinen o wie groß:/ So kehrt dereinst die ganze Schöpfung heim,/ Heim in den ewgen Schoß.“Ein bisschen wie Seelsorge, nur nicht im direkten menschlichen Dialog, sondern im Dialog des Lesers mit dem geschriebenen Gedicht, lassen sich diese kunstverehrenden Gedichte an. Goes flüchtet sich selbst in die Betrachtung des Schönen und scheint darüber den Glauben an die Menschheit und ihre gute Seite nicht zu verlieren, wohingegen die Betrachtung der zeitgenössischen Vorkommnisse das Gegenteil erwartbar machen. Diese positive, zuversichtliche Perspektive tut gut auch in einer ansonsten von berechtigtem Pessimismus und großer Schwere gezeichneten Literatur. Mit seiner Dichtung zeigt der württembergische Autor, dass man die Schwere nicht verneinen muss, um dennoch immer wieder zurück zu finden zu etwas, das Halt gibt in der ausweglos erscheinenden Gegenwart. Eine Form der Kunst, die nicht explizit in einem Gedicht thematisiert, sondern den ganzen Band über quasi gefeiert wird, ist die Kunst der Sprache. Goes experimentiert in seinen mal konservativ formstrengen, dann wieder am Freien Rhythmus orientierten Gedichten und spiegelt in der Gesamtschau seiner Lyrik somit nicht nur die ganze Bandbreite seines Lebens, sondern auch die der Möglichkeiten der Poesie. Goes ist ein zu Unrecht vergessener Autor, der schon zu seinen Lebzeiten einen viel zu geringen Stand neben anderen Schriftstellern der Nachkriegsgeneration hatte. Dass seine Werke dennoch in unterschiedlichen Ausgaben bei seinem Verlag S. Fischer gedruckt werden, sollte Anreiz sein, diesem Autor ein spätes Ansehen, eine späte Verbreitung zu geben, die er zweifellos verdient hat.„Komm in diesen Glockensegen,/ Herr, uns allen du entgegen,/ Daß wir gehn in deiner Gnad,/ Eh der finstre Abend naht./ Tu dein Licht zu unsren Händen,/ Daß wir treu das Werk vollenden,/ Bis du, der du ewig wachst,/ Bei uns allen Abend machst.“(„Glockensegen“ aus dem Zyklus „Und Zeit und Ewigkeit“
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