Der in Berlin lebende Autor Liao Yiwu schickt seinen Protagonisten Zhuang Zigui durch die zehn langen Jahre der Chinesischen Kulturrevolution. Ich erlebe den Protagonisten zu Anfang als glühenden Anhänger Maos. Alles scheint sich nur um den Vorsitzenden Mao und die rote Mao - Bibel zu drehen. Dann wird die gebildete Stadtjugend aufs Land geschickt und ich erlebe gemeinsam mit Zhuang Zigui und seiner Freundin wie es tatsächlich auf dem Land aussieht.Liao Yiwu fährt in seinem Roman zweigleisig: da ist zum einen der politische Weg Chinas jener Zeit und vor allem die Auswirkungen in der Bevölkerung zu erleben und da ist, für mich ganz besonders spannend zu verfolgen, der politische Werdegang des Protagonisten Zhuang Zigui. Anfangs ordnet er Mao alles unter, lässt seine Mutter in die Irrenanstalt bringen, schlägt seinen Vater . . .Aber dann vergehen die Jahre. Der Held lernt die arme Bevölkerung in den Dörfern kennen. Langsam wird er mit den Jahren skeptisch Mao gegenüber . . .Es ist sehr gut, dass Liao Yiwu Tibet mit in seinen Roman hineingenommen hat. Der Autor taucht zusammen mit mir tief in jene Jahre ein. Man spürt sehr deutlich wie Maos Ideologie ein ganzes Land kontrolliert und es doch nicht schafft auf ganzer Linie Sieger zu bleiben.Gegen Ende des Romans erlebe ich den alten Zhuang Zigui. Er blickt zusammen mit einer alten Freundin zurück und beide begreifen wie ihr Leben von einer Ideologie beeinflusst ist/war. Als Leser der in der DDR gelebt hat, kann ich Parallelen ziehen, wenn wir dies auch nie so streng und ausgeprägt erleben mussten. Dieses Buch sollte unbedingt gelesen werden, weil es sehr deutlich zeigt, was es heißt in einer Diktatur zu leben.
Liebe ausgerechnet in der Spätphase der Diktatur von Mao Zedong? Wer assoziiert schon die gewaltsame Kulturrevolution mit der Liebe zwischen zwei Menschen?Tatsächlich scheitern die wenigen Beziehungen des im Mittelpunkt stehenden jungen Rotgardisten Zuang Zhigui fast immer an den politischen Gegebenheiten der Jahre 1966 bis 1976. Die einzige Beziehung, die nicht unmittelbar am Politischen scheitert, seine Liebe zu der wie er selbst per Dekret zwangsweise aufs Land geschickten Eriya, zerbricht daran, dass Zuang Zhigui nach Jahren der Verbannung in eine primitive Welt der Armut, der Verrohung und Gefühllosigkeit seine sexuelle Leidenschaft nicht im Zaum halten kann und seine Liebe vergewaltigt.Der Autor Liao Yiwu nimmt bei der Schilderung der Verhältnisse kein Blatt vor dem Mund. Brutalität kennzeichnet fast alle handelnden Personen. Nur in den Tibetkapiteln gibt es Ansätze zu einer anderen, liebevolleren Umgehensweise unter den Menschen. Es geht aber selbst dort fast immer um das eigene nackte Überleben unter schwierigsten Lebensumständen. Zivilisation - das war einmal. Klassische chinesische Literatur wird zwar immer wieder zitiert, aber sie wirkt wie ein Fremdkörper in eine rWelt der Barbarei.Man liest das alles wenn nicht "begeistert", dann doch wenigstens mit großer Anteilnahme. Dabei hilft, dass Yiwu manchmal bei aller Drastik auch ein gewisses Maß an Witz bewahrt. So entsteht ein eindrucksvolles Porträt über eine verlorene Generation.Was mich allerdings gelegentlich irritiert, ist der Versuch des Autors, über den Roman auch ein Geschichtskollegium abzuhalten. Meist werden Nebenpersonen Belehrungen und Sachinformationen in den Mund gelegt, die offenbar möglichst viel Faktenwissen über die im Roman beschriebene Epoche vermitteln sollen.Dank gebührt den Herausgebern für die guten Sacherklärungen zu im Text vorkommenden Namen und Begriffen am Ende des Buches.Wer sich für China oder den Maoismus interessiert, der wird hier gut bedient. Wem es um die Liebe geht, eher nicht. Romantisch ist nur wenig in diesem Roman. Wie hätte das angesichts der Umstände auch anders sein können?
Meine Gedanken zu dem Roman:Liao Yiwu ist eine wichtige Stimme der Gegenwart. Er berichtet schonungslos von der Politik Chinas und ist ein großer Kritiker der Regierung. Die Geschichte dieses Romans ist bemerkenswert, was das Buch noch wertvoller macht, denn es wurde in Verborgenen und mit hohem Risiko des Entdeckens im Gefängnis geschrieben.In dieser Geschichte erzählt der Autor von einem jungen Mann, Zhuang Zigui, der als Beispiel für viele dient. Es ist Zeit des Umbruchs, Mao Zedong ist zu Macht gekommen und seine Einsichten verbreiten sich, wie ein Feuer. Vom nichts anderem ist mehr die Rede als von dem Vorsitzenden Mao Zedong, seine Politik, und seiner Mao-Bibel. Die jungen Leute strömen nach Peking, um den Vorsitzenden zu hören. Und anschließend als gebildete Jugend zurück in Dörfer, um den Sozialismus zu verbreiten. Alle scheinen von der Macht des Führers besessen zu sein. Die Liebe ist jedoch das eigentliche Thema des Romans. Die Liebe ist auch in Zeiten der Revolution und der Tätigkeit der Rotgardisten allgegenwärtig. Liebe untereinander, Liebe zu dem Vorsitzenden Mao, Liebe zu der Mao-Bibel, Elternliebe, Kinderliebe, Liebe zu der Heimat. Liebe in Zeiten des Chaos, der Hysterie. Die Kinder, die sich der Eltern entsagen, wie der Hauptprotagonist, der seine Mutter ins Irrenhaus steckt, und seinen Vater schlägt. Fallende Tabus in der körperlichen Liebe, unter Fremden, doch durch die Revolution verbundenen, unter Liebenden, wo alle Tabus fallen, in Beziehungen, wo die Regeln nicht mehr gelten. Liebe als Traum, als Erfüllung, als Fata Morgana.Liao Yiwu beschönigt nichts. Der Roman ist überfüllt von Gewaltszenen, die nur schwer zu ertragen sind, von Beleidigungen, Kränkungen, falschen Einsichten und fehlenden Moral. Das Leben von Zhuang Zigui wird als Beispiel für eine mögliche Entwicklung dargestellt: Anfangs Feuer und Flamme für den Vorsitzenden Mao und am Ende zweifelnd, ob die Versprechungen des Himmlischen Friedens auch halten.Leidenschaftlich berichtet der Autor von der Revolution. Der Roman bietet sehr viele Informationen, die man entweder nachschlagen kann, oder die mit einer Fußnote erklärt werden. Nüchtern und auch stellenweise nicht ohne gewissen Komik berichtet der Autor die Geschichte von Zhuang Zigui und nimmt die Liebe als Begriff, als Thema auseinander.Ich konnte leider keinen Zugang zu dem Roman finden. Nicht dass mich das Thema nicht interessiert hätte, das schon, und zwar sehr. Auf diesen Roman habe ich mich ganz besonders gefreut. Doch mit dem Erzählstil wurde ich nicht warm. Unterbrochen von Informationen, Fußnoten fand ich keinen Fluss in der Erzählung und das Ganze ähnelt zu sehr einem Sachbuch, anstatt einem zusammenhängenden Roman. Die Handlung wirkte auf mich surreal, abgehoben und wirr.Interessierten an diesem Teil der chinesischen Geschichte würde ich das Buch auf jeden Fall empfehlen, zumindest sich einzulesen, um zu sehen, ob es einem entspricht. Mein Fall war es bedauerlicherweise nicht. Von mir gibt es 3 Sterne.Eine neutrale Bewertung könnte 4 Sterne lauten.