Aufgrund meines Studiums habe ich mich ausgiebig mit dem Stück "Der Schwierige" von Hugo von Hofmannsthal beschäftigt. Da bereits von anderen Kunden der Inhalt des Stückes beschrieben wurde, möchte ich nun allein meine Meinung und einige Eindrücke zum Ausdruck bringen.Als ich den Titel hörte, wusste ich nicht, was ich mir unter dem Stück vorzustellen hatte.Das Stück ist ein Lustspiel, ein Charakterstück und ein Konversationsstück. Es behandelt die Skepsis gegenüber Konversation: kann Sprache ausdrücken, was man wirklich sagen will?Mit dieser Krise hatte Hofmannsthal zu kämpfen und lässt sie den Protagonisten Hans Karl durchleben.Nun könnte der Eindruck erweckt werden, das Stück beinhalte langweilige, philosophische Gespräche über Kommunikation. Das ist jedoch nicht der Fall.Das Stück lässt sich fließend lesen und ist unterhaltsam. Hofmannsthals Aussage wird klar. Hofmannsthal tut das aber nicht aufdringlich.Die Rezension eines schwärmenden anderen Kunden möchte ich außerdem erwähnen. Dieser Kunde ist gewiss ebenso begeistert von diesem Stück wie ich und ich möchte diese Rezension keinesfalls kritisieren! Ich möchte nur Missverständnissen vorbeugen.Jener Kunde spricht in seinem Text über die LIebe zwischen den Protagonisten Helene und Hans Karl, die vom Schicksal füreinander bestimmt scheinen.Der Text könnte den Eindruck vermitteln, Hofmannsthals Stück sei übermäßig romantisch oder eventuell sogar kitschig.Dem ist nicht so. Das Stück behandelt die Liebesgeschichte zwischen Helene und Hans Karl sehr angenehm und rührend. Es gibt aber nie große Gefühslausbrüche oder Liebesbekenntnisse. Da Helene und Hans Karl der Konversation eher abgeneigt sind, genügen wenige Worte, damit die beiden verstehen, was der andere meint.Ich hoffe, besagter Kunde nimmt es mir nicht übel, dass ich ihn erwähnt habe.
Wien, kurz nach dem Ersten Weltkrieg: Hans Karl Bühl, ein Graf aus den mittlerweile ehemaligen österreichischen Adel und heimgekehrter Kriegsteilnehmer, wird in allerlei Gespräche verwickelt, die sich um Liebe, familiären Zusammenhalt, Ränken und Ratschläge drehen. Seine Gesprächspartner entstammen meist ebenfalls dem Adel. Hans Karl selbst wird bis auf missgünstige Verleumdungen von intriganten Neidern, als ehrenfester, intelligenter und zuverlässiger Charakter beschrieben. Nachdem er die Versöhnung seiner Bekannten Antoinette - welche offensichtlich Gefühle für ihn hegt - mit ihren Ehemann Hechingen arrangiert hat, findet er am Ende des Stücks mit der ebenfalls gerühmten Helene zusammen und beide stehen vor der Verlobung, als das Stück abbricht.Nach Matthias Mayer setzt Hofmannsthals „der Schwierige“ der untergegangenen Gesellschaft ein Denkmal. Ferner ist das Stück an das Novaliszitat "Nach verlorenen Kriegen soll man Lustspiele schreiben." als inoffizielles Motto angelehnt. Und so ist das Thema des Werks zweifelsohne ein Komisches. Neben der in der Sekundärliteratur oft gefundenen Verständnisschwierigkeit unter den Figuren, deren teilweises Unvermögen, zu kommunizieren, machen vorallem die Nebenfiguren Spaß. Vinzenz, der neue Diener, weiß mit seiner impertinenten Hybris ebenso zu unterhalten wie der berühmte Mann, Professor Brücke, dessen Entgleisungen nur durch die unbeirrte Bewunderung Bühls gebrochen werden, welchen er jedoch aufgrund verschiedener komischer Wendungen nie zu sprechen kriegt. Desweiteren findet man in Bühls Neffen Stanislaus einen "aristokratischen Vorbildimitator", welcher seinen Onkel nacheifert, jedoch über die stumpfe Nachahmung gepaart mit der Unfähigkeit zur empathischen Kommunikation nicht hinauskommt. Zu guterletzt kann man auch Gräfin Edine Merenburg erwähnen, welche zwanghaft versucht, die intellektuelle Salondame zu mimen, in dieser Pose jedoch meist tölpelhaft wirkt.Ein gewisses Problem mit dem Stück wird man haben, wenn man Hofmannsthals überspitzte Figurensprache nicht ertragen kann: Es finden sich in deren Rede nämlich inflationär viele Gallizismen, die Verwendung der höfischen Er-Form kann bisweilen anstrengend zu lesen sein und auch die Emotionalität ist phasenweise hochgradig überspitzt. Jedoch gilt es zu bedenken, dass dies natürlich bewusst gewählt wurde, um das Milieu, was der Autor aufgrund seiner Abstammung bestens kennt, möglichst originalgetreu zu simulieren und hierzu einen Subtext einzuflechten, welcher sowohl Komik als auch Botschaft des Lustspiels verstärkt beziehungsweise ausbaut.Jedoch muss ich am Werk auch einiges kritisieren. Die Tatsache, dass der Schwierige sehr dialogbasiert ist und eigentlich aus seinen adeligen, ereignisarmen Refugium nicht wirklich ausbricht, langweilte mich an manchen Stellen schon über Gebühr. Gerade im Mittelteil quälte ich mich manchmal durch die Seiten. Relativierend muss man hier jedoch sagen, dass mein Humor an manchen Punkten nicht zwingend konform mit den von Hofmannsthal ging, was natürlich hochgradig subjektiv ist. Auch wirkt mir Hans Karl trotz aller offensichtlichen Schwächen manchmal etwas zu glatt. Alles in allem würde ich hierfür einen Stern abziehen.Ansonsten kann ich das Werk eigentlich nur jeden empfehlen. Für Hausarbeiten lässt sich gut mit ihm arbeiten, da es einiges an Sekundärliteratur gibt. Für Sammler ist es unentbehrlich, da es einen ,im Vergleich zu den Publikationen der Zeitgenossen, alternativen Einblick in die postmonarchische Gesellschaft bietet (gleichwohl würde ich das Stück nicht als politisch bezeichnen, nur als gelassener). Für alle anderen sei es ein Tipp, da das Oeuvre Hofmannsthals ein sehr vielseitiges, kunstvolles und schlicht und ergreifend angenehmes Stück Literaturgeschichte ist, dass neben den altbekannten mehr oder minder linken Autoren wie Tucholsky Brecht, Kaiser, Toller und Co. auch einen Einblick in das konservative Kulturgut jener Epoche bietet.