Während Frank Gerbert das Leben und Sterben des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand die letzten 7 Tage an den Originalschauplätzen nachgezeichnet hat, habe ich das Buch in 7 Stunden "gefressen". Das sagt schon alles, so spannend und interessant war dieses Buch für mich. Dazu ist natürlich das Hundertjahrejubiläum auch ein Anreiz, sich mit dieser Zeit, den wichtigen Persönlichkeiten und den Ereignissen zu beschäftigen.Es ist nur ein Wort in dem Buch, das michveranlasst hat, diese Zeilen zu schreiben. Hier glaube ich eine Ungenauigkeit entdeckt zu haben, was die Interpretation des Wortes "Katzelmacher" betrifft. Dieses Wort wurde, zumindest in meiner unmittelbarer Heimat, nicht als Umschreibung der Kesselflicker verwendet, sondern hatte eine eher bösartige Umschreibung für Italiener gedient. Hier wird die Anzahl der Kinder und die häufigen Geburten mit den Würfen einer Katzenmutter verglichen, die ebenfalls häufig und auch viele "Katzeln" zur Welt bringt. Ich weiß nicht, seit wann dieser Ausdruck verwendet worden ist, ich weiß aber, dass er später (70er Jahre des letzten Jahrhunderts) auf die Bezeichnung "Katzlinger" gemildert wurde. Vielleicht auch deshalb, da die negativen Erinnerungen an Italien durch persönliche Begegnungen verdrängt wurden. Viele Menschen sind damals nach Italien auf Urlaub gefahren und dort Sonne und Gastfreundschaft genossen.Ich möchte auch zur Bezeichnung "Kesselflicker" etwas schreiben, denn diese "Tätigkeit" und auch das Scherenschleifer wurde bei uns von eher verrufenen Menschen durchgeführt, den Zigeunern. Ich weiß nicht, warum diese Bezeichnung so umstritten und negativ belastet ist. Zu ihrer Zeit zogen die sagen wir nun Roma und Sinti durchs Land und verdienten ihren Lebensunterhalt eben mit Reparatur von Haushaltsgegenständen, aber auch als ausgezeichnete Musiker in Lokalen. Dafür, dass manchmal ein Huhn verschwand wurden sie sicher oft unverschuldet angefeindet und mussten sich, bis heute, ausserhalb der Gemeinden niederlassen.Ich möchte abschliessend nochmals darauf hinweisen, dass die Verwendung der in Frage gestellten Wörter und deren Bedeutung nur in meiner näheren Heimat so gehandhabt wurden, wie ich erläutert habe. Ich habe keinerlei Kenntnisse darüber, wie im Rest des deutschsprachigem Raum diese Wörter verwendet worden sind.Dieses Buch kann ich allen empfehlen, die, so wie ich, Einblicke haben wollen, welche Ereignisse und welche Protagonisten für den nachfolgenden Krieg verantwortlich waren, welche bis heute nachwirken. Und was ich am beängstigendsten finde, Geschichte wiederholt sich.Damit herzlichen Dank an den Autor Frank Gerbert für diese Einblicke und liebe Grüße, Joe
...unangenehm, unbekannt und unaufgeklärt ist die Vergangenheit um den Grund für den "Ausbruch" des 1.Weltkriegs.Hier versucht jemand zu Fuß der Wahrheit näher zu kommen, nicht auf der weltpolitischen Ebene. Aber auf seine Art kommt der Autor der Geschichte sehr nahe, mit einem unheimlichen Bezug zur Gegenwart, die er wie eine Schablone über die historischen Dokumente und Fotografien legt. Ein Lehrsatz der dem Buch entspringt: "Weltgeschichte sollte nicht aus Leichtsinn geschrieben werden müssen!" Ein anderer Lehrsatz: "die Dinge sind immer noch um einiges komplizierter (und vielleicht sogar unlogischer), als sie in der Zeitung stehen!"
Der Autor versucht, die selbe Route, die der Thronfolger vor 100 Jahren nach Sarajevo genommen hat, nachzufahren. Nicht immer einfach, denn die Verkehrsverbindungen verlaufen heute meist anders. Er schreibt sehr salopp und hinterfragt alle damaligen Entscheidungen und Begebenheiten! Und er beschäftigt sich ausführlich mit der teils zwiespältigen Person der Hauptperson. Ein sehr empfehlenswertes Buch zum 100. Jahrestag der Ermordung und damit des Kriegsbeginns.