Bravourös und Extraklasse. Ein Stück KriminalLITERATUR, dass in keinem Bücherschrank fehlen darf.DIE STORY:PHILLIP MARLOWE - ein wenig erfolgreicher Privatdetektiv - wird Zeuge eines Mordes, den ein "Riese von Mensch", nachdem er aus dem Knast entlassen worden ist, auf der Suche nach seiner früheren Braut, an einem Schwarzen begeht. Eigentlich geht MARLOWE das nichts an. Doch die Untätigkeit der Polizei - erst recht angesichts der Tatsache, dass es ja "nur" einen Schwarzen erwischt hat - nervt ihn. Und so macht er sich - teilweise durch zwielichtige "Aufträge" legitimiert (die sogar zum Teil von der Polizei selbst stammen) - auf die Suche nach dem Riesen und dessen verschwundener Braut. MARLOWE begibt sich auf eine Odyssee durch das Los Angeles und seiner Vororte der enddreißiger, anfangvierziger Jahre des letzten Jahrhunderts (seiner und des Autors Gegenwart!). Er trifft (insbesondere auf Seiten der Gesetzeshüter) auf Pflichtbewußtsein, skrupellose Gewalt, Korruption und Hoffnungslosigkeit. CHANDLER zeichnet so ein (kritisches) Spiegelbild der damaligen US-Gesellschaft. Je weiter die Handlung fortschreitet um so größer scheint die innere Distanz des Helden zu ihr zu werden. Der Hardboiled-Detektiv hat tatsächlich einen eher weichen Kern und fühlt sich in dieser Welt eher einsam als geborgen. Am Ende bleibt die Erkenntnis der Machtlosigkeit des Einzelnen angesichts der Korruptheit und Gleichgültigkeit der Masse.FAZIT:Brilliant. Das Buch liest sich in einem Atemzug. Spannend und unglaublich witzig geschrieben. Man glaubt eigentlich kaum, dass CHANDLER den Roman bereits 1940 veröffentlicht hat. Sein Schreibstil ist - gemessen an heutigen Maßstäben - sehr modern. CHANDLER schreibt angenehm schnörkellos und vermeidet einen komplizierten und verschachtelten Satzbau. Seine direkte Rede ist "aufs Maul geschaut" und die Dialoge sprühen oft vor Sarkasmus und Witz. Ich habe das Buch sehr genossen und hätte ewig weiterlesen können. Ein Kompliment, das man nicht vielen Büchern machen kann und erst recht nicht bei Literaturklassikern, zu denen dieses Werk sicherlich zu zählen ist.Also - unbedingt! - viel Spaß und spannende Unterhaltung dabei.
Dies ist der zweite Marlowe-Roman von Chandler. Auch diesen habe ich wieder mit großem Vergnügen gelesen und habe mich dabei wiedergefunden in der Gangsterwelt von Hollywood Ende der 1930er, Anfang der 1940er. Der Privatdetektiv Phlip Marlowe will eigentlich den Mann einer Auftraggeberin aufspüren und zurückbringen; dabei gerät er jedoch - eher zufällig - in eine Situation, die mit einem Mord endet. Der Täter, Moose Malloy, ein hünnhafter und bärenstarker Mann, auf der Suche nach seiner Freundin Velma, entkommt. Auf Bitte des etwas sehr faulen Polizisten Nulty - und weil er gerade keinen anderen Fall hat - ermittelt Marlowe. Schnell findet er eine Spur, die zur Witwe des Vorbesitzers der Bar führt, in welcher der Mord geschehen ist.Parallel erhält er einen Auftrag von einem Mann namens Marriott, den er bei einer Geldübergabe für den Rückkauf einer gestohlenen Jadehalskette begleiten soll. Dierse Übergabe schlägt reichlich fehl, übrig bleiben eine Leiche und ein in die Besinnungslosigkeit geschlagener Marlowe.Mehr sei an dieser Stelle nicht verraten, nur soviel - Marlowe ermittelt, gerät in Lebensgefahr, kann sich herrauswinden und löst den Fall, der mit einem - für mich sehr überraschendem - Twist endet.Ein einflußreicher Gangster, ein unbekannter Helfer, ein weiterer (tüchtiger) Polizist, eine - nein - zwei schöne Frauen und ein zwielichtiger Wunderheiler spielen noch eine entscheidende Rolle.Chandler lässt Marlowe wieder als den zynischen und furchtlosen Helden auftreten, der die Sache in der Regel im Alleingang regelt. Er bringt sich dabei immer wieder in Gefahr, lässt aber die Gerechtigkeit dabei nicht eine Sekunde aus dem Blick. Er geht hierfür häufig einen Schritt zu weit, kann sich aber immer gerade noch einmal vor dem Fall in den Abgrund retten. Ja, er trinkt und raucht heirbei viel (zu viel) und tritt den Leuten gehörig auf die Füsse; gerade das macht jedoch einen Heidenspaß. Auch der dichte Schreibstil, gespickt von komisch-zynischen Dialogen macht das Lesen zu einem wahren Vergnügen.Sie sind so wunderbar«, sagte sie. »So tapfer, so entschlossen, und Sie arbeiten für so wenig Geld. Jeder haut Ihnen eins über den Schädel, würgt Sie, knallt Ihnen was aufs Kinn und pumpt Sie voll mit Morphium, aber Sie klopfen unbeirrt weiter auf den Busch, bis allen schließlich die Puste ausgeht. Was ist es, was Sie so wundervoll macht?«»Nur weiter«, knurrte ich, »erleichtern Sie Ihr Herz.«Nachdenklich sagte Anne Riordan: »Einen Kuß will ich, verdammt noch mal!«Ich habe das Buch genossen und werde zeitnah den dritten Marlowe (Das hohe Fenster) angehen.Wer auf Gangsterfilme der 1940er, auf Film Noir und Roman Noir steht, der sollte sich dieses Buch bzw. die ganze Reihe zu Gemüte führen.10/10