Man darf sich durch die eher spröden Zitate aus Geschichts- und Tagebücher am Anfang des Buches nicht schrecken lassen, auch nicht durch die etwas bemühte Betonung des Autors, es handele sich bei seinem Werk um reine Fiktion - die meisten Leser eines Romans werden kaum anderes erwarten. Das Buch liest sich gut und flüssig, auch wenn der Autor immer wieder seine Erzählung unterbricht, sei es, um zu seinen Geschöpfen auf Distanz zu gehen, sei es, um sein Wissen um ihre Beweggründe zu verneinen. Wenig ist oft mehr - mir kommt gelegentlich der Verdacht, der Autor sei zu bequem gewesen, um sich mit Motiven zu befassen; oder will er nur sein Unvermögen ausdrücken, bestimmte Menschentypen (Major Dincklage) zu verstehen?Den Ort Winterspelt gibt es wirklich in der Eifel nahe der belgischen Grenze, und in dieser Gegend ist der Roman angesiedelt, im Herbst 1944 kurz vor der Ardennenschlacht. Es herrscht die Ruhe vor dem Sturm, während deutsche und amerikanische Truppen in unmittelbarer Nachbarschaft in Stellung sind und darauf warten, dass sich die Spannung in irgendeiner Form löst.Die Protagonisten sind alle Ausnahmeerscheinungen. Der junge Major Dincklage, überzeugt, dass Deutschland den Krieg verlieren wird, überlegt, wie er eine Situation herbeiführen könnte, in der er sich und seine Truppe den Amerikanern kampflos ergeben kann. Seine Gedankenspiele führen nur deshalb zu einer konkreten Handlung, weil er sie einer jungen Lehrerin anvertraut, in die er sich Hals über Kopf verliebt hat und die einen Kontakt zu den Amerikanern herstellen und für ihren Zweck nutzen will: Fort aus Deutschland. Helfen soll der Kommunist Hainstock, der dank eines Gönners still und unbehelligt im Eifelwald leben kann. (In geraffter Form mag dies märchenhaft klingen, ist aber im Buch glaubwürdig entwickelt.) Den tatsächlichen Kontakt zu den amerikanischen Truppen stellt ein deutscher Kunsthistoriker her, der auf belgischer Seite im Grenzgebiet lebt (er will, wenn der Krieg endlich vorbei ist, so schnell wie möglich nach Deutschland zurück) und sich erstaunlich unbehelligt auf beiden Seiten der Grenze bewegt.Dieser Kunsthistoriker Schefold ist die für meine Begriffe am wenigsten realistische Person im ganzen Geschehen: Ein gebildeter Mensch mag weltfremd, naiv und leichtsinning sein, aber würde er vor deutschen Soldaten im deutschen Kriegsgebiet amerikanische Zigaretten rauchen und einem der Soldaten eine Zehndollarnote geben? Auch die Pläne des Mannes (Museumsdirektor werden) passen so gar nicht zu dem Charakter, den der Autor entwirft.Deutlicher und überzeugender ist der Obergefreite Reidel gezeichnet, gegen Ende des Romans fast so etwas wie Schefolds Gegenspieler.Das Kriegsgeschehen selbst mit seinen Kampfhandlungen ist im Roman fast völlig ausgeblendet. Wichtig sind die Interaktionen und Beziehungen einer Handvoll Personen.