Ich kann Donna Leons „Commissario Brunetti“-Reihe nur empfehlen. Das Buch „Milde Gaben“ (2022) ist nur der aktuelle Grund, meiner Begeisterung Ausdruck zu geben.Im Lauf der 3 Jahrzehnte seit dem ersten Fall hat sich Donna Leons Schreibstil natürlich weiterentwickelt, ist liebevoller und leichter geworden. Aber die Grundkonstanten und Charaktere in Venedig bleiben sich treu.Immer wieder stolpert der ernüchterte Humanist Guido Brunetti über Ungerechtigkeit, Abgründiges und Tiefgründiges. Politisch Aktuelles wird in die jeweiligen Fälle einbezogen. Und immer sieht er (und hören wir als Leserinnen und Leser), wo das Rechtssystem versagt und Auswege für die Geschickteren findet. Dass er dann selber versucht, für die Opfer etwas Recht zu schaffen, macht ihn sympathisch.Die hintergründig lächelnde Signorina Elettra ist als abgebrühte Sekretärin die eigentliche „Macht“ im Kommissariat, die die illegalen Schleichwege der Informationsbeschaffung mit großer Freude sucht und zielführend findet.Aber oft genug ist Brunetti einfach nur frustriert und hilflos, wenn es nicht geht, gegen den Berg anzukommen. Seine Familie ist dann der Anker, trotzdem weiter zu machen. Sie essen, lesen und diskutieren mit Leidenschaft. Immer der Blick über Venedig, dem seine Liebe gilt. Und ja, auch der (klassischen) Literatur, die ihm Halt gibt und zeigt, dass es immer schon so war.Zwischendurch die Treffen mit liebevoll gezeichneten Menschen, die punktgenaue Beschreibung ihrer Lebenssituationen, der Abgründe des Lebens, der Schicksalsschläge, und wie sie dennoch ihre Würde bewahren wollen („Wenn es ein Test war, Signora, hatten Sie den bereits bestanden, als Sie die Mutter einer Frau in Schutz nahmen, die gut zu Ihnen war. Die Bücher erklären lediglich, warum Sie das getan haben“). Der Espresso im Café unterwegs, der durchatmen lässt. Das Suchen nach den Fäden, an denen man ziehen muss, um den Fall ins Rollen zu bekommen…Es sind besonders die späteren, lakonischen Romane, die unglaublich liebevoll gezeichnet sind, ihre wunderbaren Typen und die Liebe zur Stadt, die eine stille Freude sind: endlich wieder in Venedig mit den verwinkelten Gassen, Plätzen und Cafés. - Hoffentlich gelingen Donna Leon noch viele weitere Romane mitten aus dem Leben in all seiner Fülle und Widersprüchlichkeit. Das Warten darauf lohnt sich für mich.
ich finde die letzten beiden Teile sind irgendwie anders. es fehlt einfach der Charme der vorigen Titel. habe die Reihe verschlungen und es war bei allen Büchern nur ein langatmiges dabei. dich bei den letzten beiden ist es irgendwie nicht mehr der selbe Lesespaß. ob es an der Übersetzung liegt oder am Buch selbst weiss ich nicht, aber einfach irgendwie schade…