Bereits im Vorwort definieren die Autorinnen klar, was sie wollen: traditionelle Fertigungstechniken erklären, über Werkzeuge informieren, über Materialien aufklären, so dass die Nutzer der vorgeschlagenen Schritt-für-Schritt-Anleitungen sich nach Fertigstellung eines vorgegebenen Projekts eigenständig an die Realisation individueller Projekte herantrauen. Damit das klappt, hilft ein Punktesystem bei der Einschätzung des Schwierigkeitsgrades und die eindeutigen Zeichnungen des Materialbedarfs (auch als Wort beschrieben). Die Themenvielfalt ist immens. In einem Einleitungstext werden die Werkstoffe Papier, Karton, Holz, Formbares, Stoff sowie die Verfahren Drucken, Weben, Recycling, Schmuckherstellung und Stromkreis näher unter die Lupe genommen. Die Texte sind kindgerecht knapp, einfach formuliert und hilfreich für die Praxis. Es folgt dann die detaillierte Beschreibung der Arbeitsschritte eines inhaltlich passenden Themas, das auf einem ganzseitigen Foto präsentiert wird. Sehr innovativ finde ich das sogenannte Ti-Ta-Tackerband am unteren Ende der Buchseite : zentrale Arbeitsschritte werden als gezeichnetes Phasenmodell mit kurzen Satzfetzen erklärt. Dieses Buch hält mit seinen fast 250 Seiten viele witzige und schräge Modelle, praktische Gebrauchsobjekte, zeitgemäße Dekoration und verspielte Gerätschaften parat. Als Textil- und Werklehrerin weiß ich, dass der Teufel im Detail steckt. Nicht jeder Draht passt in jede Perle; nicht jedes Kind weiß -auch wenn es da steht - wie säumen, bügeln und Wendeloch zunähen geht; Drucken ohne explizit erwähnte Unterlage und zusätzliche Abklebungen kann schnell zu Chaos führen. Hier zeigt das Buch eindeutige Schwächen. Vieles ist nicht ausreichend erklärt, Zwischenarbeitsschritte fallen unter den Tisch, Sicherheitsvorkehrungen werden übergangen. Es wirkt so, als ob die Autorinnen sich den Anforderungen des Layouts unterwerfen mussten: Eine schillernde Farbfotoseite steht dem reduzierten Anleitungstext gegenüber. Das ist schon bei vielen Erklärungen für erwachsene DIY-Versierte knapp. Bei Kindern führt es zu Frustrationen, wenn nicht gar zum elterlichen Verbot des Nachmachens. Trotz dieser Kritik - in Begleitung eines Erwachsenen, der bei der Arbeitsplatzgestaltung hilft, oder als kreativer Input für handwerklich interssierte Lehrer / Erzieher ist dieser dicke Schinken eine Fundgrube an Ideen und eine Quelle fundierter Sachinformation .