Mein zweiter Roman vom Autor und wieder zunächst eine Hürde – verstehen was geschrieben ist. Aber: Der Protagonist, Kriminaldirektor A.D. Manz, den man als Leser begleitet, besser: durch dessen Brille (und durch dessen Gedanken) man die Welt sieht, assoziiert wie jedermann. Das macht es dann doch leicht, das Lesen. Er soll wegen eines Altfalles noch mal zu Gericht, erlebt seinen Alltag und vieles schwirrt in seinem Kopf, wie es ihm Kopf eines jeden eben funktioniert. Das fasziniert recht schnell beim Lesen.Der Höhepunkt bleibt die tagelange Gerichtsverhandlung, schon zu zuvor im Rückblick auf die Ermittlungen, steht man vor widersprüchlichen Aussagen, Weglassungen, Ausschmückungen und deren Interpretation ist entweder nicht möglich und bringt nur wenig voran. Der Mord bleibt unaufgeklärt, langsam naht eine Hypothese, die stimmen könnte. Wahrscheinlich ist das bei Ermittlungen manchmal, gar öfter so, und in der juristischen Wertung fehlt dann Greifbares.(Zumindest steht im Nachwort des Autors, dass das Geschehen im Gerichtszahl nahezu genau so passiert ist und vom Autor protokolliert wurde, was fast schade ist, denn ich hätte ihm diese Art der Phantasie zugetraut.)So menschelt es im Buch normal, fast sympathisch, aber erschreckend ineffektiv herum, die Figuren haben Absichten, Ideen, Probleme, leben einfach oder erklären sich ihre Haltung. Das ist toll mitzuerleben zu dürfen.Überflüssig schien mir im Mittelteil, dass Manz unachtsam im Freizeitsport sich in eine gefährliche Situation bringt. Ein kleines Actionelement um die Seiten zu füllen? Den Sinn dieser Sequenz habe ich verstanden, dafür fehlt mir die literarische Bildung, ich lese halt einfach aus Spaß und Neugier.Herr Wittekindt, vielen Dank für dieses Buch!