Der eigentlich schon pensionierte Maigret begleitet einen jungen Mann, der seinen Vater in Schwierigkeiten glaubt, nach New York. Bei der Ankunft verschwindet der Auftraggeber jedoch spurlos. Maigret muss den Vater alleine aufsuchen und findet diesen seltsam desinteressiert vor. Hilfesuchend wendet sich der Ex-Kommissar an einen befreundeten FBI-Agenten.Maigret ermittelt hier zum dritten Mal im Ausland. Nach Besuchen in Holland und bei den Flamen verschlägt es ihn diesmal in die USA. (Später kommen noch Aufenthalte in Arizona und London dazu.)Ob Simenon selber in New York gewesen ist? Wahrscheinlich nicht, denn das Buch handelt kaum von der Stadt und dem Leben der Menschen dort. Wiederholt Thema sind dagegen die unterschiedlichen Methoden der amerikanischen und französischen Polizei. Der FBI-Agent behauptet, dass der Schutz des Individuums in den USA über alles geht, weswegen er nicht so hart durchgreifen kann wie seine Kollegen in Paris. Eine gewagte Behauptung, wie ich finde.Nachdrücklich in Erinnerung bleibt die Beschreibung der klaustrophobischen Atmosphäre eines Mietshauses in der Bronx, wo auf engstem Raum hunderte von europäischen Auswanderern leben. Bei einem Bummel von Maigret auf dem Broadway erfährt man, dass er nur Komödien mag und sich deswegen einen Laurel & Hardy-Film anguckt.New York spielt also keine große Rolle, der Aufenthalt in der Fremde aber schon. Vor allem in den ersten Kapiteln fühlt sich Maigret durch die neue Umgebung verunsichert. Hauptsächlich liegt das an seinen schlechten Englischkenntnissen. Um trotzdem Nachforschungen anstellen zu können, greift er schließlich zu einem ungewohnten Mittel und heuert einen Ex-Clown als Privatdetektiv an. Diese traurig-sentimentale Gestalt trägt Einiges zum Unterhaltungswert des Buches bei, nicht zuletzt durch seinen maßlosen Appetit und sein Alkoholproblem.Zu den Highlights zählen außerdem mehrere Stellen, an denen von Maigrets Methoden die Rede ist. Ich kann mich nicht erinnern, schon einmal so anschauliche Beschreibungen darüber gelesen zu haben. Hier zwei Beispiele:"Und Sie meinen wirklich, ich hätte eine feste Vorstellung von diesen Menschen? ... Ich schwimme. Das tun wir beide ... Der Unterschied ist nur der, dass Sie die Richtung selbst bestimmen wollen, während ich mich von der Strömung treiben lasse und mich nur hin und wieder an einem Ast festhalte.""Und plötzlich, in einem Augenblick, in dem man es am wenigsten erwartete, in dem man ihn wegen der scheinbaren Unlösbarkeit der Aufgabe schon für entmutigt halten konnte, geschah es. (...) Maigret wurde irgendwie dicker und schwerer. Er hielt seine Pfeife anders zwischen den Zähnen, er rauchte sie in kurzen, selteneren Zügen und blickte mit einem beinahe heimtückischen Gesicht um sich, weil ihn innerlich etwas gepackt hatte, mit dem er sich beschäftigen musste. Das kam im Grunde daher, dass die Personen des Dramas aufhörten, Einheiten, Marionetten oder Bauern im Schachspiel für ihn zu sein, und plötzlich Menschen wurden. Menschen, in deren Haut er sich versetzte."
Maigret ist seit 1 Jahr im Ruhestand und lebt mit seiner Frau in dem Ort an der Loire, wo er schon vor Jahren ein Haus gekauft hatte.Er gärtnert viel, die beiden machen wie schon in Paris ihre Spaziergänge, Maigret geht jeden Tag in die Gastwirtschaft des Ortes um dort mit den anderen "Herren" Karten zu spielen.Seine jahrlange Arbeit als berühmter Kriminalkommissar ist Vergangenheit. Die letzten 2 Jahre waren anstrengend, die Umstrukturierungen der Polizei waren ihm zuwider und nach so vielen Jahren Verbrecherfangen mit den stundenlangen Verhören und immer unterwegs ist er froh, dass er dies hinter sich gelassen hat.Eines Tages kommt ein junger Mann zu ihm, der ihm berichtet, dass sein Vater in Amerika bedroht wird und nur Maigret könne helfen. Er lässt sich überreden, mit nach Amerika zu kommen.Nach einer mühseligen Fahrt mit dem Schiff kommt er schließlich an einem verregneten grauen Tag dort an, und noch vor dem "auschecken" ist der junge Mann verschwunden.Da ist er nun in Amerika. Das Land, dessen Sprache er nur rudimentär versteht und spricht, mit Polizeimethoden, die sich seine sind. Und er muss wieder lernen, dass es im großen Amerika das organisierte Verbrechen und bezahlte und brutale Killer gibt.Ich habe das Buch nicht komplett gelesen, denn die typische französische Maigret-Stimmung kommt so weit in der Fremde nicht auf.Interessant ist, mit welcher Intensität Simenon die Zufriedenheit Maigrets als Rentner beschreibt und man merkt richtig, wie glücklich er zum Ende hin ist, als er wieder in dem kleinen Haus an der Loire ist.Mein Fall ist das Buch nicht, denn ich kann mich mit den Maigrets in Amerika nicht anfreunden.