Mit dem Schrecksenmeister habe ich nun alle Zamonienromane gelesen und kann nun auch zu diesem etwas sagen. Es hat mich genauso berührt und mitgerissen wie jedes andere der Bücher.Da ich als 13-Jährige "Spiegel, das Kätzchen" gelesen habe und in der 11. Klasse auch den "Faust" durchnahm, fielen mir natürlich sofort die vielen Parallelen auf. Diese verarbeitet Moers so gekonnt und originell, dass man trotz des Wissens um Faust und Spiegel immer mitfiebert, wie es mit Echo weitergeht. Es spielt zwar alles ausschließlich in Sledwaya, aber das würde ich jetzt nicht als Nachteil bezeichnen. Moers hat sich ja bewusst für die Vorlage "Spiegel, das Kätzchen" entschieden und auch diese Geschichte spielt sich ausschließlich an einem Ort ab. Echo in die Weiten Zamoniens zu schicken entspräche einfach nicht der Vorlage und würde keinen Sinn ergeben. Das wäre dann zuviel künstlerische Freiheit. Meiner Meinung nach hat Moers genau die richtige Mischung aus Vorlage und eigener Kreation gefunden. Besonders gelungen finde ich Eißpin, der (wie es auf dem Klappentext auch heißt) tatsächlich Faust und Mephisto in einem zu sein scheint. Jedes Mal wenn er auftrat, habe ich mich gefragt, was in ihm vorgeht und jedes Mal lag ich falsch mit meiner Einschätzung. Auch sieht es teilweise so aus, als würde er sich doch noch erweichen lassen und Echo nicht töten. Aber am besten an Eißpin war seine wundervoll umschriebene Vergangenheit, die mich fast zum weinen gebracht hätte. Doch im nächsten Augenblick legt der Schrecksenmeister ein Verhalten an den Tag, das einen die Nackenhaare zu Berge stehen lässt. Genau das ist das tolle an seinem Wesen, womit Moers gekonnt gespielt hat.Echo war mir von Anfang an sympathisch, naja ein Krätzchen kann man ja bloß lieb haben =) Genauso denke ich würde eine Katze sprechen, wenn sie es könnte ;) Man sah Echo lebthaft vor sich und ich musste auch öfter lachen, weil ich mir vorstellen musste, wie das irgendwann ziemlich voluminöse Krätzchen durch das Schloss zieht. Die anderen Charaktere sind genauso einfallsreich und haben einzigartige Wesenszüge, so wie das jede Figur in Moers Romanen hat. Und genau darin liegt meiner Meinung nach auch die Stärke dieses Autors. Seine Liebe zum Detail erweckt seine Figuren zum Leben. Zu jeder einzelnen könnte man eine seitenlange Charakterisierung schreiben. Moers schafft, was vielen Autoren nicht gelingt: er schafft Persönlichkeiten, die einem nicht mehr aus dem Kopf gehen. Ich bin schon fast ein wenig traurig, dass ich nun alle Zamonien-Romane gelesen habe, denn Moers hat mir neue Lieblingsbücher beschert! Ich hoffe, dass noch mehr Fantastisches aus Zamonien kommt und ich mich somit wieder in diese Welt begeben darf =)
Ich halte es für Walter Moers‘ bestes Buch.Hier wird nicht nur die gewohnte zamonische Fantasy geboten, hier tun sich menschliche, psychologische Abgründe auf.Moers hegte schon immer große Bewunderung für Edgar Ellen Poe und dies ist auf jeder Seite zu spüren, ohne dass Moers seinen eigenen Stil verliert.Kleine Kostprobe aus der Mitte des Buches gefällig?- - - ,,Unten angekommen, nahm der Schrecksenmeister eine Lampe auf und klopfte mit dem Fingernagel an ihr Glas, worauf sich darin Schwärme von winzigen Irrlichtern erhoben, durcheinander schwirrten und ein vielfarbiges, unwirkliches Licht erzeugten, das Echos Unbehagen noch vertiefte. Es ging nun durch kühle leere Gewölbe, die von mehr Ungeziefer behaust waren, als ihm lieb war. Schwarze Käfer mit kräftigen Beinen entflohen ins Dunkel, in einer knackenden Insektensprache schimpfend, wenn Eißpin mit seiner gespenstische Laterne auftauchte. Spinnen seilten sich von der Decke ab und torkelten schlaftrunken über den unebenen Steinboden. Ohrenkneifer in der Größe von Blindschleichen verschwanden mit peitschenden Bewegungen in Mauritzen. Über Ihnen ächzte das alte Gemäuer, als ob es in all den Jahrhunderten müde geworden sei, sein eigenes Gewicht noch lange zu tragen.,,Wohin gehen wir denn, Meister?“ fragte Echo bang.,,Ich will dir zunächst einmal den Fettkeller zeigen“, antwortete Eißpin. ,,Das ist der Ort, an dem dein Fett aufbewahrt wird, bis ich es verarbeite.“Echo hatte das Gefühl, als sei er gerade über sein eigenes Grab gelaufen.“- - -Großes Kopfkino, sehr empfehlenswert.