Die Bücher des Autors kann ich nur Jedem empfehlen. Leider zeigt die aktuelle Entwicklung, dass der Mensch in allen Belangen völlig beratungsresistent scheint. Offensichtlich liegt es in unserer Natur keinen Weitblick, Respekt vor anderen Mitmenschen und schon gar kein Mitgefühl für die übrigen Lebewesen auf unserem Planeten zu haben. Leider haben wir nur diesen einen Ast, den wir aber bereits fast gänzlich abgesägt haben. An "Klugheit" kaum zu übertreffen. Mein einziger Trost: Die Natur braucht uns nicht ...
Aus dem Klappentext geht hervor, dass der vorliegende Band der dritte einer Reihe ist. Der erste „Die Menschheit schafft sich ab“ scheint bei flüchtigem Durchblättern ein sehr solide, bild – und faktenreiche Bestandsaufnahme und aktuelle Bilanz nicht der drohenden ökologischen und Klimakrise zu sein, sondern der Krisen, die längst begonnen haben. Der zweite Band „Wenn nicht jetzt, wann dann?“ verspricht weitere Fakten und Handlungsanweisungen. Der dritte mit dem Mond über dem Orinoco scheint mehr philosophisch-literarischer Natur zu sein. Warum ist der Mensch beratungsresistent? Warum zieht er nicht die nötigen Konsequenzen? Warum lässt er sich so viel Zeit und wiegt sich in der Illusion, dass es auf ein paar Jahre und ein paar Millionen oder Milliarden Tonnen C0s nicht ankommt? Warum vertraut er auf zukünftige technische Lösungen, die entweder noch nicht existieren oder so aufwändig und energieintensiv sind, dass wir die Landschaft mit Kollektoren und Windrädern zupflastern müssten ? Warum ist sparen und eine Postwachstumsökonomie kein wirkliches Thema, sondern lässt die „Fachleute“ nur lächeln ? Harald Lesch und sein Koautor haben außer der berühmten „42“, die aus Zeitgründen und anderen nicht in Frage kommt, vierzehn Überlegungen oder Kommentare – wirkliche Antworten sind es nicht - , die unsere Unfähigkeit näher beleuchten. Aber sie sind eben nur neue Einkleidungen der alten Fragen, von denen wir befürchten, dass es keine Antworten gibt oder sie zu spät kommen. Es bleibt auf der psychologisch-soziologisch-politischen Ebene. Wir sind geborene Procrastinierer und handeln erst im letzten Moment. Das wissen wir schon von der eigenen Promotion. Wir scheuen oft – nicht immer ! – Neuerungen und machen lieber so weiter wie vorher. Mehr desselben nach Watzlawick. Wir wollen ungern etwas hergeben, was wir haben und an das wir uns gewöhnt haben. Und dann gibt es da noch das Allmende-Prinzip, das wir nicht im eigenen Dorf sondern im Weltmaßstab anwenden. Irgendwie ist es eine männliche Veranstaltung, dieses gescheite Kamingespräch. Über ihm vielleicht ein Portrait von Hoimar von Ditfurth. Der mit dem Apfelbäumchen. Das war vor fünfzig Jahren oder anderes gesagt einem halben Jahrhundert. Also ist es offenbar wirklich Zeit. Es ist sehr unterhaltsam dieses Männergespräch, auf hohem Niveau. Vieles ist bekannt, aber man lernt eventuell noch Neues aus der Kosmologie und Kosmogonie. Bis hin zur kleinsten kausal sinnvollen Längen- und Zeiteinheit. 1.6 mal 10 hoch -35 Meter und 5.3 mal 10 hoch -44 Sekunden. Wuffff-…. hat es da gemacht und das Universum war erfunden. Auch zum Staunen leitet Lesch an und das meine ich jetzt wirklich ernst. Gründe gibt es genug. Nicht über Politiker oder Supermario Olaf Scholz, sondern über „Die Wunder des Lebens“. So hieß mein erstes großes naturkundliches Buch in der Volksschule. Und so bewegen wir uns zitatenweise in der angenehmen Gesellschaft von Schopenhauer, Rüdiger Safranski, Alexander von Humboldt oder Andrea Wulf, die ein schönen Buch über letzteren geschrieben hat. Und es geht weiter mit Alexander von Gerst, dem deutschen Astronauten, Thomas Mann, Hans Jonas und dem Dalai Lama. Goethe lässt Faust den Anfang des Johannes-Evangeliums übersetzten mit „Im Anfang war das Wort“. Dann kommt er mit neuer Inspiration über den „Sinn“ zur „Kraft“ und schließlich zur „Tat“. Ja, man müsste wirklich etwas tun. Aber erst sollen Johann Wolfgang Goethe und Thomas Mann mal die Sachlage beschreiben. Diese schönen Textstellen hat Lesch für uns gefunden. Zunächst Goethe: „Wenn die gesunde Natur des Menschen als ein Ganzes wirkt, wenn er sich in der Welt als in einem großen, schönen, würdigen und werten Ganzen fühlt, wenn das harmonische Behagen ihm ein reines freies Entzücken gewährt, dann würde das Weltall, wenn es sich selbst empfinden könnte als an sein Ziel gelangt aufjauchzen und den Gipfel des eigenen Werdens und Wesens bewundern. Denn wozu dient all der Aufwand von Sonnen und Planeten und Monden, von Sternen und Milchstraßen, von Kometen und Nebelflecken, von gewordenen und werdenden Welten, wenn sich nicht zuletzt ein glücklicher Mensch unbewusst seines Daseins erfreut.“ Als Goethe in Thomas Mann wiedergeboren wurde, hört es sich folgender Maßen an und findet Leschs volle Billigung; im „Hochstapler“ sagt Professor Kuckuck zum falschen Marquis des Venosta: „ Es habe das Sein nicht immer gegeben und werde es nicht immer geben. Es habe einen Anfang gehabt und werden ein Ende haben, mit ihm aber Raum und Zeit, denn die seien nur durch das Sein und durch dieses aneinander gebunden. Raum, sagte er, sei nichts anderes als die Ordnung oder Beziehung der materiellen Dinge untereinander. Ohne Dinge, die ihn einnähmen, gäbe es keinen Raum und auch keine Zeit. Denn Zeit sei nur eine durch das Vorhandensein von Körpern ermöglichte Ordnung von Ereignissen, das Produkt der Bewegung, von Ursache und Wirkung, deren Abfolge der Zeit Richtung verleihe, ohne welche es die Zeit nicht gebe. Raum- und Zeitlosigkeit aber, das sei die Bestimmung des Nichts. Dieses sei ausdehnungslos in jedem Sinne, stehende Ewigkeit, und nur vorübergehend unterbrochen worden durch das raumzeitliche Sein.“