MUSIK fachfremd unterrichtenSchnell gelernt – einfach umgesetztWerner FreitagAuer Verlag, Donauwörth 2012ISBN 978-3-403-06451-0„Sie sollen in diesem Schuljahr Musik unterrichten und sind überhaupt nicht musikalisch? Sie haben Angst und wissen nicht, wie Sie diese Herausforderung meistern sollen?“Viele Kollegen, ganz oft jüngere oder sogenannte „Surnuméraires“ stehen von einem Augenblick zum andern vor dieser Herausforderung, dies oft erst wenige Tage vor dem Schulbeginn im September. Kaum ein Schulfach verbreitet bei (musikalischen) Laien soviel Angst, Unsicherheit, Selbstzweifel, ja Panik wie das Fach „Musik“. Und wer greift in diesem Fall nicht gerne zu jedem sich bietenden rettenden Strohhalm.Ist das oben genannte Buch ein solcher Strohhalm? Oder handelt es sich eher um eine Eisenstange, die den verzweifelten, nach Rettung vor dem musikalischen Ertrinken lechzenden Kollegen noch tiefer in den Sumpf der musikalischen Unsicherheit zieht?„Der Band enthält:• eine Einführung in das Thema• genaue Hinweise zur eigenen Fortbildung und Vorbereitung• unterrichtspraktische Tipps zu jedem Thema• genaue Anleitungen zur Unterrichtsplanung• exemplarische Stundenbilder• ein kleines Musiklexikon mir Begriffserklärungen• über 40 Kopiervorlagen• eine CD mit Hörbeispielen“.Klingt doch gut, besonders wenn der Autor, Dr. Werner Freitag eine „langjährige Berufserfahrung als Musiklehrer an Allgemeinbildenden Schulen, Fachleiter für Musik am Studienseminar für Grund-, Haupt-, Förder- und Sekundarstufenschulen“ besitzt.Aber mit dem Basisband „Musik fachfremd unterrichten“ ist das kein Problem (laut Text auf der Rückseite). „Er bietet Ihnen in verständlicher Sprache zu allen wichtigen Themen des Musikunterrichts einfache, effektive Hilfen zur Einarbeitung in die jeweilige Thematik.“ Und außerdem behauptet der Rückseitentext: „Ist die Einarbeitung geschafft, dann läuft der Unterricht in den Klassen 1-4 wie von selbst“. Hört, hört, das klingt ja nun aber allemal schon fast wie ein Wundermittel.Ich werde versuche, in den folgenden Zeilen zu beleuchten, ob dies denn nun tatsächlich ein musikpädagogisches Wundermittel ist.Beim Verfassen dieser Rezension legte ich, um mich in Stimmung zu setzen, erst einmal die mitgelieferte CD ein. Und – oho: ich suchte verzweifelt nach einem Inhaltsverzeichnis der auf der CD vorhandenen Stücke. „Das kann doch nicht sein“, dachte ich und fand auf der Seite 82 tatsächlich den Inhalt sowohl der Arbeitsblätter wie auch der Tonbeispiele auf dem Tonträger. Beim näheren Hinsehen entpuppen sich die 43 Arbeitsblätter (2. Teil des Buches, Seiten 81 bis 125) aber entweder als einfache Kopien der Lieder mit den dazugehörenden Noten (11) oder aber als eher überdimensionierte Kopiervorlagen (32), auf denen beispielsweise auf der einen Seite 4 Instrumente als Bild und auf der Rückseite mit den jeweiligen Namen angegeben wurden. Einige Arbeitsblätter haben wohl ihre Bedeutung, alles in allem hätte man sich einige Seiten dieses Teils sparen können.Was nun den Hauptteil des Buches, die Seiten 5 bis 76 anbelangt, so sind diese überschrieben als „Arbeit mit musikalischen Umgangsweisen“ und gliedern sich wiederum in 4 Kapitel:1. Sich bewegen zu Musik2. Singen, Lieder erarbeiten, begleiten und gestalten3. Musizieren auf Instrumenten und Noten lernen4. Hören von MusikDiese Einteilung scheint mir gelungen zu sein, weil sie die wichtigsten Bereiche des musikalischen Schaffens in den Grundschulen abdeckt, ja sogar teilweise darüber hinausgeht (ich denke hierbei an das „Musizieren auf Instrumenten und Noten lernen“, was eher den Musikschulen vorbehalten ist).Jedes dieser Kapitel wiederum besteht aus zwei Teilen. Zuerst einmal „Für Ihre eigene Fortbildung und Vorbereitung“. Dieser Teil gibt den LehrerInnen in verständlicher Form das nötige Basiswissen, damit sie mit der musikalischen Notation, den musikalischen Fachbegriffen und der benötigten Fachsprache überhaupt etwas anfangen können. Allerdings ist es angebracht, diese Seiten im Vorfeld genauestens durchzunehmen, da musikalische Laien sich anfangs vielleicht etwas schwer mit der Materie tun. Die Palette dieser „eigenen Fortbildung“ ist weit gefächert und reicht von selbstverständlichen Tipps (Beispiel: den Anfangston geben) bis zu fachspezifischeren Inhalten (Beispiel: Informationen zur Kinderstimme).Der zweite Teil des Kapitels ist mit „Tipps für den Unterricht“ überschrieben. Hier bekommt man genaue Tipps, wie man auf verschiedene Themen des Musikunterrichts eingehen kann, wobei einige in meinen Augen recht nützlich sind, andere eher weniger. Aber das hängt auch wieder vom individuellen musikalischen Wissenstand des Lesers ab.Der letzte Teil des Buches ist dem Thema „Unterrichtsplanung“ gewidmet. Hier gibt der Autor eine lange Liste von musikalischen Bausteinen (66, wenn ich mich nicht verzählt habe, und die Liste ließe sich noch erweitern), die man relativ einfach miteinander kombinieren kann. Außerdem finden wir einige exemplarische Stundenbilder, die uns zeigen, wie man diese Bausteine zu Musikstunden sinnvoll zusammensetzen kann.So: wie soll man nun das Buch als ganzes bewerten? Alles in allem eine „Genügende“, wobei mir einige Mängel in Aufmachung (schwarz-weiß, wenig ansprechende Illustrierung), Qualität der Tonbeispiele (klingt des Öfteren wie Musik aus der Konservendose) sowie Strukturierung (wenig detailliertes Inhaltsverzeichnis) auffielen. Da hilft auch das zweiseitige kleine Musiklexikon am Ende des Buches wenig.Mit diesem Buch muss man sich beschäftigen, bevor man es im Unterricht einsetzen will. Außerdem ist es für musikalische Laien ebenfalls sinnvoll, sich andere, ähnliche Werke zuzulegen, um seinen (musikalischen) Horizont nicht auf dieses Buch allein zu stützen.