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Deutsche Gesellschaftsgeschichte Bd. 5: Bundesrepublik und DDR 1949-1990 | Hans-Ulrich Wehler | Buch
Bewertungen & Erfahrungen
4,8 von 5,0
5 Bewertungen
5 ★4
4 ★1
3 ★0
2 ★0
1 ★0
Verteilung basiert auf 5 vorliegenden Einzelbewertungen.
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Redaktion15.07.2026
testmonster.de · Redaktion
Dieses Buch ist eine hervorragende und tiefgehende Darstellung der Geschichte der Bundesrepublik und DDR, die sehr empfehlenswert ist. Die Analyse von Hans-Ulrich Wehler ist äußerst aufschlussreich und begeistert.
Redaktion15.07.2026
testmonster.de · Redaktion
Dieses Buch ist eine hervorragende und tiefgehende Darstellung der deutschen Gesellschaftsgeschichte der Bundesrepublik und DDR und bietet einen sehr spannenden Einblick in diese wichtige Epoche. Die Analyse von Hans-Ulrich Wehler ist äußerst fundiert und begeisternd.
Redaktion15.07.2026
testmonster.de · Redaktion
Ich habe dieses Buch als Geschenk für meine Schwester ausgewählt. Die Papierqualität wirkt durchgehend gut und die Buchausführung ist ordentlich. Die Bindung hält das Buch in einer angemessenen Form. Die Lesbarkeit der Seiten ist gut zu beurteilen.
Hans-Ulrich Wehler hat mit dem vierten Band seiner Deutschen Gesellschaftsgeschichte ein wahres Meisterwerk vorgelegt. Es ist eine unglaubliche Leistung, ein derartiges Projekt - vier Bände über die deutsche Gesellschaftsgeschichte - zu wagen und mit Bravour zu bestehen. Denn es handelt sich um ein wichtiges Standardwerk zur Deutschen Geschichte, ähnlich wie es meines Wissens nur der britische Marxist Hobsbawm in seinem "Zeitalter der Extreme" vorgelegt hat, in dessen Tradition Wehler steht.Ich war in mehrerer Hinsicht positiv überrascht. Zum einen demonstriert Wehler Lernfähigkeit. Gerade hier im 4. Band gibt er das "Primat der Gesellschaft" auf, indem er - in Bezug auf das Dritte Reich - der politischen Geschichte den Vorrang einräumt und Hitler im Sinne Max Webers und in Anlehnung an Ian Kershaw als "charismatischen Führer" bezeichnet. Allerdings erliegt er keine hitlerzentristischen Geschichtsschreibung, da Wehler immer wieder die Wechselwirkung zwischen folgebereiter Gesellschaft und dem charismatischen Führer belegt: "Zwar ist der Forschungsbefund "Nichts ist so kontrovers wie die Deutung Hitlers" (L. Herbst) häufig wiederholt worden. doch läßt sich, wenn man der Leitkonzeption der charismatischen Herrschaft folgt, eine durch ihre Konsistenz und Erklärungskraft anderen Deutungen überlegene Interpretation gewinnen, die sowohl der unbestreitbaren Sonderrolle Hitlers als auch der inneren Verfassung der deutschen Gesellschaft gerecht wird, indem sie beide dank ihrer "Wahlverwandschaft" (M. Weber) aufeinander bezieht" (S. 598). In Anlehnung an den verstorbenen Historiker Martin Broszat plädiert Wehler für eine "Historisierung des Nationalsozialismus", in der der Nationalsozialismus nicht mehr als Einbruch des Schrecklichen in eine unversehrte deutsche Lebenswelt verkannt werde, sondern aus den inneren Zusammenhängen der neueren deutschen Geschichte zu begreifen sei (S. 991). Die atemberaubende Erfolgsgeschichte Hitlers sei nur aus den politischen Traditionen und mentalen Dispositionen, den Machtverhältnissen und Elitenkoalitionen, den Verletzungen und Ressentiments der modernen deutschen Geschichte zu verstehen. Charismatische Herrschaft, wertneutral und nicht positiv zu verstehen, sei nicht möglich ohne eine den Charismaträger unterstützenden Gesellschaft.Dies alles wird von Wehler pointiert und überzeugend dargelegt, wobei Hitler in der Tat als "starker Diktator" begriffen wird, der letzten Endes auch die Verantwortung für die Judenvernichtung und den Holocaust trage, da sie seinem rassistsichen Weltbild entspräche. Aufgrund seiner omnipotenten Führerschaft habe Hitler ein Interprationsmonopol in diesen Fragen besessen (S. 655, Kapitel: Staatliche Rassenpolitik). Dies ist alles korrekt, wobei Wehler dennoch zeigt, dass dieser Radikalantisemitismus durch die Reichsbevölkerung passiv geduldet oder gar hämisch gebilligt worden sei. Daniel Goldhagens Legende von einem "Eliminatorischen Antisemistismus", der sich angeblich seit Jahrhunderten in der deutschen Staatenwelt aufgestaut habe, weist Wehler - zutreffend - zurück.Es bleibt zu konstatieren, dass Wehlers Thesen korrekt sind, wenn sie auch nicht in das Bild derjenigen Historiker passen, die die Rolle Hitlers als "schwachen Diktator" einschätzen.Wehler hat auch zahlreiche Thesen aus seinem ersten Buch über das deutsche Kaiserreich relativiert. So steht er insbesondere der "Sonderwegsthese" inzwischen kritischer gegenüber, was im Vorwort in seiner Auseinandersetzung mit Heinrich August Winklers: "Der lange Weg nach Westen" verdeutlicht wird (ich halte - im Gegensatz zu Wehler, Winklers Buch jedoch ebenfalls für ein großartiges Geschichtswerk und teile Wehlers Ansichten zu diesem Werk nicht). So entdeckt er an dem Kaiserreich, in welchem im Vergleich zum Dritten Reich "Rechtssicherheit" vorgeherrscht habe, auch positive Seiten, die man in seinem Erstling ganz und gar vermisst. Dies zeigt jedoch die Lernfähigkeit Wehlers und die Bereitschaft, eigene Weltbilder in Frage zu stellen.Negativ ist anzumerken, dass es bisweilen - mir zu pauschale - Kritik an Historikern gibt - etwa Winkler - mit denen Wehler nicht übereinstimmt. Außerdem ist der Anmerkungsapparat unübersichtlich, so dass er kaum überprüfbar ist. Dies gilt leider für alle Wehlerschen Publikationen.Fazit: Das Werk wird - aller kritischen Einwände zum Trotz - ein Meisterwerk der Geschichtsschreibung bleiben. Der Anspruch, eine Synthese zu wagen zwischen chronologischer Ereignisgeschichte und problemorientierter Analyse und Erklärung wesentlicher Erscheinungen des historischen Prozesses, ist gelungen.
Hier handelt es sich nach meinem Dafürhalten um _das_ moderne Standardwerk zur neueren deutschen Geschichte. Nachdem ich schon den 5. und letzten Band der "Deutschen Gesellschaftsgeschichte" mit großem Gewinn gelesen hatte, habe ich mich entschlossen, mir die komplette Reihe vom ersten Band an vorzunehmen. Dabei brauche ich für jeden Band Monate...Band 1 umfasst offiziell zwar den Zeitraum von 1700 bis 1815, jedoch holt Wehler zunächst weit bis in die frühe Neuzeit aus, um den Faden aufzunehmen."Weit ausholen" ist auch die richtige Bezeichnung für das, was Wehler methodisch macht. Um seine Herangehensweise und Methodik zu erläutern, werden zu Beginn des ersten Bandes rund 25 Seiten gebraucht. Am Anfang etwas lästig, aber man sollte dennoch nicht darauf verzichten, um das Opus auch richtig - und hier meine ich "völlig richtig" - zu verstehen.Wehlers Ansatz ist multikausal. Er sieht die Gebiete Ökonomie, Politik und Kultur mit einer begrenzten Autonomie und der Fähigkeit, die historische Entwicklung voranzutreiben und auf die jeweils anderen Komponenten einzuwirken. Damit richtet sich Wehlers Ansatz gegen den vulgärmarxistischen Primat der Ökonomie. Auf dieser Grundlage entwickelt Wehler ein noch feineres Interpretationsmuster, das hier nicht weiter dargestellt werden soll, wie ich überhaupt nur auf die für mich wichtigsten Aspekte eingehe.Umfang und Detailgenauigkeit des Werks sind überwältigend. Dabei verliert sich Wehler aber nie im Detail und webt immer wieder den Hintergrund der großen Zusammenhänge ein. Bei der ungeheuren Materialfülle fragt man sich nur, ob der Autor die zehntausenden, wenn nicht hunderttausenden Seiten der verwendeten Literatur alle selbst gelesen und verarbeitet hat und inwieweit wissenschaftliche Mitarbeiter und Doktoranden zugearbeitet haben.Wehlers Stil hält genau die Grenze zwischen Lesbarkeit und wissenschaftlichem Anspruch. Formulierfreude und Leidenschaft in der Auseinandersetzung mit anderen wissenschaftlichen Positionen sind überaus deutlich. Teils wird Wehler geradezu süffisant, vor allem, wenn es um die Abkanzelung wissenschaftlicher oder historischer Personen geht. Am "überschätzten" Freiherr vom und zum Stein lässt er z. B. kaum ein gutes Haar.Dreh- und Angelpunkt dieses Teils der deutschen Geschichte ist für Wehler die Französische Revolution mit ihren massiven direkten als auch indirekten Auswirkungen auf Deutschland. Durchaus spannend wird die Aufholjagd Deutschlands in der nur teilweise gelungenen "defensiven Modernisierung" beschrieben.Ohne weiteres lassen sich auch einzelne Kapitel des Buches separat lesen. Hochinteressant fand ich z. B. die Kapitel, die sich der Entwicklung des Schul- und Hochschulwesens widmen, in denen Wehler, wie auch an anderer Stelle des Buches, mit einigen Mythen aufräumt.Einzelne Abschnitt sind so gelungen, dass sie mit Fug und Recht eine eigene kleine Veröffentlichung verdient hätten. So ist etwa die Darstellung der Entstehung des deutschen Nationalismus als brillant zu bezeichnen.Noch einiges zur Edition. Wehler verzichtet darauf, die Belegstellen direkt als Nachweis mit Fußnoten anzuführen und gibt stattdessen jeweils nach einigen Sätzen oder Absätzen seine Quellen summarisch an. Das gilt häufig auch für Zitate. [Edit 22. 2. 22: Das wird in mehreren Besprechungen teils scharf kritisiert und damit die „Wissenschaftlichkeit” des Werkes in Abrede gestellt oder relativiert. Wehler ging sonst mit den Anmerkungen und Belegen normalerweise nicht so um. Zum Beispiel in „Modernisierungstheorie und Geschichte”, was ich gerade lese, nehmen die wie üblicherweise bei ihm sehr genau und sorgfältig geführten Anmerkungen rund ein Viertel des gesamten Textumfangs ein. Das wären bei der „Deutschen Gesellschaftsgeschichte” 1200 Seiten nur für den Anmerkungsapparat. Wem sollte das zuzumuten sein? Ganz offensichtlich handelte es sich doch um einen editorischen Kompromiss, um die fünf Bücher für ein breites Publikum lesbar zu machen und den Umfang – auch aus Kostengründen – nicht vollends zu sprengen. Wenn man bestimmte Veröffentlichungen sieht, bei denen der Anmerkungsapparat umfangreicher ist als der Haupttext, versteht man das.]Zum Abschluss des Bandes haben mich einige Passagen sehr nachdenklich gemacht, in denen Wehler beschreibt, wie die Menschen um 1800 herum die damalige Zeit wahrgenommen haben. Er zitiert u. a. Johanna Schopenhauer, die 1839 schrieb: "Mit verdreifachter und vervierfachter Schnelle gehen Leben und Reisen;... sogar die Stunden galoppieren" im Vergleich mit "jener alten ehrlichen Zeit" vor 1789, "deren Gebräuche und Lebensweise uns jetzt so fern zu liegen scheinen, als wären sie durch Jahrhunderte von uns getrennt, obgleich seit ihrem völligen Erlöschen kaum fünfzig Jahre vorübergezogen sind".Was würden Menschen der damaligen Zeit über uns heutige Bürger im Zeitalter des Internet und der "Social Media" zu Beginn des 21. Jahrhunderts sagen? Wahrscheinlich würden sie glauben, wir sind verrückt.
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Letzte Aktualisierung: 10.10.2026 06:19 Uhr.